Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 24. Dezember – Am Heiligen Abend

Und dann ist er da …
Der Tag, auf den die Engel das ganze Jahr gewartet haben. Der Tag, an dem die Zeit zwischendurch einen Augenblick lang still zu stehen scheint. Der Tag, an dem Kinderaugen leuchten. Der Heilige Abend.
Die Nacht ist sternenklar und richtig kalt gewesen. Emil ist zwischendurch wach gewesen und voller Erstaunen am Fenster stehen geblieben. Ein Stern neben dem nächsten funkelte am Himmel. Es schien ihm, als leuchteten sie viel heller als sonst. Und der Hellste und Größte von ihnen … stand er über dem Engeldorf?

Eine lange Zeit konnte er sich gar nicht von dem wundervollen Bild, das sich ihm bot, trennen. Doch irgendwann übernahm dann doch die Müdigkeit das Zepter und er ging wieder in sein Bett. Ganz beruhigt schlief er ein.
Der Morgen beginnt in aller Ruhe. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel. Die Luft ist frisch und klar. Ganz langsam erweckt das Engeldorf. Man hört ein Klappern hier, ein Schieben dort, ein Trippeln da. Egon und Ede tragen Tische und Stühle nach draußen. Erich bringt große Körbe mit frischen Brötchen, süßen Hörnchen und warmen Brezeln mit. Elise stellt Teekannen und zwei große Töpfe mit heißer Schokolade auf die Tische. Erna und Elfie dekorieren die lange Tafel. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen. Ein Feuer neben dem Brunnen wurde auch schon wieder entfacht. Es sieht einfach himmlisch aus.
Die Engel sitzen am Frühstückstisch. Messer und Löffel klappern. Man hört ein leises Gemurmel. Spannung liegt in der Luft. Und eine ganz besondere Vorfreude auf den Tag.

Bald werden sie losfliegen. Bald werden sie zu den Kindern in der ganzen Welt fliegen und ihnen ihre Weihnachtswünsche überbringen. Einige werden sie sehen können. Andere werden sie nicht sehen können, aber ihre kleinen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum finden.
Jedes Kind bekommt einen kleinen Engel aus Glas. Einen Engel, den es auf seinem Weg immer bei sich tragen kann. Wohin es auch geht. Einen Engel, der es beschützen soll. Der es begleiten soll. Einen Engel, den es in die Hand nehmen kann, um sich daran festzuhalten. Einen Engel, der einfach da sein darf.
Und mit den Engeln werden natürlich die selbst gebackenen und liebevoll verzierten Plätzchen verteilt. Jedes Kind bekommt einen süßen Engel, einen Stern, eine Glocke oder einen Tannenbaum. Mit strahlend weißem Zuckerguss und silberglänzenden Zuckerstreuseln.
Die Körbe, in denen die kleinen Geschenke liegen, stehen alle zusammen auf einem großen Tisch vor der Bäckerei. Es ist ein zauberhaftes Bild. Wie in jedem Jahr. Es scheint, als warteten sie ganz geduldig darauf, dass es endlich losgeht. Und dass sie sich der Wichtigkeit ihrer Aufgabe sehr bewusst sind.

Und dann, nach einiger Zeit, die sie gemeinsam beim Frühstück verbracht haben, geht es mit einem Mal los. Der große Moment scheint gekommen zu sein. Gemeinsam räumen sie die Tische ab, gehen noch einmal kurz in ihre Häuser und sammeln sich dann anschließend vor Erichs Bäckerei, um ihre Körbe abzuholen. Elise summt leise die Melodie von “Engel auf den Feldern singen” an. Emily, Emma und Emil stimmen als Erste mit ein. Nach und nach nehmen alle 24 Engel die Melodie auf und das liebliche Summen wird immer deutlicher zu hören. Ein bezaubernder Klang legt sich über das Engeldorf.
Jeder Engel nimmt sich seinen Korb. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, die von Feierlichkeit nicht zu übertreffen ist. Dann … fliegt einer nach dem anderen los. Die Engel scheinen ganz genau zu wissen, in welche Richtung sie ihr Weg führt. Emma und Egon sind die Letzten, die sich auf den Weg machen. Ihre Flügel sind auch aus der Ferne noch lange zu sehen. Ihre Stimmen noch eine Zeit lang zu hören. Dann herrscht vollkommene Ruhe.

Für einen Augenblick ist alles still.
Bis … ja, bis man ein paar leise Schritte hört. Ein leises, aber schnelles Tippeln, das sich nähert. Ein jetzt kaum zu überhörendes Tippeln. Die drei Eichhörnchen kommen angelaufen. Henry, Hans und Horst flitzen an dem einen Baum hoch, springen über zu dem nächsten, klettern diesen wieder hinunter und den nächsten wieder rauf. Bis sie im Dorf angekommen sind. Felix, der Fuchs, und Dachs Dario sind ebenfalls auf dem Weg ins Engeldorf. Eselin Emmi schaut noch einmal vorsichtig nach, ob bei Ilias alles in Ordnung ist. Der Igel schläft friedlich im Stroh und sieht kerngesund aus. Der kleine Kerl ist ihr sofort ans Herz gewachsen und sie sehr glücklich darüber, dass es ihm jetzt so gut geht.

Die Rehe kommen aus dem Wald, die Kaninchen, einige Mäuse, Eulen und sogar Wölfe. Es kehrt Leben zurück in das Dorf. Und mit dem Leben kommt auch die Dämmerung. Schon nach kurzer Zeit ist die Sonne untergegangen. Am Himmel glänzen die Sterne.
Die Kerzen des Weihnachtsbaums und das wärmende Feuer tauchen das Engeldorf in ein warmes und gemütliches Licht. Henry, Hans und Horst zünden nach und nach und besonders geduldig die Kerzen auf den Lichterbögen in den Häusern an. Ein Fenster nach dem anderen erstrahlt so im warmen Kerzenschein.

Emmi und Felix backen Waffeln. Erich hat den Teig schon für den Abend vorbereitet. Dass die Waffeln später bei der Ankunft der Engel aber schon gebacken sein werden, damit würde er in keinem Fall rechnen.
Die Rehe bereiten Tee zu und erhitzen den Glühwein. Felix zieht immer noch die Nase kraus, wenn der Glühweinduft vorbeizieht. Die Eulen setzen den großen Stern auf den Weihnachtsbaum. Und Dario … Dario trägt voller Ehrfurcht das Christuskind in den Stall. Als er es in die Krippe legt, wird es rund um den Stall leise. Einen Moment lang halten die Tiere inne. Dann machen sie mit den Vorbereitungen weiter.
Als alles fertig ist, versammeln sie sich um den Weihnachtsbaum. Ruhe kehrt ein. Zusammen betrachten sie das weihnachtlich geschmückte Dorf. Es liegt wahrhaftig ein Zauber darüber. Der Zauber der Weihnacht …
Eins der Rehe fängt an, “Stille Nacht, Heilige Nacht” zu summen. Nach und nach stimmen alle Tiere mit ein. Das gemeinsame Singen lässt sie noch näher zusammenrücken.
Und dann … nach nicht allzu langer Zeit kommen auch unsere Engel zurück. Elfie ist als Erste wieder da. Sie stellt ihren Korb zurück vor die Bäckerei und traut ihren Augen nicht. „Welch eine Überraschung“, flüstert sie ehrfürchtig, „Welch wundervoller Weihnachtszauber.“ Und auch die anderen Engel, die nach und nach von ihrer Reise zurückkommen, sind ganz ergriffen von dieser wundervollen Überraschung.
Und mit den Erinnerungen an die glücklichen und leuchtenden Kinderaugen, an die wunderschönen Momente, die sie von ihrer Reise mitnehmen durften und der Freude über die zauberhaften Weihnachtsvorbereitungen in ihrem Dorf, gehen sie in einen ganz besonderen und einzigartigen Heiligen Abend.
Ja, jetzt ist er da. Dieser Abend. Auf den sie so lange gewartet haben …

 

Diese war die letzte Geschichte unseres Adventskalenders 2022. Wir wünschen Ihnen und Ihren Senioren Frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Diese Geschichten unseres Adventskalenders sind außerdem erschienen:

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 1. Dezember – Die Vorbereitungen beginnen

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 2. Dezember – In der Backstube

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 3. Dezember – Das Wunder der Musik

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 4. Dezember – Zweiter Advent

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 5. Dezember – Holzsuche im Wald

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 6. Dezember – Der Nikolaus kommt zum Frühstück

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 7. Dezember – Die verschwundene Lichterkette

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 8. Dezember – Der geschmückte Tannenbaum

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 9. Dezember – Zu viel Punsch

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 10. Dezember – Ein Zuhause für den Übergang

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 11. Dezember – Ein neuer Freund

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 12. Dezember – Die Reise der Weihnachtssterne

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 13. Dezember – Die ersten Schneeflocken

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 14. Dezember – Köstliche Schokolade

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 15. Dezember – Ganz besondere Lichterbögen

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 16. Dezember – Kugeln aus Glas

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 17. Dezember – Die Suche nach der Wolle

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 18. Dezember – Christkindlmarkt im Engeldorf

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 19. Dezember – Erinnerungen

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 20. Dezember – Der Glanz der Lichterbögen

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 21. Dezember – Mandelduft liegt in der Luft

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 22. Dezember – Ihr Kinderlein kommet

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 23. Dezember – Besuch an der Krippe

Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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