Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 13. Dezember – Die ersten Schneeflocken

Die Engel bleiben noch so lange am Meer stehen, bis sich auch der letzte der Weihnachtssterne auf seinen Weg gemacht hat. Emil schaut noch lange in den Himmel. Obwohl er diesen Augenblick in den Jahren zuvor schon viele, viele Male erleben durfte, steht er dem Geschehen trotzdem immer wieder sprachlos gegenüber. Elise legt ihre Hand auf seine Schulter. Einen Moment lang schauen sie zusammen in den Himmel. „Es rührt mich jedes Jahr aufs Neue“, sagt sie mit leiser Stimme. Emil nickt. Er seufzt einmal tief, wartet kurz, verabschiedet sich vom Himmel und richtet seinen Blick wieder geradeaus.
Langsam, ganz langsam beginnen die ersten Engel wieder zu sprechen. Ein leises Gemurmel ist zu hören. Und langsam, auch ganz langsam, macht sich die Gruppe auf den Rückweg ins Engeldorf. Kalt ist es geworden. Es ist bereits später Nachmittag, als sich die Gruppe in Bewegung setzt. Auch der Sand unter ihren Füßen fühlt sich kühler an als am Vormittag.

Es ist ein schöner Weg durch die Dünen. Schon von Weitem sehen die Engel den Weihnachtsbaum, der in seinem Licht erstrahlt. Zusammen gehen sie in aller Ruhe in Richtung des warmen Lichts. Auf dem Weg zurück ist förmlich zu spüren, wie sich die Anspannung der Engel in große Erleichterung wandelt. Am Ende eines Tages, den sie schon so oft sehr ähnlich erlebt haben und der in seiner Feierlichkeit fast nicht zu übertreffen ist. Dem aber auch jedes Jahr aufs Neue ein Zauber innewohnt, der überwältigend sein kann.
Das Engeldorf liegt ganz friedlich im Lichterglanz des Weihnachtsbaumes.

Neben dem Baum steht ein großer Tisch mit Tee, Punsch und frisch gebackenem Brot. Erich ist etwas früher zurückgegangen, um es aus der Backstube zu holen. Es duftet herrlich. Frisch aufgeschnitten dampft es noch ein wenig. Emily und Egon sind die Ersten, die sich eine Scheibe frisches Brot und heißen Tee nehmen. Der Tag hat sie hungrig gemacht. Nein, nicht nur die beiden. Nach und nach kommen immer mehr Engel am Tisch an und probieren die frischen Köstlichkeiten.
Aus dem anfänglich noch leisen Gemurmel wird nach und nach ein reges Treiben in einer sehr gemütlichen Atmosphäre. Die heißen Getränke und das warme, frische Brot tun gut. Elise geht einmal in den Stall, um nach Ilias zu sehen. Der kleine Igel schläft tief und fest. Beruhigt geht sie rüber zu Emmi. Die Eselin liegt ganz entspannt im Stroh und schaut durch die Lücken in der Stallwand nach draußen. Elise streichelt über ihren Hals. „Kommst du mit zu uns nach draußen?“, fragt sie leise. „Erich hat frisches Brot gebacken. Und der Tee tut dir bestimmt auch gut.“
Emmi guckt zu Ilias. Der kleine Igel schnarcht leise vor sich hin. Elise bemerkt den Blick sofort. Vorsichtig sagt sie weiter: „Er wird in Ruhe weiterschlafen können. Mach dir keine Sorgen. Komm einen Moment lang an die frische Luft … Ich bring dich danach sofort auch wieder rein.“

Emmi zögert einen Augenblick. Dann lächelt sie liebevoll und steht langsam auf. Die beiden gehen leise aus der Stalltür, vergewissern sich noch einmal, dass Ilias auch wirklich noch schläft und schließen vorsichtig die Tür.
Emmi nimmt sofort die kühle Luft um ihre Nase herum wahr. Es duftet nach Tannengrün, frischem Brot und fruchtigem Punsch. Emmi wird gestreichelt und getätschelt. Nicht von allen auf einmal. Nach und nach. Bei jeder kleinen Begegnung. Die Engel freuen sich, sie nach langer Zeit einmal wieder draußen zu sehen.
Emmi staunt über die Lichter am Baum. Von Weitem hat sie ihn ja schon gesehen. Aus der Nähe wirkt das warme Licht aber ganz anders. Die Eselin bleibt einen Augenblick stehen und schaut den Baum von oben bis unten an. Wie liebevoll er geschmückt ist. Und wie sehr die Wärme der Lichter ihr Herz berührt … Emmi wird ganz warm. Elise stellt sich neben sie und legt ihre Hand auf Emmis Rücken. „Er ist wunderschön geworden“, flüstert sie.

Als Elise gerade ihre Hand von Emmis Rücken nehmen möchte, spürt sie etwas Kaltes von oben kommen. Und noch etwas. Klein und zart und unscheinbar. Die beiden schauen nach oben. Ganz vereinzelt und federleicht schweben Schneeflocken vom Himmel. Eine nach der anderen. Sie glitzern im Licht des Weihnachtsbaumes.
Es dauert eine kleine Weile, bis alle Engel sie bemerken. Nach und nach geht ein leises Raunen durch die Gruppe. Und immer mehr Engel schauen nach oben. Manche bewundern die Schneeflocken, die sich auf ihre Flügel legen. Egon ist tief berührt. „Der erste Schnee …“, flüstert er leise. Emma steht neben ihm und lächelt: „Ja, der erste Schnee …“
Nach den anfänglichen vereinzelten Flöckchen fallen nun immer mehr Schneeflocken vom Himmel herab. Sie bleiben auf den Nadeln des Tannenbaums liegen, auf den Glaskugeln, auf den Holzfiguren und legen sich über das Schleifenband. Auch der Boden wird allmählich von einem seichten weißen Schleier benetzt.
Es sieht wunderschön aus. Und gleichzeitig legt sich mit den Schneeflocken nach der Verabschiedung der Sterne ein neuer Zauber über das Engeldorf …

 

 

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Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 1. Dezember – Die Vorbereitungen beginnen

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 2. Dezember – In der Backstube

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 3. Dezember – Das Wunder der Musik

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 4. Dezember – Zweiter Advent

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 5. Dezember – Holzsuche im Wald

Unsere Adventskalendergeschichte 2022: 6. Dezember – Der Nikolaus kommt zum Frühstück

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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