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Und immer wieder Stau. Eine Kurzgeschichte zum Thema Urlaub


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Und immer wieder Stau

Kennen Sie das auch? Man fährt in den Urlaub, und neben dem Kofferpacken und der Sorge, dass man etwas wichtiges Vergessen könnte, verbringt man die Urlaubsfahrt damit, entweder im Stau zu stehen oder um mehrere Staus herum zu fahren…

In unseren Familienurlauben war es immer so. Mein Vater lauschte schon einen Tag im Voraus in den Nachrichten, ob sich auf unserer Strecke eine größere Baustelle befand. Zusätzlich studierte er unseren Autoatlas, um sich die Strecke so gut wie möglich einzuprägen. Mein Bruder und ich hatten damit gar nichts zu tun. Wir freuten uns auf den bevorstehenen Urlaub, packten so viele Spielsachen wie möglich ein (von denen mein Vater die Hälfte beim Autopacken wieder heraus tat) und verabschiedeten uns von unseren Großeltern und Freunden. Manchmal räumten wir sogar noch unsere Zimmer auf.
Früh am Morgen ging es dann los. Meine Mutter hatte auf die Schnelle in jedem Jahr noch einiges an Handgepäck, das spontan im Auto verstaut werden musste. Trotzdem mein Vater vor sich hin grummelte half es nichts – die Sachen mussten mit. Mein Bruder und ich setzten uns in aller Ruhe auf die Rückbank und nahmen noch so viele Spielsachen wie möglich mit. Schließlich sollte uns auf der Fahrt nicht langweilig werden. Etwa eine halbe Stunde später als geplant fuhren wir ab – jedes Mal. Ich schlug vor, die Abreisezeit im Voraus schon einfach eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben, dann würde es uns gelingen, pünktlich loszufahren, das stieß aber nie auf das Gehör meiner Eltern.
Nunja, wir saßen also im Auto und fuhren endlich in den Urlaub. Nach einer Stunde hatte sich mein Bruder bereits mit all seinen Spielsachen beschäftigt und informierte meine Eltern das erste Mal, dass ihm langweilig war. Meine Mutter schlief zu diesem Zeitpunkt fast immer und mein Vater konnte derlei Anmerkungen gut überhören. Nach zwei Stunden standen wir im ersten Stau. Vor, neben und hinter uns standen Gleichgesinnte, deren Autos genauso voll bepackt waren wie unseres. Ich spielte Kennzeichen-Erkennen, was ungefähr darauf hinauslief, dass ich meinen Vater fragte, was die Abkürzungen zu bedeuten hatten. Ein beliebtes Spiel unter uns Geschwistern war zudem “Ich sehe was, was du nicht siehst”, was angesichts dessen, dass die Autos um uns herum sich nicht einen Zentimeter bewegten, der perfekte Zeitvertreib war. Diesem Spiel machte allerdings meine Mutter, die unterdessen aufgewacht war, nach kurzer Zeit ein Ende, weil ihr das ewige “Nein” auf die Nerven ging.
Nach einiger Zeit ging es auch weiter auf der Fahrt. Der Stau löste sich auf und mein Vater steuerte einen Rastplatz an. Wir streckten alle Gliedmaßen von uns und genossen das Frühstück, dass meine Mutter vorbereitet hatte. Zur Feier des Tages gab es auf Urlaubsfahrten immer Salami am Stück für alle und frische Bayerische Brezen – das schmeckte! Nachdem wir alle einmal auf der Toilette waren ging es weiter.
Nach einer halben Stunde standen wir im nächsten Stau. Diesmal rätselte meine Mutter in Kreuzworträtselheften, mein Bruder schlief und ich krümelte die Rückbank mit Keksen voll, die meine Oma mir für die Fahrt zugesteckt hatte.
Insgesamt durchfuhren wir alljährlich auf unseren Urlaubsfahrten ungefähr drei Staus, egal wo hin es ging. Ich kann nicht sagen, dass die Zeit für uns Kinder nicht unterhaltsam gewesen wäre… Meine Eltern sahen das allerdings anders – so war jedenfalls mein Gefühl.

Heute, wenn ich mit meinen eigenen Kindern in den Urlaub fahre, und das erste Mal auf dem Rücksitz die Frage höre: “Wann sind wir endlich daha?”, denke ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen an unsere Staus aus der Vergangenheit zurück. Staus haben wir immer noch, auch die Kekskrümel auf der Rückbank sind geblieben, lediglich die Perspektive auf die Ereignisse hat sich ein wenig verschoben…

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*

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