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Sommergeschichten für Senioren. Hans am Wagen

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Dies ist eine unserer Geschichten zum Vorlesen für den Sommer. Man kann sie gut in Vorleserunden vorlesen oder als Einstieg in die Biografiearbeit mit anschließenden Erzählrunden nutzen. Es geht um das Männerhobby „Auto waschen“.

Sommergeschichten für Senioren. Hans am Wagen

Hans hütete sein Auto wie seinen Augapfel. Es wurde gehegt und gepflegt. Und auch wenn er sein Auto nicht mehr wie früher ausgiebig in seiner eigenen Einfahrt waschen durfte, so putzte er wenigstens einmal in der Woche den Staub vom Lack. Und von den Scheiben. Besonders im Sommer hatte Hans damit gut zu tun.
Meistens machte er sich samstags ans Auto waschen. Da konnte er sich den ganzen Vormittag Zeit nehmen. Und wenn das nicht genügte, auch noch einen Teil des Nachmittags. Zur Sportschau war er spätestens fertig!
In der Zeit, in der Hans sein Auto polierte, ging seine Frau Karin in den Garten und kümmerte sich um die Beete. Um zwölf bereitete sie dann das Essen vor. Karin hielt nicht viel vom Auto polieren, zumal sie viel lieber mit dem Fahrrad fuhr. Aber sie ließ Hans in Ruhe gewähren.
Am letzten Samstag war es dann mal wieder einmal so weit. Schon beim Frühstück rutschte Hans ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her. Die ersten Pollen des Sommers waren in der vorigen Woche geflogen. Auf seinem schwarzen Auto hatte sich eine gelbe Staubschicht gelegt, die er unbedingt entfernen wollte. Und erst der ganze Sand aus der Luft.
„Warte doch vielleicht lieber bis morgen“, riet Karin ihm „es soll doch morgen sowieso regnen. Sonst hast du dir die ganze Mühe umsonst gemacht. Und der Regen könnte doch gut als Vorwäsche dienen, oder?“ Hans hob skeptisch seien rechte Augenbraue. Bis morgen warten, dachte er – nie im Leben! Der Regen würde nur noch mehr Unheil anrichten. „Nein“, entgegnete er „ich werde das heute erledigen! Mit dem Auto kann ich mich ja so nirgendwo mehr blicken lassen… Ich fahre den Wagen nach dem Waschen in die Garage, dann passiert im Regen nichts.“
Karin wusste, dass es zwecklos war, Hans umzustimmen wenn er sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte. Und so trank sie in Ruhe ihren Kaffee aus und machte sich auf in den Garten.
Hans war den Tag gut beschäftigt. Die Pollen hatten ganze Arbeit geleistet. Er reinigte jede Ecke, jede Dichtung, jede noch so kleine Vertiefung. Und so kam es, dass er zum Erbsensuppe-Essen am Mittag noch nicht fertig mit seiner Autoreinigung war „Früher wäre das alles viel schneller gegangen!“, murmelte er mit einem Rest Erbsen im Mund. „Da hätte ich den Wagen richtig einschäumen und abspritzen können. Was die sich immer mit ihren neuen Regelungen denken…“ Karin grinste: „Das ist gut für die Umwelt, mein Schatz. Und übrigens, für die Umwelt und deine Gesundheit wäre es sowieso besser, wenn du mal ab und zu zu Fuß gehen würdest. Oder das Fahrrad nehmen würdest.“
Hans überhörte das gekonnt, aß seine Erbsensuppe auf und ging wieder hinaus. Er schaute auf die Uhr: „Na, ob ich die Scheiben innen auch noch schaffe?“, fragte er sich. Er schaffte es. Und das Armaturenbrett noch dazu. Am Ende musste er sich allerdings mächtig sputen, um die Sportschau nicht zu verpassen.
Und so nahm das kleine Unglück seinen Lauf… In der Eile vergaß er, das Auto in die Garage zu fahren. Und natürlich fing es in der Nacht an zu regnen. Als Hans am nächsten Morgen aus dem Fenster schaute, traute er seinen Augen nicht. Der Wagen sah aus wie am Morgen zuvor. VOR der mühsamen Reinigung! Der Regen hatte den ganzen Staub aus der Luft auf sein Auto gewaschen. Wie angewurzelt stand er vor der Scheibe am Küchenfenster.
Nach einer Weile kam Karin und sah das Unglück. Hans tat ihr Leid. Fast gleichzeitig murmelten beide: „Na dann, auf ein Neues…“ Das war auch der Moment, in dem beide begannen, herzlich zu lachen.
Und nach dem Frühstück machte sich Hans erneut ans sein Auto. Ausnahmsweise auch am Sonntag…



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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