Liedergeschichte: Die letzte Fahrt. Bunt sind schon die Wälder
Diese Liedergeschichte verbindet die bekannten Liedstrophen von “Bunt sind schon die Wälder” mit der Erzählung von Max, der gemeinsam mit seinem Onkel Tom einen unvergesslichen Herbsttag erlebt. Das offene Cabrio, die leuchtenden Blätter, das Staunen auf dem Markt und das Picknick am Aussichtspunkt schaffen Bilder, die viele Lesende an eigene Ausflüge und Erlebnisse erinnern werden.
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Das Vorlesen der Geschichte eignet sich wunderbar, um anschließend das Volkslied gemeinsam anzustimmen oder über eigene Herbstfahrten, Ausflüge und Märkte ins Gespräch zu kommen. So entstehen heitere Momente und ein Gefühl der Gemeinschaft.
Die letzte Fahrt
Es war ein wunderschöner Herbstmorgen, als Max in der Küche saß und auf seinen Onkel Tom wartete. Er hatte nur die Hälfte seines Marmeladentoastes gegessen. Und das auch nur, weil seine Mutter ihn immer wieder daran erinnert hatte, noch einen Bissen zu nehmen, weil er ansonsten später großen Hunger haben würde.
Max war so aufgeregt, dass er nichts mehr herunterbekam. Sogar seinen Kakao ließ er stehen. Sein Onkel wollte ihn abholen, um zusammen eine Fahrt in seinem Cabrio zu machen. Die letzte in diesem Jahr. Langsam, aber sicher würde es zu kalt werden. In den Wintermonaten steht das Cabriolet in Onkel Toms Garage. Wird dort sauber gemacht und vor Regen geschützt, bis es im nächsten Frühling wieder raus in die Natur darf.
Max spitzte die Ohren. Hörte er da etwa den Motor des Autos in der Einfahrt? Er sprang von seinem Stuhl auf und stürzte zur Haustür.
Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.
Da stand es. Das rote Cabriolet mit offenem Dach. Sein Onkel Tom winkte ihm freundlich zu „Hallo Max! Bist du startklar?“
Max sprang ihm in die Arme. „Ja klar, können wir los?“ Als Onkel Tom sagte, er wolle nur noch kurz seiner Mama „Hallo” sagen, stöhnte er leise und ließ die Schultern hängen. Da er aber wusste, dass er nichts dagegen tun konnte, drehte er eine Runde um das Cabriolet und guckte es von allen Seiten ganz genau an. Der Lack glänzte im Sonnenlicht.
„Wir haben richtig großes Glück mit dem Wetter Max! Da haben wir uns den richtigen Tag ausgesucht!“ Max hörte, wie sich sein Onkel von hinten näherte. „Seid ihr fertig?“, fragte er mit leuchtenden Augen. Tom grinste. „Ja, von mir aus können wir los! Bist du bereit für unser Abenteuer?“ Max nickte unaufhörlich.
Eine Minute später hörte man das Cabriolet langsam rückwärts über den Kies aus der Einfahrt herausfahren. Max strahlte über das ganze Gesicht. Da das Cabriolet keine Rückbank hatte, durfte er auch noch vorne sitzen.
Er genoss es, den leichten Wind in seinen Haaren zu spüren. Die Sonne wärmte sein Gesicht und seine Arme, sie hatte noch ausreichend Kraft. Die beiden fuhren durch die Felder. Die Bäume links und rechts der Straße waren mit rot- und orangefarbenen Blättern verziert, die im Sonnenlicht leuchteten. „Guck mal, das sieht aus wie auf einem Gemälde!“, machte Max seinen Onkel auf die wunderschöne Landschaft aufmerksam. „Ja, da hast du recht. Das sieht wunderschön aus! Der Herbst ist eine besondere Zeit.“
Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.
Max fühlte sich wie ein Rennfahrer. Zwischendurch machte er das Motorengeräusch nach und tat so, als ob er auch ein Lenkrad in der Hand halten und das Auto steuern würde. „Können wir mal ein bisschen schneller fahren?“ Onkel Tom guckte prüfend auf die Straße. „Eigentlich nicht…“, murmelte er. „Aber da im Moment kein Auto kommt und die Straßen recht breit sind… ein kleines bisschen. Das wird sonst zu gefährlich“ Max nickte verständnisvoll. Dann hielt er sein ausgedachtes Lenkrad ein wenig fester und tat so, als würde er auf ein Gaspedal treten. Onkel Tom gab ein bisschen mehr Gas. Doch von dem bisschen wurde Max schon fester ins Polster gedrückt. Max johlte vor Freude und strahlte seinen Onkel an. Er fühlte sich wie ein Rennfahrer.
Als die Fahrt wieder ein wenig langsamer wurde, fragte Max: „Wohin fahren wir eigentlich?“ „Wir machen eine Tour durch die Felder und fahren dann zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen wunderbaren Blick über die Landschaft hat.“
Max war ganz gespannt. Er genoss die Fahrt mit dem offenen Verdeck. Er konnte so viel sehen und dann wurden die Straßen auch noch kurviger. Um sie herum strahlten wunderschöne Gold-, Gelb-, Rot- und Orangetöne.
Auf einmal sah Max ein Schild. „Fahr mal bitte langsamer.“, bat er seinen Onkel. „Was steht da?“
Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.
“Da steht, dass hier in der Nähe ein herbstlicher Bauernmarkt ist.“
„Können wir da hinfahren?”, fragte Max ganz aufgeregt. „Bitte!“ Er sah seinen Onkel bettelnd an. Tom lächelte. „Na gut. Aber nur kurz. Sonst kommen wir heute nicht mehr an.“ Max klatschte vor Freude in seine Hände. Onkel Tom bog zweimal rechts und einmal links ab und schon waren sie da. Der Bauernhof war wunderschön geschmückt. Mit Weinlaub, Strohballen, Kürbissen und allerlei Obst und Gemüsesorten in den schönsten und kräftigsten Farben. An Masten hingen Lichterketten und Efeuranken. Das würde in der Dunkelheit bestimmt traumhaft aussehen. In einem Ofen wurde frisches Brot gebacken. Es duftete über den ganzen Hof. Max kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es gab so viel zu sehen, zu hören und zu riechen. Auf einer kleinen Bühne mit Tanzfläche wurde getanzt. Die Kleider der Tänzerinnen waren in Lila-, Grün- und Blautönen gehalten. Die Stoffe schwebten bei jeder Bewegung durch die Luft.
Max wollte unbedingt einen Laib frisches Brot mitnehmen und probieren. Tom kaufte frisch gepflückte Äpfel, Birnen und knackige Karotten dazu. Selbstgemachte Butter und eigens hergestellten Käse und Apfelsaft nahmen sie auch noch mit.
Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.
Als sie weiterfuhren, stand die Sonne schon etwas tiefer. Die Luft war trotzdem noch angenehm und die Landschaft in wunderschönes Licht gehüllt. Am Aussichtspunkt machten sie ein Picknick. Max war fasziniert von dem weiten Blick, den sie über die Landschaft hatten. Tom breitete deine Decke aus und legte Brot, Obst und Gemüse, die Butter und das Stück Käse in die Mitte. Er gab etwas von dem Apfelsaft in zwei Becher und reichte Max einen. Das Kind saß überglücklich auf der Picknickdecke, beobachtete die bunte, herbstliche Landschaft und genoss die frischen Lebensmittel vom Bauernhof. Lange schaute Tom seinen Neffen glücklich an. Das war einer dieser Momente, den beide wahrscheinlich nicht vergessen werden.
Am frühen Abend kam er in der untergehenden Herbstsonne mit einem zufrieden schlafenden Max wieder zu Hause an…
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