Ein unverhofftes Wiedersehen. Eine Liedergeschichte zu “Schön ist die Welt”
In diesem Beitrag wartet eine besondere musikalische Vorlesegeschichte auf Sie. Sie erzählt von einer überraschenden Begegnung, bei der aus einem kleinen Unfall ein großes Wiedersehen wird. Mitten im Alltag kreuzen sich zwei Lebenswege erneut. Das Besondere: An mehreren Stellen sind bekannte Liedstrophen eingebaut, die gemeinsam gesungen werden können. So entsteht eine lebendige Atmosphäre. Die Teilnehmenden hören nicht nur zu, sondern werden aktiv eingebunden und erleben die Geschichte mit allen Sinnen.
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Ein unverhofftes Wiedersehen
Es knallte. Lutz erschrak. Er schaute sich um. Sein Auto sah innen unversehrt aus. Ihm tat nichts weh. Das alles geschah in Bruchteilen von Sekunden. Was war mit dem Fahrer vor ihm? Er stieg aus. Im selben Moment stieg auch der Fahrer vor ihm aus. Lang war er. Bestimmt einen Kopf größer als er. Lutz ging sofort auf ihn zu. „Ist ihnen was passiert? Es tut mir wahnsinnig leid! Ich muss auf der nassen Fahrbahn gerutscht sein.“
„Nein, nein,“ sagte der Mann, der ihm gegenüberstand. „Mir ist nichts passiert. Ich denke, dem Auto auch nicht viel, so wie es aussieht.“ Er musterte seine Stoßstange. „Ach, das ist nicht der Rede wert!“, sagte er fachmännisch. „Machen Sie sich keine Gedanken!“
Lutz war erleichtert. „Ich gebe Ihnen mal meine Telefonnummer und meinen Namen. Dann können Sie mich kontaktieren, wenn Sie wissen, wie hoch der Schaden ist.“
Der Mann wollte gerade sagen, dass es bestimmt kein großer Schaden sei, da diktierte Lutz schon seine Telefonnummer.
Schön ist die Welt, drum Brüder,
lasst uns reisen wohl in die weite Welt,
wohl in die weite Welt.
Als er fertig diktiert hatte, sah der Mann ihn ungläubig an. „Lutz?“
Verwundert fragte der zurück: „Ja…?“
„Ich glaub‘s ja nicht. Lutz Kessler? Aus dem Amalienweg? Wohnst du da etwa immer noch?“ Lutz traute seinen Augen und Ohren nicht. Angestrengt überlegte er. „Ja… aber woher?“, fragte er zögernd. Er sah den Mann an. Und riss die Augen überrascht weit auf. „Meine Güte! Stefan! Ja klar, jetzt erkenne ich dich! Wir haben uns ja ewig nicht gesehen!“ Erfreut über das Wiedersehen nahm er seinen alten Schulfreund in den Arm. „Was treibt dich denn hierher, du Weltenbummler? In die beschauliche Heimat? Ich würde aufpassen, hier fahren dir nur irgendwelche Anwohner hinten ins Auto!“
Die beiden lachten. „Ja, es ist tatsächlich lange her, dass ich in der Nähe war. Ich bin wirklich zufällig in der Gegend gewesen und dachte, ich guck mir mal an, was sich hier alles verändert hat.“ Lutz sah ihn mit schmalen Augen erwartungsvoll an. Dann zog er eine Augenbraue hoch und fragte sehr zögerlich, aber mit einem Augenzwinkern: „Ich fürchte… nichts?“
Stefan musste lachen. „Ja, sagen wir so, es ist vieles noch so, wie es war.“
Wir sind nicht stolz,
wir brauchen keine Pferde,
die uns von dannen ziehn.
Die beiden fuhren in eine Kneipe, die ungefähr fünf Autominuten entfernt lag. Dort setzten sie sich und bestellten zwei Bier. „Wie hast du mich denn auf einmal erkannt?“, fragte Lutz ihn neugierig. „An deiner Telefonnummer. Die kenn ich noch auswendig. Von früher.“ Stefan lächelte stolz. Er fand es spannend, dass er Lutz‘ Telefonnummer nach all den Jahren immer noch im Kopf hatte.
„Nicht schlecht“, zeugte Lutz ihm Respekt. „Aber jetzt erzähl mal. Was treibt dich hierher?“
„Ich hatte einen dienstlichen Termin hier um die Ecke. Seit gut zwei Jahren bin ich wieder in Deutschland. Hatte bisher aber keine Kunden hier in der Gegend. Das scheint sich jetzt zu wandeln. Mittlerweile betreue ich in der Region jetzt schon drei Kunden. Und wenn mich erstmal jemand kennt, dann kennt mich einer, der jemanden kennt usw. Ich bin mal gespannt, was jetzt auf mich zukommt.“
Lutz hörte interessiert zu. Auch wenn er nie mit Stefan hätte tauschen wollen, fand er seinen Lebensweg spannend und bewundernswert.
Wir steig’n hinauf
auf Berge und Hügel,
wo uns die Sonne sticht.
Zu Schulzeiten hätte Lutz nie und nimmer gedacht, dass Stefan so ein Weltenbummler werden würde. Er war eher zurückhalten und schüchtern. Lutz erinnert sich noch, dass er bei Stefan nie wusste, ob er ihn eigentlich leiden konnte. Tatsächlich fand er das erst kurz vor ihrem Schulabschluss heraus. Eines Tages hatten die beiden sich zufällig in der Stadt getroffen und sind miteinander ins Gespräch gekommen. Ein bisschen so ähnlich wie heute. Sie hatten stundenlang zusammengesessen und geredet. Die beiden mochten sich. Stefan war einfach nur unglaublich schüchtern gewesen und hatte sich nicht getraut, Lutz anzusprechen.
Aus diesem Gespräch heraus entwickelte sich eine enge Freundschaft. Die beiden verbrachten viel Zeit in der umliegenden Natur oder lernten zusammen für ihre Abschlussprüfungen.
Wir laben uns
an jeder Felsenquelle
wo frisches Wasser fließt.
Dann ging es für Stefan hinaus in die weite Welt. Der Kontakt wurde durch das berufliche Eingebundensein von Zeit zu Zeit immer weniger. Allerdings wusste Lutz durch die Weihnachtskarten immer, wo in der Welt Stefan sich rumgetrieben und was er dort gemacht hat.
Jetzt saßen sie wieder zusammen in der Kneipe. Nach so vielen Jahren. Lutz konnte es immer noch nicht fassen.
„Komm doch irgendwann mal bei uns vorbei! Wir könnten zusammen eine Kleinigkeit grillen und uns bei einem Glas Rotwein an alte Zeiten erinnern. Die Adresse kennst du ja noch.“ Er zwinkerte Stefan zu.
„Ja, gerne! Ich würde gerne in Ruhe hören, wie es euch ergangen ist. Ich werde wahrscheinlich auch irgendwo hier in der Nähe bleiben. Ich wollte immer schon die großen und kleinen Städte Deutschlands bereisen. Von der großen Welt habe ich jetzt erstmal genug gesehen.“
Er prostete Lutz zu. „Ich bin gespannt, wohin mein Weg mich jetzt führt!“
Wir reisen fort
von einer Stadt zur andern,
wohin es uns gefällt.
Die beiden tranken noch ein Gläschen Rotwein und machten sich dann auf den Weg nach Hause. „Wo schläfst du eigentlich heute?“ Lutz war eingefallen, dass Stefan ja noch keine Bleibe hier hatte. „Ich bin in einem Hotel untergekommen. Klein aber gemütlich!“
Sie verabschiedeten sich und stiegen in ihre Autos mit den zerkratzten Stoßstangen. Diesmal würd der Abschied sicher nur von kurzer Dauer sein.
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