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Ein Kleid in weiß. Eine Wahrnehmungsgeschichte für die Augen

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Für diese Wahrnehmungsgeschichte brauchen Sie einige weiße Tücher oder auch etwas weißen Tüll (weiße Servietten erfüllen den Zweck aber auch). Drapieren Sie die Tücher bei dieser Geschichte zum Vorlesen in der Mitte des Tisches oder Stuhlkreises. Betonen Sie die fettgedruckten Wörter und Abschnitte der Geschichte und halten Sie jeweils einen Moment inne.

Ein Kleid in weiß

Hermine geht die lange Treppe zum Dachboden hinauf. Gestern hat ihre Tochter ihr gesagt, dass sie heiraten wird. Hermines ist sehr glücklich darüber. Sie hat schon sehr lange auf diesen Tag gewartet und möchte ihre Tochter mit etwas ganz Besonderem überraschen. Ihr altes, weißes Hochzeitskleid liegt, gut verstaut, in einer alten Truhe auf dem Dachboden. Schon als kleines Mädchen hatte ihre Tochter immer erzählt, dass sie eines Tages das Kleid ihrer Mutter zu ihrer eigenen Hochzeit tragen würde. Nun war es also so weit. Hermine öffnete die Truhe und blickte in einen weißen Stoffhaufen aus Tüll und Spitze.

Langsam entfaltete sie das Kleid und sah vor ihrem inneren Auge ihre Tochter in diesem weißen Traum zum Altar laufen. Die weiße Schleppe zieht sie hinter sich her. Der weiße Schleier verdeckt ihr Gesicht. In den Händen hält sie einen Strauß aus weißen Rosen. Nach der Trauzeremonie wird der Schleier für den Kuss vom Gesicht entfernt und die weißen Zähne ihrer Tochter strahlen in ihrem lächelnden Gesicht. Nach der Kirche läuft sie in dem weißen Kleid durch einen Regen aus weißem Reis. So wie der Reis, wird das Glück auf sie herab rieseln und Hermine sorgt dafür, dass ein paar weiße Tauben im rechten Moment losfliegen um die Treue des frischgebackenen Ehepaares zu symbolisieren. Gemeinsam steigt das frisch getraute Paar in eine weiße Kutsche, die von vier weißen Pferden gezogen wird. Der Himmel strahlt leuchtend blau und nur ein paar einzelne, weiße Watte-Wolken lockern das Bild ein bisschen auf.

Hermine überlegt, ob ihre Tochter das Kleid wohl wirklich noch haben will. Vielleicht möchte sie auch lieber ein moderneres Kleid? Vielleicht möchte sie gar nicht mehr das alte Kleid ihrer Mutter tragen? Sie möchte ihre Tochter auch nicht in Verlegenheit bringen. Am besten zeigt sie ihr das Kleid nochmal ganz in Ruhe und lässt sie dann selbst entscheiden. Es sähe wirklich wunderschön an ihr aus.



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Jetzt muss das Kleid aber erst gereinigt und gebügelt werden. Hermine überlegt, ob sie ihrer Tochter auch ihre Perlenkette schenken soll. Die Hochzeit wäre ein guter Anlass. Am Hals ihrer Tochter, würden die weißen Perlen ihren Glanz und ihre Schönheit voll zur Geltung bringen. Voll gepackt steigt Hermine die Treppe hinab. Sie kann vor lauter weißem Tüll fast nichts sehen. Sie ist gerade unten angelangt, da klingelt es an der Tür. Hermine öffnet die Tür und muss erstmal ein bisschen Tüll vor ihrer Nase wegschieben, um zu erkennen, dass ihre Tochter dort steht.

„Oh, Mama!“, sagt diese „das ist ja dein Hochzeitskleid! Ich habe mich gar nicht getraut zu fragen, ob ich es bei meiner Hochzeit tragen darf.“ Die Tochter fällt Hermine um den Hals „Natürlich darfst du“, lächelt Hermine „ich freu mich schon darauf seit du ein kleines Mädchen bist. Das wird ein Traum in Weiß!“ Mutter und Tochter strahlen sich an.



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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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