Momente der Zuwendung – Menschen in Verbindung. Crdl

Im Gespräch mit Ger Schuivens

Im Rahmen der diesjährigen Altenpflegemesse sind wir auf Crdl aufmerksam geworden. Crdl ist ein neues, innovatives und – unserer Meinung nach – sehr spannendes Instrument, das nonverbale Begegnungen ermöglichen kann und Menschen in Verbindung treten lässt.
Wir haben mit Ger Schuivens ein Interview vereinbart, um mehr über Crdl zu erfahren.

Herr Schuivens, der Begriff Crdl ist vielen Lesern wahrscheinlich noch nicht geläufig. Würden Sie uns Crdl einmal vorstellen und erklären, wie es (technisch) funktioniert?

Den Namen, geschrieben Crdl und gesprochen Cradle, haben wir mit großem Bedacht gewählt. Es ist tatsächlich die Zuwendung, wie sie das Neugeborene in der Wiege erlebt, die hier Vor- und Leitbild bei der Namensfindung war.
„Cradle to Cradle“, von der Wiege zur Wiege, gilt hier in der Altenpflege in einem zutiefst fürsorglichen, mitmenschlichen Sinn. Es schließt sozusagen den Kreis des Lebens.
Kein Mensch verschwindet ganz in seinem inneren Exil, auch nicht im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz. Auch dann nicht, wenn Sprache und andere kognitive Fähigkeiten verloren gehen. Jeder Mensch bleibt doch in seinem individuellen Wesen ein fühlendes, empfindsames Geschöpf.
Um mit diesen Menschen wieder in Verbindung zu kommen, muss man ganz direkt die Gefühle ansprechen und stimulieren, also die unmittelbaren Affekte wie auch das, was wir emotionales Gedächtnis nennen. Das gelingt besonders über das Hören und Berühren, am besten in der Kombination beider Sinneswahrnehmungen wie mit Crdl.
In dem ein von Demenz oder anderer Behinderung betroffener Mensch und eine betreuende Person jeweils eine Hand auf die Kontaktflächen des Crdl – Holzkörpers legen und einer den anderen mit der anderen Hand berührt, schließen sie praktisch einen elektrischen Signalkreis, durch den Crdl eine von 15 mitgelieferten Klangwelten wie etwa Großstadtgeräusche oder Musikinstrumente klingen lässt.
Die Intensität und Art der Berührung wie zum Beispiel Streicheln oder Fingertrommeln bestimmen dabei Rhythmus, Lautstärke und Phrasierung der Klangwiedergabe. Die Körper werden sozusagen über die Berührungen selbst zu Klangkörpern – schwer zu beschreiben, das muss man erleben.

Wo, durch wen und wie kann Crdl eingesetzt werden? Brauche ich bestimmtes Vorwissen, zum Beispiel für die Arbeit mit behinderten Menschen oder Menschen mit Demenz?

Um Crdl einzusetzen und mit einem dementen oder in seinen kognitiven Fähigkeiten eingeschränkten Menschen wieder in Verbindung zu kommen, braucht es vor allem Empathie und Nächstenliebe. Die Berührung bei einer Crdl-Session, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, ist ein angeborenes Bedürfnis in jedem Menschen, ob behindert oder nicht. Crdl ist uneingeschränkt mobil, das heißt, man bringt es dahin, wo es eingesetzt werden soll. Es braucht zu Beginn nur etwas Training, um sich mit Crdl vertraut zu machen und dann bei jeder Anwendung geradezu spielerisch seine Wirkungsmöglichkeiten zu entdecken.

Was geschieht in diesen Momenten der Berührung bei den Beteiligten?

Es gelingt, wenn alles passt, eine Kommunikation ohne Worte, ohne Sprache.
Es entsteht endlich wieder im Moment eine Verbindung, die keine Worte braucht.
Das ist das, was ich den Crdl-Moment nenne – tief berührend und kostbar.

In einem kurzen Vorgespräch haben Sie mir erzählt, dass Sie auch schon persönliche Erfahrungen mit Crdl-Momenten gemacht haben. Würden Sie uns an Ihren Erlebnissen teilhaben lassen?

Es ist, wie schon gesagt, für alle Beteiligten sehr berührend, wenn diese verloren
geglaubte Verbindung zu einem Menschen, der sich durch die fortschreitende Demenz aus einem lange gemeinsamen Leben verabschiedet hatte, plötzlich und wenn auch nur für kurze Zeit wieder eine Tür in seine sonst so hermetische Welt öffnet. Wenn das gelingt, kann man das mit Worten kaum treffend beschreiben.
Mich persönlich hat die Erfahrung einer Frau tief berührt, deren Mann nun nach über fünfzig gemeinsamen Jahren zunehmend in Demenz versank. Sie erzählte mir, dass sie in den kaum 30 Minuten Crdl-Stimulation ihrem Mann wieder näher und verbundener war als in vielen Stunden ihrer zahlreichen Besuche vorher.
Crdl verspricht keine Wunder, aber solche Gespräche vergisst man nicht.

Auf Ihrer Website stellen Sie verschiedene Klangwelten für das Crdl vor. Habe ich nur diese Klangwelten zur Auswahl oder gibt es die Möglichkeit, auch weitere, individuelle Klänge einzusetzen?

Das ist problemlos möglich. Auf einem passenden Speicher-Chip lassen sich auch individuelle Klangwelten mit Crdl nutzen, die zum Beispiel einen individuellen Bezug zur Lebensgeschichte des betroffenen Menschen haben.

Wie teuer ist die Anschaffung eines Crdl? Kommen im Verlauf später ggfs. weitere Kosten hinzu?

Crdl hat für die Betreiber von Pflegeeinrichtungen einen Investitionswert von rund fünfeinhalbtausend Euro. Wir bieten dazu für jeden Interessenten maßgeschneiderte Finanzierungs- und Leasing-Modelle für alle individuellen Nutzungskonzepte an. Crdl wird komplett geliefert, es gibt keine weitere Kosten, um Crdl einzusetzen.

An wen können sich Interessierte wenden, die ein Crdl anschaffen möchten? Gibt es die Möglichkeit, sich das Crdl im Vorfeld einmal anzuschauen und auszuprobieren?

Interessierte wenden sich ganz einfach direkt an uns über unsere Website www.crdl.com oder per Email unter info@crdl.com. Wir verabreden dann, wie Interessierte schnell, unkompliziert und überzeugend Crdl entdecken und erleben können.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft? Welche Pläne oder Ideen haben Sie?

Derzeit sammeln wir alle Erfahrungen mit Crdl. Wir analysieren, bewerten und lernen aus der Praxis, um das in seiner Art einzigartige Crdl-Konzept der Kombination von Berührung und Klang weiter zu optimieren. Alles, was wir in der Praxis lernen, fließt wieder in die Anwendung der Produkte ein – auch in die, die bereits im Einsatz sind.
Wir entwickeln dazu ein Reporting-Format, das künftig in unregelmäßigen Abständen alle Crdl-Anwender erreicht und die Praxiserfahrungen mit allen teilt. Hier wird auch einfließen, was die Universitäten von Maastricht und Nijmegen in den begleitenden Projekten zu Crdl publizieren. Das alles ist Teil des Crdl-Service, sozusagen Teil des Produkts.
Aus diesem Prozess entwickeln sich sicher auch Ideen für weitere Crdl-Produkte, die ich Ihnen dann gern vorstelle.

Herzlichen Dank, Herr Schuivens!!!

Zur Internetseite: https://www.crdl.com/de

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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