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Neue Wege für die stationäre Altenpflege…

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Ein Interview mit Nicole Osterholz

nicoleosterholz

Hallo Frau Osterholz, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich bin ursprünglich Altenpflegerin und habe fünfzehn Jahre in der stationären Altenhilfe gearbeitet. Jetzt bin ich anderweitig für meine Branche unterwegs, um  diesen eigentlich schönen Beruf wieder mit gutem Gewissen empfehlen zu können.
Auch als Pflegedienstleitung konnte ich nur wenig bewegen. Deswegen habe ich mich zum Coach und zur systematischen Organisationsberaterin weitergebildet, mit dem internationalen Hospitationsprogramm der Robert Bosch Stiftung über den Tellerrand geschaut und mein Thema gefunden: Haltungsentwicklung.

 

Sie haben einen beeindruckenden Werdegang und es scheint, Sie sprudeln vor Kraft und neuen Ideen…

Was ist Ihre Vision für ein perfektes System in der Altenpflege?

Ich spreche vor allem für den mir vertrauten Part des Systems: Eine stationäre Altenhilfe, in der man entspannt pflegen und pflegebedürftig werden darf.

Die Arbeitsbedingungen der Pflege- und Betreuungsteams stehen im engsten Zusammenhang mit der Lebensqualität der Bewohner, zufriedene Mitarbeiter sind einfach besser um sich zu haben!

 

Welche sind, Ihrer Erfahrung nach, die grundlegenden Probleme weshalb dasheutige System der Altenhilfe und -pflege an seine Grenzen stößt?

Altenpflege ist Beziehungsarbeit. Das wird häufig nicht erkannt oder verstanden.

 

Wo liegen Ihre Lösungsansätze?

Jede Einrichtung braucht ihr ganz eigenes Konzept, in dem die personellen und räumlichen Ressourcen wunderbar zur Geltung kommen können. Wenn unsere Bewohner (überwiegend Menschen mit Demenz) kaum noch in der Lage sind, sich ihrer Umgebung anzupassen, dann gibt es noch einen anderen Weg:
Die Umgebung passt sich den Bewohnern an. Grundlagen und Ideen dazu sind in meinem Arbeitsbuch zu finden: „Mehr Zeit für die Pflege! Ein Workbook für die stationäre Altenhilfe“, ISBN 978-3-7322-7998-2.
Ich finde neue Wege, indem ich aufmerksam hinhöre und mit viel Neugier um das Problem herumlaufe, bis ich einen neuen Zugang zum Kern gefunden habe. Die entscheidende Frage ist: Was wollen wir überhaupt erreichen?

 

Ein immer häufiger öffentlich diskutiertes Thema ist Gewalt in der Altenpflege. Wie kommt es zu solchen Situationen?

Wenn wir nicht auf uns aufpassen, unser Handeln und die Reaktionen nicht reflektieren, Gefühle missachten oder ihnen keine Beachtung schenken, dann wird es problematisch…

 



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Wie können wir die Bewohner und Patienten schützen und was können wir für die >Pflegenden tun?

Wie können wir auch die Pflegenden schützen? Die stecken häufig sehr viel mehr ein als sie jemals austeilen würden. In der Fachwelt wird mir das Thema Gewalt oft zu einseitig behandelt. Hier ist auch wieder die Zielfrage entscheidend. An dem Anspruch „gewaltfrei“ können wir nur scheitern. Mich persönlich machen gewaltfreie Zonen latent aggressiv, womit sie dann nicht mehr gewaltfrei sind. Im Ernst: Das hieße ja, es sind nur noch positive Gefühle zulässig.
In meinen Fortbildungen sensibilisiere ich die Teilnehmenden, damit sie rechtzeitig lange vor der Eskalation Alternativen suchen, um sie zu finden. Wir entwickeln neue Sichtweisen und üben Gelassenheit in bestimmten Dingen. Freiheitsentziehende Maßnahmen belasten die fixierte Person, die Pflegeperson und die Angehörigen…

 

Auf Ihrer Website steht, Sie begeistern gerne für eine Pflege ohne freiheitsentziehende Maßnahmen. Begeistern Sie uns! 😉

Inzwischen gibt es genug wissenschaftliche Beweise, dass freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege von Menschen mit Demenz absolut kontraproduktiv sind, da werde ich plötzlich sehr fachlich.

Gerne lade ich auch hier zum Perspektivwechsel ein: Wollen wir in unserer Freiheit eingeschränkt werden?

 

Können Sie vielleicht eine kleine Anekdote oder Geschichte erzählen, die verdeutlicht, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Die schönste Rückmeldung, die ich je bekommen habe: Eine erschöpfte Seminarteilnehmerin, die in der Abschlussrunde sagte: „Ich habe wieder richtig Lust zu pflegen, ich freue mich auf meine nächste Schicht!“
Eine andere Rückmeldung, die eigentlich sehr kritisch gemeint war und doch nicht schöner sein kann: Die Veranstaltung war zu praxisnah!

 

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Das sich Einrichtungen trauen, neue Wege zu gehen, obwohl sie noch kein anderer gegangen ist. Ich wünsche meiner Branche Mut für große Veränderungen und Präsenz.

Packen wir es an.

 

Herzlichen Dank, Frau Osterholz!!!

Zur Internetseite: www.osterholz-projektmanagement.de



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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