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Filme für Menschen mit Demenz?


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Sophie Rosentreter machts möglich!

Geschäftsführerin von “Ilses weite Welt GmbH& Co. KG”, arbeitete zuvor als Model, Moderatorin (z.B. MTV) und als freischaffende Redakteurin (z.B. Stern TV, Explosiv)

 

 

Die meisten Filme und auch das Fernsehprogramm sind für Menschen mit Demenz (zumindest wenn sie sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Demenz befinden) nicht geeignet. Die Menschen mit Demenz können den Handlungen nicht folgen und sind durch die angebotenen Reize überfordert. Trotzdem wird der Fernseher immer wieder wahllos in der Beschäftigung von Menschen mit Demenz eingesetzt. Sophie Rosentreter hat es sich zur Aufgabe gemacht, Filme zu konzipieren, die wirklich für den Einsatz in der Betreuung von Menschen mit Demenz geeignet sind. Sophie Rosentreter stand lange Jahre als Model und Moderatorin vor der Kamera und arbeitete anschließend hinter der Kamera als freischaffende Redakteurin. Im Interview erzählt sie von ihrem Weg in die Welt der Menschen mit Demenz, und wie es dazu kam, dass sie “Ilses weite Welt” gründete.

 

Frau Rosentreter, Sie produzieren Filme für Menschen mit Demenz, kommen aber ursprünglich nicht aus der Seniorenarbeit. Wie sind Sie in den Bereich hineingeraten?

 

Wenn man mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich mal auf der Altenpflegemesse in Nürnberg stehen würde und da interessante Gespräche führe, dann hätte ich sehr schräg geguckt und mir das alles gar nicht vorstellen können. Gekommen ist das Ganze dadurch, dass meine Großmutter, zu der ich ein sehr inniges Verhältnis hatte, an Alzheimer erkrankt ist. Wir haben meine Großmutter die neun Jahre, in denen sie an der Krankheit litt, begleitet .
In diesen neun Jahren stand uns eigentlich niemand zur Seite. Heute ist Alzheimer in aller Munde und man fängt an, sich mit dem Thema auch in der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen. Aber wir wurden damals sehr alleine gelassen. Leider sind wir dadurch völlig falsch mit meiner Großmutter umgegangen. Wir selber sind irgendwann aggressiv geworden, weil sie andauernd den Schlüssel verlegte und sich völlig falsch anzog. Sie ging zum Beispiel im Winter mit Sommerklamotten auf die Straßen. Sie verirrte sich in den Straßen und war völlig orientierungslos. Trotzdem haben wir intuitiv schon viel richtig gemacht.
Die letzten drei Jahre hat meine Großmutter in einem Pflegeheim verbracht, weil es einfach nicht mehr ging. – Und das war gut. Sie wurde dort sehr gut gepflegt. Leider war die Therapie nicht gut, die war schlimm. In dem Pflegeheim gab es unten irgendwo in einem Raum Therapieangebote, aber die Bewohner, die nicht dort runtergebracht worden sind wie meine Großmutter, die immer nur auf dem Zimmer saß, haben davon eigentlich auch nichts gehabt.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Filme für Menschen mit Demenz zu produzieren?

 

Da ich aus der Medienbranche komme, das heißt mal vor der Kamera stand und dann lange Jahre hinter der Kamera, kam mir irgendwann die Idee Filme für Menschen mit Demenz zu machen. Ich habe oft gesehen, wie der Fernseher eingesetzt wurde, damit die demenziell veränderten Menschen davor geparkt werden konnten, damit da ein bisschen Bewegung vor ihnen war. Da prallen aber natürlich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander, die überhaupt nicht miteinander kommunizieren. Für meine Großmutter waren zum Beispiel Nachrichten mit Bildern von Kriegen absolut nicht das Richtige. Sie konnte auch keine Werbeblöcke mehr aufnehmen oder die Inhalte von Serien verstehen.
Mir kam die Idee zu den Filmen, wenn ich meine Großmutter besucht habe und dann wieder gegangen bin. Ich wusste, wenn ich gehe, liegt sie die nächsten paar Stunden alleine in ihrem Zimmer und das hat mir das Herz gebrochen. Ich wollte ihr eigentlich etwas hinterlassen. Da ich aus der Filmbranche komme, dachte ich mir, es wäre schön einen Film an zu machen, bei dem sich Omi fallen lassen kann, bei dem Sie das Gefühl hat: Das sind Bilder aus meiner Vergangenheit, aus meinem Leben. Bilder, die sie einhüllen, wie eine warme Decke und ihr positive Gefühle vermitteln.
Dann kamen die ersten Ideen aufs Papier und ich habe angefangen Konzepte zu schreiben. Meine Großmutter ist dann leider am 18. Juni 2009 verstorben und da hatte ich noch keinen Film fertig. Am Tag des Begräbnisses habe ich den bekannten Gerontologen und Mitbegründer der Alzheimergesellschaft Dr. Jens Bruder kennengelernt. Er ist ein Freund der Familie, den ich noch nicht kannte. Ihm habe ich sozusagen am Grab meiner Großmutter von meiner Idee, Filme für Menschen mit Demenz zu machen, erzählt. Er schaute mich daraufhin mit riesengroßen Augen an und sagte, dass das eine logische und großartige Idee wäre, die total überfällig sei. Er begleitet mich seitdem. Und seitdem mache ich auch nichts anderes mehr.
Ich habe jetzt fast zwei Jahre daran gearbeitet und ganz viel Zeit in Heimen, Betreuungsgruppen und Privathaushalten damit verbracht, die ersten Filme zu drehen, sie zu testen und mir Feedback einzuholen. Mittlerweile habe ich mir einen Expertenpool aufgebaut von phänomenalen Menschen, die mich unterstützen und beraten. Das ist Gudrun Schaade, eine Ergotherapeutin, Jan Sonntag, ein Musiktherapeut, Constanze Urbach, auch eine junge Therapeutin, eine Pflegerin ist dabei und der Leiter einer Angehörigenschule. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die zusammen kommen, mir Input geben und mir als Kreativpool zur Seite stehen.

 

Im Moment haben Sie zwei Filme für Menschen mit Demenz im Angebot “Ein Tag im Tierpark” und “Musik-gemeinsam singen!” Wieso haben Sie sich für diese Themen entschieden?

 

Einmal, weil ich gesehen habe, dass Musik so eine Art Königsweg ist. Es ist unfassbar, wie stark Musik in den Menschen verankert ist. Ich habe einen Musiktherapeuten in Heime begleitet und habe dadurch gesehen, was Musik möglich macht. Die Leute können ihren Namen nicht mehr sprechen, können aber acht Strophen von “Hoch auf dem gelben Wagen mitsingen”. Sie können teilweise nicht mehr laufen, können aber tanzen.
Nicht jedes Heim kann sich einen Musiktherapeuten leisten und zu Hause können sich viele erst recht keinen Musiktherapeuten leisten. Ich wollte den Musiktherapeuten Jan Sonntag eigentlich sofort auf DVD aufnehmen und überall dorthin bringen, wo er gebraucht wird. Dann haben sich noch Rolf Zuckowski und Ingo Pohlmann für dieses Projekt begeistert und haben jeweils mit Mutter oder Sohn gesungen.
“Ein Tag im Tierpark” habe ich aus dem Grund gemacht, weil dort auch zwei kleine Mädchen zu sehen sind. Kinder öffnen, das ist ja auch bei uns so, die Herzen. Sie sind so unbedarft, so ehrlich und so süß, wenn sie lachen. Das erinnert dann auch wieder an die eigene Vergangenheit. In einem Tierpark kann man Kinder und Tiere zusammen zeigen. Man hat die Natur und kann ganz viele Elemente vereinen. Ich habe dann Rücksprache mit unseren Experten gehalten und die meinten: Ja, das ist perfekt!
Heute wurde gerade weitergedreht. Es entsteht der dritte Film: Hunde. “Hunde” ist natürlich auch so ein Thema, welches viele Menschen anspricht.
Auf meinem Tisch liegen aber jetzt schon fünfzig Konzepte und ich habe noch ganz viele Ideen.
Ich will zum Beispiel einen Film über den Haushalt machen. Ich will eine Dame im Haushalt zeigen, wie sie Betten macht, wie sie die Aufgabe hat, es der Familie schön zu machen, im Sinne von: Ich gehe einkaufen. Ich gehe zum Markt. Ich sehe die ganzen unterschiedlichen Früchte.- Sie kommt nach Hause. Sie kocht. Die Familie kommt zusammen, sitzt zusammen, isst zusammen.
Wir wollen einen Film machen, in dem wir Babys begleiten. Wir wollen Berufe zeigen, andere Tiere zeigen. Wir wollen einen Bauernhof zeigen. Also an Ideen mangelt es überhaupt nicht.

 

Zusätzlich zu den Filmen für Menschen mit Demenz bieten Sie auch noch wahrnehmungsanregende Materialien an. War das von Anfang an geplant?

 

Das war nicht geplant. Als erstes waren nur die Filme für Menschen mit Demenz die Idee. Dann haben wir gesehen, dass die Filme funktionieren. Aber die Filme funktionieren so gut, dass da eigentlich sofort ein Bedarf nach Gesprächen entsteht.
Die Menschen sind auf die Themen eingegangen, sie fingen an sich im Anschluss an die Filme über die gezeigten Themen zu unterhalten. Sie diskutierten und kamen an verschüttete Erinnerungen heran. Und dadurch, dass das Angebot der Beschäftigung so wahnsinnig rar ist und sich die Therapeuten im Moment ihre Therapiestunden selber gestalten, indem sie sich aus unterschiedlichen Quellen bedienen, haben wir gesagt: Der Film ist sozusagen der Türöffner für mehr. Der Film funktioniert natürlich auch alleine, aber viel effektiver ist es, wenn man verschiedene Ansätze miteinander kombiniert und so viele Reize wie nur möglich bietet.
Das ganzheitliche Konzept ist aus der Ergotherapie ein bisschen abgeschaut, aus der Musiktherapie ein bisschen abgeguckt und ein bisschen aus der Biografiearbeit abgeguckt, wir haben alles miteinander kombiniert.
Es gibt zum Beispiel einen Gesprächsleitfaden, der einem hilft mit den Menschen mit Demenz ins Gespräch zu kommen. Es gibt ein passendes Lied, zu dem man sich auch noch bewegen kann und Redensarten, die von den Betroffenen vervollständigt werden können. Den Betroffenen wird dadurch Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl vermittelt.
Damit man das Thema, welches man gerade gesehen hat, nochmal optisch aufnehmen kann, gibt es noch eine Fotokarte. Diese Fotokarten können herumgereicht werden, das heißt die Haptik wird auch angereizt und es gibt zu jedem Kapitel einen passenden haptischen Gegenstand. Bei dem Thema “Rehe füttern”, ist das dann ein Stoffreh oder bei dem Thema “Wald” sind es Blätter, Kastanien und Tannenzapfen.
Natürlich sagen auch wir: “Gehen Sie lieber raus in den Wald und suchen Sie tatsächlich die Blätter” oder “Machen Sie wirklich einen Spaziergang im Tierpark”. Das ist aber einfach nicht immer möglich. Es ist sowohl zeitlich als auch körperlich häufig leider nicht möglich. Wir bieten also alles an, was an Reizen möglich ist. Das heißt nicht, dass man in einer Therapiestunde alles einsetzen muss. Im Gegenteil mit einem ganzen Komplettset kann man ganz, ganz viele Betreuungsstunden leiten und das Ganze sehr individuell gestalten.

 

Auf Ihrer Website bin ich über die Begriffe Privatlizenz und Vorführlizenz gestolpert. Wenn ich das richtig verstanden habe, muss man, um die Filme in einem Altenheim oder einer ähnlichen Einrichtung zu zeigen, die Filme mit Vorführlizenz kaufen. Ist das richtig?

 



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Das ist eine ganz übliche Sache im Bereich des Urheberrechts. Wahrscheinlich am geläufigsten und häufigsten anzutreffen ist dieser Umstand im Bildungssektor. Die ganzen Lehrfilme, die man aus der Schule kennt, sind mit entsprechenden Vorführlizenzen ausgestattet.
Es steckt die Überlegung dahinter, dass es schon etwas anderes ist, wenn eine DVD von einer einzelnen Person zu Hause, oder in einem professionellen Umfeld genutzt wird, der Film also in einer großen Einrichtung regelmäßig einer großen Anzahl (vielleicht auch wechselnder) Personen vorgeführt wird.
Um es noch verständlicher zu machen, kann man den Umstand noch weiter denken: Wenn der gleiche Film durch eine Videothek an hunderte von Personen verliehen, und damit gewerblich Geld verdient wird, wird der Videothek auch nicht die Privatlizenz, sondern sogar eine sogenannte Verleihlizenz berechnet.
Da die vielen demenzerkrankten Menschen unterschiedliche Biografien haben, gehen wir davon aus, dass unser Konzept auch davon lebt, dass Betreuer und Pfleger auf eine vielfältige Auswahl an Filmen zurückgreifen können. Deshalb haben wir den Aufschlag für die Vorführlizenz auch so moderat wie möglich gehalten.

 

Können die Filme nur bei Ihnen direkt bestellt werden, oder gibt es da noch andere Vertriebswege?

 

Wir bauen den Vertrieb gerade ein bisschen auf. Es gibt natürlich die Möglichkeit, die Filme über unseren Online-Shop zu bestellen. Natürlich kann man bei uns auch über Fax oder Telefon bestellen.
Ab nächstem Monat sind wir in den Katalogen von seni-on. Seni-on ist auf uns zugekommen und fand unser Angebot so genial, dass sie uns auch gerne mit in ihrem Sortiment haben wollten. Da haben wir uns natürlich sehr gefreut, vor allem, weil ich auch sehr angetan bin von seni-on. Desweiteren sind wir noch in anderen Katalogen vertreten sein. Wir werden noch andere Vertriebskanäle aufmachen, aber das dauert alles noch ein bisschen. Solche Vertriebswege müssen erst wachsen und wir haben erst im Dezember unsere online-Türen geöffnet.
Viel Nachfrage generieren wir auch über die Medien. Gerade war ich bei Markus Lanz, demnächst bin ich zum Beispiel bei “Volle Kanne” im ZDF oder beim NDR im “DAS! Magazin”.
Da ich die Filme aus einer privaten Betroffenheit heraus gemacht habe, möchte ich natürlich auch die Angehörigen erreichen. Die Angehörigen sind über die Fachpresse oder über solche Kataloge eher nicht zu erreichen. Sie sind hauptsächlich über solche Medien wie Fernsehen und Radio zu erreichen.

 

Nicht alle, aber die meisten Menschen mit Demenz haben bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht. In dem Logo von “Ilses weite Welt” ist ein junges Mädchen, welches durch ein Fernrohr oder Fernglas schaut, abgebildet. Warum?

 

Weil wir uns sehr gerne die Kindlichkeit bewahren wollen. Man sagt ja ganz oft, dass Menschen mit Demenz zu Kindern werden. Das finde ich ganz fatal und ganz schwierig. Die alten Menschen haben ein ganzes Leben gelebt. Sie sind voll von diesem Leben. Kinder stehen für Fortschritt, Menschen mit Demenz für die Vergänglichkeit und für Verlust. Wir müssen jetzt nur den richtigen Schlüssel finden, um die Menschen zu erreichen. Und wir haben mit den interaktiven Filmen einen gefunden.
Was wichtig ist, ist dass wir zurück zu den Gefühlen kommen, dass wir die kognitive Leistung hintenanstellen und ganz ehrlich werden, dass wir vom Gefühl aus hingucken und miteinander agieren. Wenn etwas wirklich reines Gefühl ist, dann ist es die Kindlichkeit, die Neugier eines Kindes. Mit dieser Neugier müssen wir Menschen mit Demenz begegnen. “Ilses weite Welt” basiert zwar auf dem Namen meiner Großmutter “Ilse”, aber wir wollen die weite Welt der Gefühle darstellen – Sinnbild hierfür ist das kleine Mädchen mit dem Blick in die weite Welt gerichtet.

 

Herzlichen Dank, Frau Rosentreter !!!

zur Homepage von “Ilses weite Welt” 

 

Der Film “Ein Tag im Tierpark”:
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Der Film “Musik- gemeinsam singen”:

 

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren* und Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck*.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank Frau Rosentreter. Ich arbeite in einer 8-köpfigen “Alters-WG”, darunter hat es auch demente Leute! Da ich auch in der Aktivierung tätig bin, interessiert es mich, ob ich die Filme ohne Internet von der Schweiz aus irgendwie kaufen könnte ebenso den Muff etc.
    Vielen Dank und liebe Grüsse

    Brigitte

    Antworten

    • Hallo Brigitte,

      ich habe das Team von “IlsesWeiteWelt ” per E-mail über Ihren Kommentar informiert. Leider habe ich keine Rückmeldung erhalten. Vielleicht erhalten Sie eine Information wenn Sie dort anrufen: Telefon +49 (0)1805 300 77 66.

      Herzliche Grüße

      Natali Mallek

      Antworten

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