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Ergotherapie bei Demenz!


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Annika Rademacher im Gespräch.

Annika Rademacher im Gespräch über Ergotherapie bei Demenz.

staatlich examinierte Ergotherapeutin in einer Alten- und Pflegeeinrichtung

 

Hallo, Frau Rademacher. Stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

 



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Mein Name ist Annika Rademacher, ich bin 25 Jahre alt und lebe in Dortmund. Ich bin seit 2010 staatlich examinierte Ergotherapeutin und arbeite seit fast einem Jahr in einem Altenpflegezentrum. Hauptsächlich behandle ich Menschen, die an einer demenziellen Erkrankung leiden, gerontopsychiatrische Störungsbilder aufweisen oder die aufgrund somatischer Krankheitsbilder unsere Unterstützung brauchen, da sie nicht mehr alleine zuhause leben können.

 

Ergotherapie- was ist das überhaupt?

 

Ergotherapie behandelt Menschen mit unterschiedlichen Krankheits- und Störungsbildern. Sie versucht, die aufgrund einer Erkrankung eingeschränkten Lebens-, Selbstversorgungs- und Alltagskompetenzen zu verbessern, verloren gegangene wiederzuerlangen oder krankheitsbedingte Abbauprozesse, wie sie z.B. bei demenziellen Erkrankungen vorkommen, möglichst lange aufzuhalten. Die Ergotherapie wird in verschiedene Fachbereiche unterteilt. Sie findet Anwendung in der Psychiatrie, Neurologie, Geriatrie, Pädiatrie, Orthopädie, der inneren Medizin, Rheumatologie, Onkologie, Traumatologie, der Arbeitstherapie, in integrativen Einrichtungen und begleitet Menschen in der Sterbephase. Dabei basiert unsere Arbeit auf unterschiedlichen therapeutischen Behandlungsformen wie (z.B. in der Geriatrie und Neurologie) Bobath, Perfetti, der Sensorischen Intergration, Basaler Stimulation, Validation, AOT, und Feldenkrais. Die Therapie wird nach einem ausführlichen ergotherapeutischen Befund speziell mit Zielen, Methoden und einer Behandlungsplanung auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten.

 

Sie arbeiten als Ergotherapeutin in einem Altenheim in dem auch viele Demenzkranke leben. Was sind Ihre Aufgaben?

 

Meine Aufgabe ist es, die kognitiven, emotionalen und physischen Fähigkeiten unserer Bewohner zu erhalten und ggfs. zu verbessern, sowie ihre Kompetenzen zu stärken, damit sie so lange und so gut wie möglich ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Dabei ist es wichtig, sich kleine Ziele zu setzen und den Bewohner dort “abzuholen wo er steht”. Die Möglichkeiten und Methoden sind hier vielfältig. Wir machen Gedächtnistrainings, Aktivierungsgruppen, Singkreise, Handarbeitsgruppen, Erzählcafés, Bewegungsgruppen, ADL Trainings, Kochen, Backen, machen Ausflüge und gehen mit unseren Bewohnern spazieren (im Sommer gerne draußen). Es gibt regelmäßig Nachmittage, an denen Kegeln, Bingo, Rätsel und Spiele mit biographischem Hintergrund angeboten werden. Und wir feiern und tanzen auch mit unseren Bewohnern – an jahreszeitlich gestalteten Festen und ganz besonders an den Familienfesten wie Ostern und Weihnachten. Dabei steht der individuelle biographische Hintergrund und jeder Bewohner mit seinen speziellen Bedürfnissen für uns im Vordergrund. Es ist sehr wichtig, dass sich die an Demenz erkrankten Menschen aufgehoben, wertgeschätzt und ernst genommen fühlen und dass wir ihnen diese Werte vermitteln. Wir können diese Krankheit leider nicht heilen, aber vielleicht aufhalten und den Betroffenen die größtmögliche Unterstützung geben! Bei der Behandlung ist es wichtig, voll und ganz auf die Betroffenen einzugehen und sich auf ihre Sichtweise und ihre Welt einzulassen. Die Menschen, die sich aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung nicht mehr verbal äußern können, in ihrer Wahrnehmung fortgeschritten eingeschränkt sind oder/und bettlägerig sind, werden durch Basale Stimulation im auditiven, taktilen, kinästhetischen und olfaktorischen Bereich von uns erreicht. Durch Lockerung bestimmter Muskelgruppen und aktivierende oder beruhigende Massagen kann ich den Betroffenen ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Die Begleitung in der Sterbephase läuft bei jedem Menschen unterschiedlich ab, speziell an die Bedürfnisse, Wünsche und Abneigungen angepasst und eng an der Person orientiert. Dabei ist es sehr wichtig, zu spüren was wichtig und richtig ist.

 

Ist Ergotherapie bei Demenzkranken sinnvoll?

 

Ja! Wie schon kurz erwähnt können wir diese Erkrankung leider nicht heilen aber wir können die Betroffenen auf ihrem Weg begleiten, ihre Fähigkeiten erhalten und so das Fortschreiten der Erkrankung, besonders den kognitiven Abbau, ein wenig aufhalten. Für die demenziell veränderten Menschen ist es besonders wichtig, dass wir ihnen auf der emotionalen Ebene begegnen, sie wertschätzen, ernst nehmen und das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind.

 

Was muss bei der Gestaltung von Therapieeinheiten für Demenzkranke berücksichtigt werden?

 

Die Einheiten für demenzerkrankte Menschen sollen klar strukturiert und übersichtlich gestaltet sein und vor Allem die Betroffenen nicht überfordern, weder kognitiv noch psychisch oder körperlich. Die Gruppen sollten klein gehalten werden und mir als Therapeutin die Möglichkeit geben, auf jeden zu jedem Zeitpunkt und individuell eingehen zu können. Zeitlich dürfen die jeweiligen Einheiten die Bewohner nicht überfordern. Ich muss ein Gespür dafür haben, was, in welcher Situation, in welcher Form, in welchem Rahmen und in welchem Zeitraum gerade therapeutisch sinnvoll und auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt ist. Und als Grundsatz gilt – Störungen haben Vorrang. Das heißt, Einheiten werden je nach Befinden, Über- oder Unterforderung und Notfällen unterbrochen, abgewandelt oder abgebrochen.

 

Was begeistert Sie persönlich an der Arbeit mit Demenzkranken?

 

Das ist schwierig in Worte zu fassen. Ich glaube das hat sehr viel mit Gefühl und Berufung zu tun. Mich begeistert jeder Moment, jedes Lächeln, jeder Fortschritt und jedes noch so kleine Feedback, das zurückkommt. Und das, was zurückkommt ist echt! Menschen mit demenziellen Erkrankungen fordern uns in jedem Moment, positiv wie negativ, aber ich glaube gerade das ist es, was diese Arbeit ausmacht. Ich möchte diese Menschen begleiten, egal wie steinig ihr Weg gerade ist oder wie schön die Sonne scheint. Und ich glaube meine Kollegen können verstehen und mir zustimmen wenn ich sage, dass ein kleinstes Lächeln manchmal der wunderschönste Augenblick des Tages sein kann.

 

Herzlichen Dank, Frau Rademacher !!!







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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften".

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