Der Moment, er ist es wert!
Ein Schulterdruck, die Hand ist weg,
die Türe wird geschlossen.
Wo ist die Wärme denn jetzt hin?
Frau Schmidt hat es genossen.
Die Sinne stumpf, die Angst, sie kriecht
und krallt sich an die Glieder.
Wo sind die Hand und der Moment,
wer singt die alten Lieder?
„Hilfe!“, ruft Frau Schmidt ganz leis,
die Stimme leicht gebrochen.
„Hilfe!“, ruft Frau Schmidt in Angst,
die Panik kommt gekrochen.
„Hilfe!“, ruft sie fort und fort
und spürt kaum noch ihr Sein.
„Hilfe!“ wünscht sie sich so sehr,
wann kommt wohl jemand rein?
„Hilfe!“, tönt es schwach im Haus,
die Stimme leicht gebrochen.
„Hilfe!“, kommt die Stimme schrill
durch den Türspalt gekrochen.
„Hilfe!“, nun seit Stunden schon,
warum schläft sie nicht ein?
„Hilfe!“ wünscht sie sich so sehr
und dann kommt jemand rein.
Ein Schulterdruck, ein Lied erklingt,
Frau Schmidt hält ganz kurz inne.
Fühlt kurz etwas Geborgenheit,
bemerkt kurz ihre Sinne.
Die Hand ist da, Frau Schmidt hält fest
und atmet ganz tief ein.
Der Moment, er ist es wert,
sie spürt sich und ihr Sein.
Dies ist ein Gedicht über eine bettlägerige Dame mit einer weit fortgeschrittenen Demenz, die in einem Pflegeheim wohnt. Menschen, die nach Hilfe rufen, sind in Pflegeheimen keine Seltenheit. Ob sie wirklich Hilfe meint? Oder ist das Hilferufen mittlerweile zu einer Art Selbststimulation geworden? Einfach eine Möglichkeit, sich selbst noch ein bisschen zu spüren. Wir wissen es nicht. Wir können nicht in die Menschen hinein schauen, wissen nicht, was genau in ihnen vorgeht. Wenn der Mensch nicht mehr spricht, sind wir auf Beobachtungen angewiesen. Wie ist der Muskeltonus? Wie ist die Atmung? Was verändert sich bei einer Begegnung? Können wir Entspannung schenken? Welche Möglichkeiten und Grenzen haben Medikamente?
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