Hallo! Ich bin Ergotherapeutin und arbeite nun neu auf einer geriatrischen Station in einem Krankenhaus. Wir haben sehr viele sehr schwerhörige Patienten, die vor Allem körperlich aktiviert werden sollen, habt ihr vielleicht Ideen, wie man Übungen mit diesen Patienten durchführen kann ohne am Ende des Tages keine Stimme mehr zu haben? Vielen Dank für Eure Hilfe!

 
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Patienten, die Probleme mit dem Hören haben, kann man gut über ihre anderen Sinne erreichen. Für körperliche Aktivierungen eignen sich hier gut das Sehen und Fühlen. Wichtig ist, das man bei der Arbeit mit diesen Patienten mit sehr deutlicher Mimik und Gestik arbeitet, fast schon übertreibt. So können sie einzelne Wörter, die sie nicht verstehen, auf eine andere Weise ableiten. Arbeiten Sie in ruhiger Umgebung, so müssen keine Hintergrundgeräusche ausgeblendet werden und man kann sich gut auf Sie und Ihre Stimme konzentrieren.

 

Hilfreich ist es, bei sensomotorischen Übungen Materialien einzubinden, mit denen die einzelnen Bewegungen vorgemacht werden können. Das Nachmachen funktioniert dann fast von alleine. Hierzu eignen sich Bälle, Tücher, Kegel, Seile…oder Gegenstände aus dem Alltag, wie z.B. Gläser, Teller, Wolle, etc. Machen Sie alle Bewegungen großzügig vor und wiederholen Sie diese öfter bis Sie merken, dass sie verstanden wurden und nachgemacht werden.
Eventuell können Sie auch mit Hilfestellungen unterstützen und korrigieren, das funktioniert auch ohne Sprechen. Alltagshandlungen, wie z.B. das Tischdecken funktionieren automatisch ohne Nachdenken. Gehen Sie an einen Schrank, holen Sie einen Stapel Teller und Tassen heraus und geben Sie die Dinge Ihren Patienten – diese werden wissen, was damit zu tun ist (es sollte ein Tisch vorhanden sein ;-)).
Geben Sie Anregungen zum Fühlen. Verschiedene Materialien (rauh, glatt, porös, warm, kalt, hart weich…), verschiedene Stoffe oder Wolle, die sogar den Einen oder Anderen einlädt, zu stricken, sie aufzuwickeln…Sie aktivieren, andere Sinne werden angesprochen und der Hörsinn hat Pause.
Dinge wie Anleitungen oder Rezepte können auch gut für die Patienten aufgeschrieben werden. So werden sie besser verstanden und man kann im Verlauf nochmal drüber schauen.

 

Eine andere Sache, die man nicht unterschätzen darf ist, dass der Alltag für Menschen, die Probleme mit dem Hören haben sehr anstrengend ist. Sie müssen sich den ganzen Tag hochgradig konzentrieren um einerseits ihre Mitmenschen zu hören und Nebengeräusche herauszufiltern und andererseits aus nonberbalen Signalen (wie vorhin angeführt Mimik und Gestik) die für sie wichtigen Informationen zu ziehen.
Nur so können sie verstehen, was um sie herum passiert und was von ihnen verlangt wird.
Daher ist es besonders wichtig, dass sie zwischendurch Erholungspausen haben und wir sie in der Therapie und Betreuuung nicht überfordern!
In Einzelsituationen eignen sich Spaziergänge besonders gut. Der Köper kann sich bewegen, die Augen nehmen wahr, was um sie herum geschieht und die Nase nimmt Düfte aus der Umwelt wahr. Die Ohren haben eine ganze Zeit Pause und das Gehirn kann sich erholen.
Es muss Ihnen in diesem Fall nicht unangenehmsein, dass Sie sich nur wenig oder gar nicht mit Ihrem Patienten unterhalten – das ist in diesem Fall einen therapeutische Indikation.

 
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Neben dem Verstehen fühlen sich die Patienten auch verstanden und können ihre Aufmerksamkeit länger halten. So sind sie länger in die Therapie und Gruppen integriert, sind aktiver, haben mehr Freude und fühlen sich angenommen.

 

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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