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Wahrnehmungsgeschichten. Unsere schönsten in der SingLiesel Mal-alt-werden.de – Edition

Wenn die Sprache, das Verstehen und andere Gedächtnisleistungen im Alter nachlassen, sind die Betroffenen mehr und mehr auf ihre Sinne angewiesen. In der Praxis greifen wir in diesen Fällen oft auf Wahrnehmungsübungen zurück, durch die die Sinne gezielt angesprochen und aktiviert werden. Für solche Wahrnehmungsübungen und -spiele bieten sich Materialien an, die die Senioren anfassen, hören, schmecken und anschauen können, oder an denen sie riechen dürfen. Durch diese Sinneseindrücke fällt es den Betroffenen viel leichter, sich an besondere Momente aus ihrer Vergangenheit oder auch ganz normale Alltagssituationen zu erinnern, die ihr Leben, und vor allem sie als Person geprägt haben.

Unsere schönsten Wahrnehmungsgeschichten gibt es jetzt auch als Buch

Als Erweiterung zu den vielen kreativen und beliebten Sinnesaktivierungen, die sich in der praktischen Seniorenarbeit bewährt haben, haben wir Wahrnehmungsgeschichten geschrieben, in die jeder unserer fünf Sinne mit einbezogen wird.
Unsere schönsten Geschichten haben wir jetzt in unserem Buch veröffentlicht.

Jede Geschichte konzentriert sich dabei besonders auf einen Sinn:
– Tasten
– Riechen
– Schmecken
– Hören
– Sehen

In der Kapitelübersicht in unserem Buch wurden die Geschichten ihrer jeweiligen Sinnesaktivierung zugeordnet, das erleichtert den unkomplizierten Einsatz in der Praxis. Bei den Wahrnehmungsgeschichten zum Tasten, Riechen und Schmecken finden Sie in der Überschrift zusätzlich die Information, um welchen Gegenstand, welches Material oder welches Lebensmittel es geht. Die Klanggeschichten sind ganz besondere Mitmachgeschichten, denen die Senioren im Verlauf ihren ganz eigenen und persönlichen Charakter verleihen können.
Lesen Sie die Wahrnehmungsgeschichten langsam vor. Im Text sind die Stellen, in denen es um die direkte Sinneserfahrung geht, besonders gekennzeichnet. Hier hat es sich in der Praxis bewährt, nach dem Vorlesen dieser Passagen, einen Moment innezuhalten. Damit geben Sie den Senioren die Möglichkeit, sich die Sinneseindrücke besser vorstellen zu können, bzw. die Materialien nochmal gezielt zu berühren, daran zu riechen oder ein Stück davon zu probieren.

Tastgeschichten
Bringen Sie das Material, um die sich die Geschichte dreht, mit und geben Sie den Senioren vor dem Vorlesen etwas Zeit, es ausgiebig anzufassen. In den Geschichten selbst haben die Senioren die Möglichkeit, die beschriebenen Empfindungen am Material nachzuvollziehen, Bewegungen damit nachzumachen (z.B. einen Wollfaden zwischen den Fingern hindurchgleiten lassen) und sich Sinneseindrücke aus ihrem Erfahrungsschatz vorzustellen.

Duftgeschichten
Auch bei den Duftgeschichten bringen Sie etwas mit, das den in den Geschichten beschriebenen Duft verströmt, zum Beispiel einen Blumenstrauß oder frische Kaffeebohnen. Geben Sie das Material einmal jedem in der Runde in die Hand, damit derjenige in aller Ruhe daran riechen kann. Erst dann beginnen Sie mit dem Vorlesen der Geschichte.

Schmeckgeschichten
Bieten Sie jedem Teilnehmer zu Beginn an, etwas von dem mitgebrachten Lebensmittel, um das sich die Geschichte dreht, zu probieren (wer nicht möchte, muss natürlich nicht). Während des Vorlesens haben die Senioren die Möglichkeit, sich die beschriebenen Geschmäcker vorzustellen. Am Ende darf jeder gerne noch einmal zugreifen.

Sehgeschichten
In den Geschichten, in denen der Sehsinn im Mittelpunkt steht, wird jeweils eine bestimmte Farbe beschrieben. Bringen Sie für diese Wahrnehmungsgeschichten ein Potpourri an Gegenständen und Materialien mit, die diese Farbe haben. Hier eignen sich auch Decken und Stoffe sehr gut. Wer farbige Lampen hat, kann diese hier gut einsetzen.

Klanggeschichten
Die Klanggeschichten in diesem Buch sind, wie oben schon erwähnt, Mitmachgeschichten, die die Senioren aktiv gestalten können. Zu Beginn bekommt jeder Teilnehmende eine Rassel, einen Regenmacher, ein Glöckchen, Geschenkpapier, ein Percussion-Instrument, einen Topf mit Kochlöffel oder eine Hupe (wie angegeben). Immer wenn in den Geschichten von den entsprechenden Geräuschen die Rede ist, machen die Senioren diese an den gekennzeichneten Stellen auf die angegebene Art und Weise nach.

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In der SingLiesel Mal-alt-werden.de-Edition veröffentlichen wir unsere schönsten und beliebtesten Aktivierungs- und Beschäftigungsideen für Senioren und Menschen mit Demenz in Büchern, die Sie ganz einfach in Ihren Aktivierungsalltag mitnehmen können.

Bisher sind außerdem folgende Titel in der Reihe erschienen

Reimrätsel. Lesen Sie hier die Buchvorstellung
Mitsprechgedichte. Lesen Sie hier die Buchvorstellung
Geschichten zum Bewegen. Lesen Sie hier die Buchvorstellung
Kurzaktivierungen. Lesen Sie hier die Buchvorstellung
Geschichten zum Vorlesen und Mitsingen. Lesen Sie hier die Buchvorstellung



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Verlag an der Ruhr: Zwei Bücher rund um die Aromapflege

Die Zahl der Menschen mit schwerer Demenz und schwerer Pflegebedürftigkeit nimmt zu. Die Sinne in die Aktivierung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Demenz einzubeziehen wird daher immer wichtiger. Die Aromapflege ist ein komplexes Feld, das viel Fachwissen erfordert. Einfache Ideen mit Alltagsmaterialien können aber auch Betreuungskräfte gut in ihrer Arbeit umsetzen. Im Verlag an der Ruhr ist mittlerweile ein Buch und ein Karten-Set rund um das Thema erschienen. Beide Veröffentlichungen stellen wir an dieser Stelle kurz vor.

Verlag an der Ruhr: Zwei Bücher rund um die Aromapflege


  1. Duftgeschichten für Senioren
    Das Buch mit den Duftgeschichten hat sich schnell zu einem der beliebtesten Bücher entwickelt. Diese Entwicklung ist nicht unbegründet. Die Geschichten thematisieren jeweils einen Duft, den die Senioren aus ihrer Biografie kennen. Hinzu kommen zahlreiche Informationen über die Aromapflege.
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  2. Basiswissen. Ätherische Öle in der Aromapflege
    Wer sich grundständig mit der Aromapflege auseinandersetzen möchte und ein Basiswissen auf dem Gebiet erlangen möchte, dem kann das Kartenset „Basiswissen. Ätherische Öle in der Aromapflege“ ans Herz gelegt werden. Das Kartenset enthält auch eine Vielzahl an Aktivierungsideen.
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Mehr begleitende Informationen und kostenlose Tipps für die Wahrnehmungsanregung bei Menschen mit Demenz finden Sie auch in unserem Fachbeitrag Basale Stimulation bei Demenz .

Geräusche in der Betreuung einsetzen. 2 CDs vom Verlag an der Ruhr

Als ich die Aufstellung der am meisten verkauften Spiele für das letzte Jahr gemacht habe, ist mir aufgefallen, dass eine CD mit Alltagsgeräuschen bei den Bestellungen ganz vorne mit dabei war. Auch wenn ich das so nicht erwartet hätte, kann ich die Beliebtheit von CDs mit Geräuschen im Nachhinein gut nachvollziehen. Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Man kann Geräsche im Gedächtnistraining einsetzen, man kann Geräusche bei kleinen Aktivierungen einsetzen, man kann passende Bilder betrachten, oder, oder, oder.

Die Geräusche-CD mit den meisten Bestellungen war nicht speziell für die Arbeit mit Senioren ausgelegt (Jamosi 1 - Das lustige Geräusche-Raten CD*). Speziell für den Einsatz in der Altenhilfe, gibt es zwei CDs vom Verlag an der Ruhr . Die CDs kommen jeweils in einem Karton mit Bildkarten daher und die Aufnahmen sind sehr hochwertig. Auch ein Begleitheft mit weiteren Anregungen für Einzel- und Gruppenaktivierungen (zum Beispiel passende Lieder, Redensarten und Gedichte ) ist in jedem der beiden Sets enthalten. Es gibt zwei Themen einmal „Der Wald“ und einmal „Tiere in Haus und Garten“.

Geräusche in der Betreuung einsetzen. 2 CDs vom Verlag an der Ruhr

  1. Geräusche und Bildkarten für die Seniorenarbeit. Der Wald*
    Das erste Set widmet sich dem Thema Wald. Von dem Rauschen des Laubs unter den Füßen über den Ruf des Kuckucks bis hin zu dem Rauschen eines Baches ist alles enthalten. Die ausführliche Vorstellung dieses Sets für die Aktivierung von Menschen mit Demenz können Sie sich unter „Der Wald“ ansehen.

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  2. Geräusche und Bildkarten für die Seniorenarbeit. Tiere in Haus und Garten*
    Das Thema des zweiten Sets ist „Tiere in Haus und Garten“. Die CD hält was der Titel verspricht: Von dem Krähen des Hahns ist über das Meckern der Ziege bis hin zu dem Quaken eines Froschs eine große Vielfalt tierischer Geräusche auf der CD zu hören.

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Insgesamt ist das Konzept der beiden CDs gelungen und die Einsatzmöglichkeiten sind umfangreich. Ein Wunsch hätte ich allerdings noch an den Verlag an der Ruhr: Wie wäre es mit einer CD mit Haushaltsgeräuschen und einer mit Geräuschen aus der Werkstatt?

Bettlägerige aktivieren

111 Ideen aus der Praxis

Autor: Andrea Friese
Verlag: Vincentz

Diese Buchvorstellung wurde von Sarah Lachtrup erstellt. Sarah ist Ergotherapeutin und in leitender Position für die soziale Betreuung in einem Pflegezentrum verantwortlich.

Inhalt

Bettlägerige aktivieren* bietet auf 124 Seiten vielfältige Ideen für die Aktivierung und Beschäftigung immobiler Senioren. Der Inhalt ist nach Sinnesbereichen gegliedert und gibt somit die Möglichkeit gezielte Aktivierungen nach dem individuellen Bedarf des Betroffenen auszuwählen. Das Buch richtet sich an alle, am Pflege- und Betreuungsprozess von schwerstpflegebedürftigen Menschen beteiligten Personen.

Autorin

Frau Andrea Friese ist Gedächtnistrainerin und Fachtherapeutin für Hirnleistungsstörungen. In diesem Bereich ist sie auch freiberuflich als Gedächtnistrainerin tätig. Außerdem kann Frau Friese viele Jahre Berufserfahrung im Sozialen Dienst eines Seniorenzentrums vorweisen, sowie vielfältige Veröffentlichungen rund um das Thema Betreuung und Aktivierung von Senioren und Demenzkranken.

Höhen und Tiefen

Das erste, was mir positiv auffiel, ist das handliche Format des Buches. Das ca. DIN A5 große, ringgebundene Buch passt in jede Hosen- oder Kitteltasche und ist somit ideal, wenn man im beruflichen Alltag „mal eben“ etwas nachschlagen möchte. Die Gliederung ist gut gelungen und übersichtlich. Zu jedem Sinnesbereich gibt es zunächst einen kleinen, gut verständlichen, theoretischen Abschnitt, der auf die Funktionsweise des jeweiligen Sinnes eingeht. Um das Verständnis der Anwender weiter zu fördern, regt die Autorin im nächsten Schritt zur Selbstreflexion an, indem sie z.B. Fragen stellt wie „Welche Bilder sprechen Sie positiv an“ oder sie fordert auf bestimmte Erfahrungen selbst zu machen, z.B. etwas mit dicken Handschuhen anfassen, um zu erfahren, wie es ist wenig zu spüren. Danach folgen vielfältige Anregungen zur Aktivierung: Von der Raumgestaltung eines Bettlägerigen über den gezielten Einsatz von Düften und Aromen bis hin zum klassischen Snoezelen findet der Leser hier viele Ideen. Viele der Ideen waren mir zwar bereits geläufig, jedoch konnte ich fast bei allem etwas finden, was mich zu neuem inspirierte.

Neben den interessanten Ideen für die Aktivierung ist außerdem noch positiv zu erwähnen, dass die Autorin Anregungen gibt, wie benötigte Materialien selbst hergestellt werden können, oder wo man sie günstig beziehen kann.

Für den Alltag in einer Pflegeeinrichtung ist besonders der letzte Abschnitt des Buches interessant: Frau Friese beschäftigt sich hier mit dem Thema Dokumentation und Evaluation. Hierfür findet man zwei Evaluationsbögen, die leicht zu verstehen und übersichtlich gestaltet sind. Außerdem schlägt die Autorin vor, wie man die Anregungen in die AEDL nach Monika Krohwinkel einsortieren kann, was bei einer einrichtungsbezogenen Dokumentation sehr hilfreich erscheint. Das Buch ist im Vincentz-Verlag erschienen.

Fazit

Dieses Buch würde ich jederzeit meinen Kollegen, auch solchen, die schon lange im Beruf sind, empfehlen. Es zeigt altbewährtes in einem neuen Licht und inspiriert dazu, diese Ideen selbst weiterzuentwickeln. Durch das praktische Format kann man es auch im Arbeitsalltag dabei haben und ist so für spontane Aktivierungen gut gerüstet. Durch die ausführlichen, aber leicht verständlichen theoretischen Erklärungen, ist „Bettlägerige aktivieren“ ebenso für Berufsanfänger oder ehrenamtliche Helfer geeignet.

Das Buch jetzt direkt auf der Verlagsseite von Vincentz bestellen*

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Der Wald

Geräusche und Bildkarten für die Seniorenarbeit

Autor: Carola Preuß, Klaus Ruge
Verlag: Verlag an der Ruhr

Inhalt

Der Wald - Geräusche und Bildkarten für die Seniorenarbeit* ist eine Zusammenstellung von Aktivierungsideen, Vorlagen für die Biografiearbeit und das Gedächtnistraining zu dem Thema Wald. Sie besteht aus einer CD mit 20 Waldgeräuschen, großen Bildkarten zu jedem dieser Geräusche und einem Begleitheft mit thematisch passenden Aktivierungsideen.
Einige Beispiele für die Geräusche bzw. Bildkarten sind: ein rauschender Bach, eine Amsel, ein Waldkauz, raschelndes Laub, ein Buntspecht, eine Kettensäge, ein fallender Baum und eine Nachtigall. Das Aktivierungpaket ist im Verlag an der Ruhr erschienen.

Höhen und Tiefen

Die 20 Bildkarten sind aus fester Pappe und zeigen Fotos von Tieren und Momentaufnahmen aus dem Wald. Dabei wurde der Gegenstand, auf den es ankommt, klar fokussiert und nah aufgenommen. Somit eignen sich die Karten auch sehr gut für Menschen mit Demenz. Die Geräusche auf der CD sind klar und deutlich zu hören, so dass auch Menschen, die Probleme mit dem Hören haben, in die Aktivierungen integriert werden können. Das Begleitheft bietet zu jeder Bildkarte umfassendes Material zur Biografiearbeit, passende Sprichwörter, Bauernregeln und Vorschläge zu Gedichten und Liedern. Zusätzlich wird jedes Bild mit allgemeinen Informationen vorgestellt. Hinzu kommen Ideen für sinnesaktivierende Angebote zum selbst herstellen, z.B. Winterfutter für Vögel.
Die Elemente dieser Aktivierungen können zusammen eingesetzt werden, eignen sich aber auch einzeln gut, z.B. zur Wahrnehmungsanregung, zum Gedächtnistraining oder um Themenrunden zu gestalten.

Fazit

Eine individuell einsetzbare und umfangreiche Zusammenstellung von Aktivierungsmaterialien und -ideen für Senioren und demenziell erkrankte Menschen zu dem Thema Wald. Eine schöne Grundlage zum biografisch orientierten und naturverbundenen Thema Wald für Mitarbeiter aus der Pflege und Betreuung und für pflegende Angehörige.

Diese Aktivierungsmaterialien jetzt bei Amazon bestellen.*

Kennen Sie „Der Wald“? Wie gefallen Ihnen diese Aktivierungsmaterialien? Hinterlassen Sie doch einfach einen Kommentar.

Wenn die Natur plötzlich im Pflegeheim aufblüht

Im Gespräch mit Susanne Moser-Patuzzi über Naturerfahrungen für Pflegebedürftige und Bettlägerige

Hallo Frau Moser-Patuzzi, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Susanne Moser-Patuzzi, ich bin 46 Jahre alt, Mutter und lebe und arbeite in Wien, wo ich auch die Ausbildung zur Kunsttherapeutin absolviert habe. Bis vor einiger Zeit war ich kunsttherapeutisch mit Jugendlichen tätig, momentan widme ich mich verstärkt dem Schreiben und bin stets darum bemüht, möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen.

In den Pflegeheimen spielen Wahrnehmungsangebote mit Naturelementen eine immer größer werdende Rolle. Bei vielen Sinnesangeboten (zum Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen, Riechen) blühen die Senioren, insbesondere Menschen mit Demenz, förmlich auf. Warum sind besonders die ganz natürlichen Dinge in den Sinnesaktivierungen so beliebt?

Ich denke, dass natürliche Materialien so gut bei den meisten Menschen ankommen, weil sie eine Menge an Potential in sich tragen. Sie eröffnen vielfältige Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen, sich von ihnen inspirieren zu lassen.
Ich möchte das anhand eines Beispiels veranschaulichen: nehmen wir an, Sie bringen jemandem ein Schneckenhaus mit. Das kann man zunächst mit allen Sinnen erforschen, also betrachten, befühlen, mit den Fingern den Windungen folgen, die Riefen spüren, den Finger in die Öffnung stecken oder hineinblasen. Man kann es ans Ohr halten, daran schnuppern und obendrein noch etwas daraus basteln oder damit spielen.
Über all diese Erfahrungen kann man dann sprechen. Oder man führt ein allgemeines Gespräch über Schnecken und deren Lebensweise, über eigene Erlebnisse mit diesen Tieren, über Langsamkeit, Rückzug, den Tod oder gar über den architektonischen Aufbau eines Schneckenhauses.
Ähnliches wäre bei anderen Naturmaterialien möglich. Auch ein Fichten-, Föhren- oder Lärchenzapfen kann befühlt und beschnuppert werden und Austausch über eigene Erlebnisse und Erinnerungen, Bäume, Wälder, Lebenszyklen, Umweltproblematiken usw. anregen.
Meiner Ansicht nach bieten Materialien aus der Natur einem aufmerksamen Begleiter ein sehr breites Spektrum an Möglichkeiten, Sinne zu aktivieren und einen aktiven Austausch anzuregen, daher ihre Beliebtheit.

Wir haben vor kurzem Ihr Buch Naturerfahrungen im Pflegealltag* auf Mal-alt-werden vorgestellt. Dort haben Sie sehr schön und anschaulich, wie ich finde, die Bedeutung der Naturerfahrungen für uns Menschen und unsere Verbundenheit zur Natur erläutert. Würden Sie unseren Lesern diese besondere Bedeutung der Natur hier auch noch einmal (kurz) beschreiben?

Wir Menschen sind mit der Natur untrennbar verbunden. Egal, wie städtisch unser Lebensstil, wie raffiniert unsere Nahrung und Kleidung, wie von Technologie durchdrungen unsere Arbeits- und Freizeitwelt ist: alles kommt ursprünglich aus der Natur. Wir sind von ihr abhängig, brauchen sie für unser körperliches und geistiges Überleben, und wir sind ihr ausgesetzt.
Im Laufe des Lebens macht jeder Mensch zahlreiche Naturerfahrungen – wie intensiv sie sind und wie tief sie empfunden werden, ist unterschiedlich. Tatsache ist, dass ein Zuwenig an Natur Konsequenzen hat (siehe als einfaches Beispiel Vitamin-D-Mangel) und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Natur heilsam sein kann – wer schon mal durch einen Spaziergang, Joggen, Schwimmen oder Ähnliches Stress abgebaut hat, kann das bestimmt nachvollziehen.
Hier in Mitteleuropa bietet sich uns eine wunderbare Gelegenheit, die bewusste Verbindung zur Natur wiederherzustellen: im Regelfall sind alle unsere Bedürfnisse mehr als gedeckt, wir müssen uns nicht dem täglichen Überlebenskampf stellen und können uns den Luxus leisten, uns der Natur auf sehr angenehme Art und Weise zu nähern: über ihre Schönheit.

Warum sind regelmäßige Naturerfahrungen besonders für Pflegebedürftige und Bettlägerige besonders wichtig?

Für die Beantwortung dieser Frage ist es hilfreich, sich in die Lage eines pflegebedürftigen oder bettlägerigen Menschen hineinzuversetzen. Stellen Sie sich vor, am Lebensende den Großteil Ihres Alltages in denselben Räumen zu verbringen. Man ist gebrechlich, krank, hat Schmerzen, kann nicht mehr so, wie man will, kann diese Räume oder sogar das Bett nicht mehr verlassen. Was ist das für ein Lebensgefühl? Können wir Jungen, Gesunden das überhaupt nachvollziehen?
Wir könnten uns vorstellen, nach einem Büroarbeitstag oder nach einem Schultag nicht raus zu dürfen, sondern drinnen bleiben zu müssen und zwar ständig. Ohne Bewegung, ohne Sonne, ohne den Wind zu spüren, ohne aus der Kälte wieder ins Warme zu kommen. Würden wir nicht nach Abwechslung lechzen wie nach Sonnenschein am Ende eines langen, dunklen Winters? Gerade für Pflegebedürftige und Bettlägerige sind Zuwendung in jeder Form und, soweit möglich, direkte Naturerfahrungen essentiell.

Welche Wirkung haben Naturmaterialien auf die Betroffenen?

Wie vorhin schon angesprochen, tragen viele Naturmaterialien ein reiches Potential an Sinneserfahrungen in sich und sind gleichzeitig Ausgangspunkte, Brücken, für tiefere Begegnungen. Im Idealfall wirken Naturmaterialien anregend, aktivieren die Sinne, bringen Erinnerungen wieder und ermöglichen einen Austausch zwischen dem Betroffenem und demjenigen, der sich ihnen zuwendet. Sie öffnen Türen und ermöglichen Lebendigkeit, ein Aufleben auf verschiedenen Ebenen.
Von größter Bedeutung ist hier allerdings die Rolle des Begleiters: er oder sie ist ein wesentlicher, wahrscheinlich DER wesentliche Faktor für die Tiefe des Erlebnisses des Betreuten. Einem pflegebedürftigen Menschen eine Schale mit Naturmaterialien in die Hand zu drücken und dann wegzugehen, bringt im besten Fall eine Zeitlang Freude, aber es braucht mehr! Es braucht einen lebendigen, präsenten, offenen Menschen, der begleitet und teilt. Das ist eine große Herausforderung für alle Pflegenden und Begleitenden, die oft mit Zeit- und anderem Druck zu kämpfen haben.

Wie schafft man Begegnungen mit der Natur im Pflegealltag? Welche Möglichkeiten haben Pflegende und Betreuende?

Hierbei kommt es auf die Rahmenbedingungen an. Grundsätzlich gilt: je unmittelbarer die Erfahrung, desto vorteilhafter. Es ist besser, in den Garten zu gehen und unter einem Baum zu sitzen oder eine Katze zu streicheln als im Zimmer ein Bild von einem Baum oder einer Katze anzusehen. Je mehr Möglichkeiten vorhanden sind, eben ein Garten oder Tiere und je mobiler die Betreuten sind, desto einfacher.
Wenn Hinausgehen nicht machbar ist, kann man auf mitgebrachte Naturmaterialien zurückgreifen. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten, vom erwähnten Schneckenhaus über Federn, Zapfen, Kieselsteine, Geweihteile, Früchte und duftende Gewürze oder Öle, Samen bis hin zu Wasser, Sand, Schnee und Erde (Ton) in kleinen Mengen. Je nachdem, was sich praktisch umsetzen lässt.
Des Weiteren können Filmen, Bilder, Bücher und CDs (z.B. Naturgeräusche oder Vogelstimmen mit oder ohne Musik) angeboten werden.
Zur Inspiration kann man sich auch an den Jahreszeiten oder Jahresfesten orientieren.

Wie kann ich speziell den bettlägerigen Menschen besondere Naturerfahrungen schenken?

Bei bettlägerigen Menschen sind klarerweise die Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Auch hier kann der Großteil der oben erwähnten Naturmaterialien zum Einsatz kommen, besonders aber auch Bilder, Klänge oder Düfte. Unser Buch „Naturerfahrungen im Pflegealltag. Das Draußen drinnen erleben“, das Sie hier vorstellen, soll Begleitern eine umfangreiche Palette an gut und ohne großen Aufwand vorzubereitenden Begegnungen bieten, die sie ihren Betreuten mitbringen können.
Auch hier gilt: je eingeschränkter die Möglichkeiten des Betreuten sind, desto wesentlicher ist die Rolle des Betreuers! Er/sie trägt eine enorme Verantwortung, was leider nicht immer ausreichend gewürdigt wird.

Würden Sie uns vielleicht eine kleine Geschichte oder Anekdote erzählen, die verdeutlicht, was durch den Einsatz von Natur(materialien) im Pflegeheim erreicht werden kann?

Gerne. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte meine geliebte, hochbetagte Großmutter in einem Pflegeheim. Da es mir aufgrund der großen Entfernung nicht möglich war, sie regelmäßig zu besuchen, stand ich in Briefkontakt mit ihr, soweit es ihr Zustand erlaubte, schrieb sie zurück. Zu dieser Zeit war ich häufig an verschiedenen Flüssen unterwegs und schickte Oma einmal einen wunderschönen, runden Bachkiesel mit. Ich beschrieb ihr genau, wo ich ihn gefunden hatte, wie es dort aussah, und warum er so schön rund war. Meine Großmutter antwortete auf diesen Brief, es war einer der letzten, den sie mir schickte. Sie schrieb, dass sie sich über den Stein freute, und darüber, dass er so rund und glatt war, und so kühl auf der Haut. Kurz darauf telefonierte ich mit meiner Tante, die mir erzählte, dass Oma dauernd was von einem Stein redete und sie sich nicht erklären konnte, woher das plötzlich kam. Oma wäre momentan wohl etwas durcheinander, meinte sie. Da hatte ich mit dem Kiesel nicht nur Sinnesfreude, sondern auch ordentlich Verwirrung gestiftet. Zum Glück konnte ich das rasch aufklären und damit Oma noch weiterhin ungetrübte Freude an dem kühlen Stein ermöglichen. Diese Geschichte zeigt einerseits, wie Sinnesfreude durch Naturmaterialien möglich, andererseits aber auch, wie wichtig die Anwesenheit eines gefühlvollen Begleiters ist.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Seine Heiligkeit der Dalai Lama soll sinngemäß Folgendes gesagt haben: Wenn du sprichst, wiederholst du nur, was du ohnehin schon weißt, wenn du aber zuhörst, kannst du unter Umständen etwas Neues lernen.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns die Zeit nehmen, unseren Mitmenschen zuzuhören. Und darüber hinaus nicht nur den Menschen, sondern auch den anderen Lebewesen auf der Erde. Damit meine ich, dass wir uns bemühen, möglichst viel über andere Lebensformen zu erfahren, zu lernen und daraus Wege aus der Umweltzerstörung hin zu einem besseren Miteinander zu finden. Das wünsche ich mir.

Herzlichen Dank, Frau Moser-Patuzzi!!!

Zur Buchvorstellung von „Naturerfahrungen im Pflegealltag. Das Draußen drinnen erleben“.
Das Buch ist im Verlag an der Ruhr erschienen.



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Basiswissen Ätherische Öle in der Aromapflege

Karten-Set mit Anwendungstipps und Aktivierungsideen für die Pflegepraxis

Autorin: Steffi Klöpper
Verlag: Verlag an der Ruhr

Inhalt

Basiswissen Ätherische Öle in der Aromapflege* ist ein umfangreiches Karten-Set mit allen wichtigen Informationen rund um die Aromapflege, wertvollen Tipps für die Praxis und Rezeptvorschlägen für verschiedene Anwendungsgebiete.
Das Karten-Set umfasst ein ausführliches Begleitheft und 21 Karten mit ätherischen Ölen für die Pflegepraxis. Auf den Karten finden Sie unter anderem die seelische und körperliche Wirkung der verschiedenen Düfte, Rezepte und praktische Anwendungstipps.

Höhen und Tiefen

Steffi Klöpper ist Aromaexpertin, Massagetherapeutin und Heilpraktikerin. In diesem Karten-Set hat sie alles Wichtige und Wissenswerte rund um die Aromapflege übersichtlich zusammengestellt. In erster Linie richtet es sich an Pflege- und Betreuungskräfte in Kranken- oder Altenpflegeeinrichtungen und auch Angehörige die kranke und ältere Menschen begleiten. Es eignet sich aber auch für den privaten Gebrauch, zum Beispiel zur Unterstützung bei Verdauungsproblemen, Unruhe, Müdigkeit oder Erkältungen.
Erfahrungsgemäß scheiden sich bei dem Thema Aromapflege die Meinungen zur Wirksamkeit und sinnvollen Anwendung im Bereich der (Alten-)Pflege. Meist sind die verschiedenen Meinungen allerdings auch von den persönlichen Vorlieben und Abneigungen der Anwender geprägt. Fakt ist, dass die Aromapflege nur dann zum Einsatz kommen darf bzw. kann, wenn keine gesundheitlichen Gründe und/oder Abneigungen derjenigen, bei denen sie angewandt wird, dagegensprechen. Ich fand die Herangehensweise der Autorin an das Thema sehr gut! Das Begleitheft ist natürlich kein Lehrbuch, es beinhaltet aber alles Wichtige, was man als Hintergrundwissen und für die Anwendung der Aromapflege in der Praxis braucht. Dabei stellt sie ätherische Öle und die Aromapflege vor und erklärt die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Praktische Tipps für die jeweiligen Anwendungen, Anwendungseinschränkungen, Hautverträglichkeitstests, die Wirkung im menschlichen Organismus und Neben- und Wechselwirkungen geben eine Richtung und Indikationen/Kontraindikationen für die Anwendung der Aromapflege in der Praxis vor.
Auf den 21 Karten zu den verschiedenen Duftölen wird jeweils die seelische und die körperliche Wirkung beschrieben. Außerdem findet man hier Rezeptideen zu unterschiedlichen Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel für Massagen, Bäder, Körperöle oder Öle für Duftlampen oder ein Duftfließ. Die Tipps sind gut in der Praxis umzusetzen und die Autorin weist meiner Meinung nach aureichend auf einen umsichtigen, verantwortungsvollen und gewissenhaften Einsatz der Aromapflege hin. Nur so kann sie wirklich eine positive und hilfreiche Wirkung haben!
Das Karten-Set vom Verlag an der Ruhr kostet zur Zeit 14,99 €, was absolut angemessen ist.

Fazit

Das Karten-Set „Basiswissen Ätherische Öle in der Aromapflege“ beinhaltet alles Wissenswerte rund um die Aromapflege für Pflegende, Betreuende und Angehörige pflegebedürftiger Menschen. Praktische Anwendungstipps, Kontraindikationen und Rezepte für die Behandlung unterschiedlicher Beschwerden runden das Set ab. Für den verantwortungsvollen Einsatz der Aromapflege können wir das Karten-Set von Steffi Klöpper für die Pflegepraxis empfehlen.

Zur Aromatherapie bei Demenz ist bei uns schon ein Interview mit der Aromaexpertin Nathalie Warkentin erschienen. Das ganze Gespräch können Sie sich hier ansehen!

Außerdem haben wir das Buch „Duftgeschichten für Senioren“ von Steffi Klöpper und Birgit Ebbert auch schon ausführlich auf mal-alt-werden.de vorgestellt

Das Buch jetzt bei Amazon bestellen!*
Thalia*

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Naturerfahrungen im Pflegealltag. Das Draußen drinnen erleben

Praxisratgeber mit Fotokarten und Bilder-CD

Autoren: Peter Moser, Susanne Moser-Patuzzi, Marion Jettenberger
Verlag: Verlag an der Ruhr

Inhalt

Naturerfahrungen im Pflegealltag* ist ein Materialpaket vom Verlag an der Ruhr, das Menschen im Alter, die aufgrund einer (schweren) Erkrankung nicht mehr alleine nach draußen gehen können oder sogar bettlägerig sind, Naturerfahrungen ermöglichen kann.
Das Paket umfasst einen Praxisratgeber mit 32 naturbezogenen Aktivierungsideen, Sinnesangeboten und Erzählimpulsen, 80 Bildkarten mit Naturfotos und einer CD-ROM, auf der diese und noch weitere Motive vorhanden sind. Themen dieser Naturerfahrungen sind unter anderem Landschaften, der Wald, Bäume, die Jahreszeiten und das Wasser.

Höhen und Tiefen

Naturerfahrungen haben wir alle gemacht. Machen wir heute noch. Obwohl das (Er-)Leben in der Natur bei den meisten von uns im immer hektischer und schneller werdenden Alltag wahrscheinlich viel weniger geworden ist, als zu der Zeit, in der wir noch Kinder waren. Die älteren Menschen unter uns haben einen noch viel engeren Bezug zur Natur gehabt, als wir früher.
„Das Draußen drinnen erleben“ soll diese Erinnerungen bei den heute älteren und an Demenz erkrankten Menschen wieder wecken und die damit verbundenen Gefühle wieder spürbar machen. Das Materialpaket beinhaltet 80 große Fotokarten mit „echten“ Fotos aus der Natur, die von den Senioren gut und gerne in die Hand genommen werden können. Zusätzlich stehen diese 80 und noch 40 weitere Motive auf einer CD-ROM zur Verfügung, die beispielsweise auf eine Leinwand, unter die Zimmerdecke oder an eine helle Wand projiziert werden können. In einem ausführlichen Ratgeber, der aus einem Theorie- und einem Praxisteil besteht, haben die beiden Autorinnen Susanne Moser-Patuzzi und Marion Jettenberger Grundlagen und Ziele zu den Naturerfahrungen zusammengetragen, erläutern die biografischen Aspekte für die heute älteren Menschen unter uns und geben Anregungen für die Arbeitsweise mit dem Buch und den Materialien. In 32 praktisch ausgearbeiteten Aktivierungen zu verschiedenen Themen bekommt man Empfehlungen für passende Fotos, Tipps für den Einstieg in die Bildbetrachtung, Anregungen für Übungen zur Sinneswahrnehmung und Fragen als Impulsgeber für gemeinsame Gespräche.
Die Fotokarten sind von der Qualität und der Motivwahl her wirklich sehr gut! Der Fotograf hat bewusst auf eine umfassende Bildbearbeitung verzichtet, was die Fotos wirklich einfach natürlicher erscheinen lässt und in ihrer Wirkung kraftvoller macht. Für die Fotokarten wäre sicher eine kleine Box zur Aufbewahrung hilfreich, damit sie im Alltag nicht verloren gehen. Das Materialpaket kann sowohl in der stationären Pflege- und Betreuungsarbeit eingesetzt werden, als auch von Angehörigen zuhause oder in der ambulanten Begleitung von demenziell erkrankten Menschen. Das ganze Paket kostet zur Zeit 34,99 €.

Fazit

„Naturerfahrungen im Pflegealltag. Das Draußen drinnen erleben“ ist ein Materialpaket für die Seniorenarbeit, das aus einem Praxisratgeber, 80 wirkungsvollen Fotokarten und einer CD-ROM mit zahlreichen weiteren Bildern aus der Natur besteht. Es eignet sich für die Aktivierung Bettlägeriger, die Begleitung von Menschen mit Demenz, oder auch als Material zur Wahrnehmungsanregung in Gruppenangeboten. Für Fachkräfte, Angehörige und Ehrenamtliche. Das Materialpaket ist im Verlag an der Ruhr erschienen.

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Thalia*

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Von der Sinnesaktivierung bis zum Erdbeerfest…

Im Gespräch mit Marion Jettenberger über Aktivierungsideen und Betreuungsangebote in der Seniorenarbeit

 

Hallo Frau Jettenberger, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Marion Jettenberger, ich bin 36 Jahre jung, staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin, klinische Kunsttherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Palliativfachkraft. Hauptberuflich bin ich Hospizkoordinatorin bei einem ambulanten Hospizdienst, nebenberuflich bin ich Referentin und Autorin in den Bereichen Demenzbegleitung und Sterbebegleitung. Das Schreiben und das kreative Entwickeln von Materialien für Demenzbetroffene ist für mich eine Art Ausgleich zum Alltag.

Sie sind jetzt schon einige Jahre in der Seniorenarbeit tätig, begleiten ältere, kranke und auch sterbende Menschen.
Wann haben Sie sich entschieden, diesen Weg zu gehen? Was sollte man unbedingt mitbringen, wenn man sich entscheidet in diesem Bereich zu arbeiten?

Ich habe mich schon sehr früh entschieden, noch während der Realschulzeit, dass ich in den sozialen Bereich gehe. Wir haben zu Hause meine Uroma in der Familie gepflegt, das war völlig normal und selbstverständlich, auch als sie mental und körperlich immer schwächer wurde. Außerdem liebe ich Lebensgeschichten und wer, wenn nicht unsere ältere Generation, kann viel aus ihrem Leben erzählen! Ich denke man muss vor allem Empathie und die Freude im Umgang mit Menschen mitbringen und zusätzlich natürlich eine fundierte Ausbildung.

Eine besondere Herausforderung ist die Betreuung und die Begleitung Bettlägeriger.
Haben Sie ein paar Tipps für uns, welche Angebote man den Betroffenen machen könnte, die sie einerseits nicht überfordern, andererseits aber auch hinreichend ansprechen und aktivieren?

In erster Linie müssen wir DA-sein und OHR-sein, uns gerade Bettlägerigen gezielt zuwenden und uns Zeit nehmen. Und besonders über die Sinne gibt es dann zusätzlich so viele Möglichkeiten, einen Zugang zu diesen Menschen zu finden und Emotionen zu wecken. Ich biete hier am liebsten eine Handmassage an, die eine Streicheleinheit für Körper und Seele ist. Handmassagen, regelmäßig angewendet, können Nähe und gegenseitiges Vertrauen fördern und den Umgang miteinander im Pflege- und Betreuungsalltag erleichtern.

Gibt es Materialien oder bestimmte Aktivierungen, mit denen Sie oft und gerne in der Begleitung von Menschen mit Demenz arbeiten? Würden Sie uns diese kurz vorstellen?

Ich arbeite sehr gerne mit ätherischen Ölen, weil Aromapflege für mich automatisch eine Erinnerungsarbeit ist. Durch Düfte erinnern sich Menschen an allerlei Situationen, sei es die Zitrone, die an den Urlaub im Süden erinnert, oder Vanille, die Erinnerungen an die Weihnachtsbäckerei mit der Großmutter wachruft. Mit dem Karten-Set Basiswissen Ätherische Öle in der Aromapflege* von Steffi Klöpper gelingt das ganz wunderbar.
Sehr zu empfehlen sind auch Groß-Puzzle, die kommen immer gut an. Der Verlag an der Ruhr z.B. bietet sie zu allerlei Themen an.

Besonders empfehlen kann ich auch noch die Karten-Sets, ebenfalls vom Verlag an der Ruhr, sei es eben zur „Aromapflege“, zu „Sinnesaktivierungen für Bettlägerige“ oder Bewegungsübungen für Bettlägerige*. Die Karten-Sets sind vor allem so schön handlich und man kann die Schraube an dem Fächer aufdrehen, sodass man einzelne Karten herausnehmen und nutzen kann. Das ist in der praktischen Arbeit sehr angenehm.

Nicht nur wir, sondern auch viele Betreuungskräfte, die wir kennengelernt haben, stellen am liebsten ihre Beschäftigungsmaterialien selbst her – sie lassen sich so nicht nur individueller herstellen, sondern sind auch viel kostengünstiger als die Materialien aus dem Fachhandel.
Ich weiß, dass Sie in Kürze ein Buch zu diesem Thema veröffentlichen werden 😉
Würden Sie uns EINE Anleitung für selbst gestaltete Aktivierungsmaterialien aus Ihrem Buch verraten?

Meine ersten drei Do-it-yourself-Materialien waren, wie sicherlich bei vielen anderen Betreuungskräften auch, aus der Not heraus geboren, nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben. So entstanden beispielweise Tischkegel, Fühlsäckchen und diverse Memo-Spiele, die ich allesamt selbst aus Materialien hergestellt habe, die ich nicht mehr brauchte, gespendet bekam oder auf Flohmärkten fand. Im Laufe der Jahre fand ich immer mehr Freude daran, etwas selbst herzustellen, besonders wenn ich dabei auch meine Bewohner aktiv miteinbeziehen konnte. Aus alten Marmeladendeckeln lässt sich zum Beispiel ein ganz wunderbares Fühl-Memo zaubern. Die Innseiten der Deckel werden hierfür mit verschiedenen Materialien, wie Watte, Schleifpapier, Baumrinde oder Moos, beklebt. Immer zwei Deckel mit demselben Material. Und schon hat man ein Memospiel zum Ertasten parat oder ein Material für eine Raterunde, bei der die Senioren mit geschlossenen Augen die Materialien ertasten und erraten.

Erfahrungsgemäß sind besondere Feste oder auch Themenwochen beliebte Anlässe, die Abwechslung und Freude in den Alltag von Senioreneinrichtungen bringen können.
Welche Tipps können Sie uns mit auf den Weg geben, damit beispielsweise Feste in Senioreneinrichtungen gut gelingen? Was sollte man unbedingt beachten und was sind vielleicht Programmpunkte, die auf jeden Fall auf solchen Festen dazu gehören?

Erstellen Sie sich im Team als erstes immer eine Checkliste: Wer macht was bis wann? Das hat sich in der Praxis bewährt. Und vergessen Sie nach der Durchführung des Festes auch die Reflexion nicht, denn nur so kann man aus jedem Fest fürs nächste wieder lernen. Reflexionsfragen können dabei sein:
Kam das Thema/Fest/der Thementag gut an?
• Was kam bei den Betreuten/Bewohnern besonders gut an?
• Was hat gut geklappt?
• Welche Schwierigkeiten/Probleme sind aufgetreten?
• Was waren die Ursachen?
• Wie haben wir darauf reagiert?
• Was müssen wir das nächstes Mal bedenken/besser machen?
Programmpunkte, die bei einem Fest oder Mottotag nicht fehlen dürfen, sind kulinarische Highlights, Dekoration, Musik und natürlich ein buntes Programm, das sowohl geistig agile, als auch demenzbetroffene Senioren anspricht. In meinem Buch Von Spielefest bis Erdbeertag* finden sich zahlreiche, bereits ausgearbeitete Ideen für Mottotage, inklusive Materialien auf CD-ROM.

Würden Sie uns vielleicht eine kleine Geschichte oder Anekdote erzählen, die verdeutlicht, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Kürzlich begleitete ich eine demenzerkrankte, bettlägerige und bereits sterbende Frau. Sie konnte sich nicht mehr äußern und hatte die Augen die meiste Zeit über zu, Essen und Trinken war nicht mehr möglich. Ich wusste jedoch, dass sie Cola gerne getrunken hat. So träufelte ich ihr mit einer Pipette ein wenig Cola auf die Lippen. Sie öffnete den Mund, die Zunge kam ein wenig heraus, ich gab noch einen Tropfen darauf, dann öffnete sie die Augen und schaute mich ganz klar und strahlend an wie seit Tagen nicht mehr. Ein ganz wunderbarer Moment, der zeigt, wie man jemanden ganz einfach und nur über den Geschmackssinn erreichen kann. Wie das gelingen kann, dazu geben ich in meinem Karten-Set „Sinnesaktivierungen für Bettlägerige“ viele Anregungen und praktische Tipps.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Noch viel mehr Möglichkeiten in unserer Gesellschaft, Menschen im Alter, mit Demenz, Schwerstkranke und Sterbende zu betreuen, zu begleiten und zu pflegen.

Herzlichen Dank, Frau Jettenberger!!!

Gerne, ich danke Ihnen!

Zur Amazon-Autoren-Seite von Marion Jettenberger*



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Aromatherapie bei Demenz…

Im Gespräch mit Nathalie Warkentin

Hallo Frau Warkentin, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.
Mein Name ist Nathalie Warkentin und ich bin Aromareferentin und ärztlich geprüfte Aromaexpertin.

Können Sie uns erklären, wie und wann man generell mit Aromen arbeitet?.
So vielfältig wie die Düfte der ätherischen Öle sind, so breit ist auch das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten. Ihre ganzheitlich heilende und wohltuende Wirkung lässt sich im Heil- und Pflegebereich, in der Selbstbehandlung, in der Kosmetik und im Wellnessbereich nutzen.

Welche Auswirkungen haben Düfte und Aromen auf unser Leben?
Ätherische Öle sind sehr bedeutend für unser Leben. Wir schaffen es durch Aromatherapie, eine Einheit von Körper, Geist und Seele zu bilden und somit ein Gleichgewicht und eine Harmonie in unserem Leben zu schaffen.

Können Sie uns einen kleinen Überblick über die Wirkung einiger Aromen geben?
Ätherische Öle haben eine psychische, sowie eine körperliche Wirkung auf unds Menschen. Psychische Wirkungen können z.B. ausgleichend, stimmungshebend und inspirierend sein. Körperliche Wirkungen können unter anderen auch schmerzlindernd und regenerierend sein.

Was kann man mit Aromen bei Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, bewirken bzw. erreichen?
Bei Demenz erkrankten wird die Aromapflege zur Stimmungsaufhellung, zur Unterstützung von Beschäftigungstherapien und zur Verbesserung der Gedächtnisleistung eingesetzt. Die ätherischen Öle werden dazu genutzt, Erinnerungen zu wecken oder Demenz erkrankte Bewohner für alltägliche Tätigkeiten zu aktivieren und ihre Konzentrationsfähigkeit zu fördern.

Wie sollte man die Düfte einsetzen? Worauf sollte man, insbesondere bei Menschen mit Demenz, besonders achten?
Ätherische Öle werden für Einreibungen und Bäder verwendet. Für Menschen mit Demenz können ätherische Öle in Verbindung mit kleinen Massagen eine immense Wohltat bedeuten. In der Aromapflege bei Demenzerkrankten ist es wichtig, auf den jahreszeitlichen Bezug der Düfte zu achten, denn eine unpassende Anwendung kann verwirrend sein. Insgesamt gilt: Es kommt nur zum Einsatz was der Betroffene selbst mag!

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Dass ich viele Menschen von der Aromatherapie überzeugen kann, denn Aromapflege bietet eine komplementäre Behandlung an, die das Wohlbefinden der Menschen steigert, Ängste und Stress lindert und durch die verstärkte Zuwendung und Berührung, Entspannung und Schmerzlinderung ermöglicht.

Herzlichen Dank, Frau Warkentin!!!



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