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Glücks Bewegungsmusik

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Leitung: Natali Mallek, Gründerin von Mal-alt-werden.de


Im Gespräch mit Ralf Glück über Bewegungsmedien mit Musik für die Arbeit mit Senioren und Menschen mit Demenz

 

Hallo Herr Glück, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich bedanke mich recht herzlichst für die Möglichkeit die Arbeit des Glücks-Teams und die Entwicklung der Glücks Bewegungsmusik bei mal-alt-werden.de vorstellen zu dürfen.

Ich Ralf Glück, geboren 1959 im Chiemgau, lebe mit meiner Lebensgefährtin, ihren beiden Töchtern (7 und 9 Jahre), einem Hund und zwei Katzen in Grabenstätt am Chiemsee.
Schon im Kindesalter von 5 Jahren erhielt ich Melodika und Akkordeonunterricht. Später kamen die Instrumente Klavier, Saxophon und Gesang dazu. Die Musik begleitet mich bis heute in zahlreichen Formen privater und beruflicher Art.
Nach der Ausbildung zum Musikalienhändler folgte die Lehrerprüfung beim Deutschen Orgellehrerverband und eine weitere 3-jährige Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater in Logotherapeutischer und Existenzanalytischer Ausrichtung nach Viktor Frankl. So ausgebildet leitete ich von 2001 bis 2010 die Soziale Betreuung in einem bayerischen Altenheim mit 130 Bewohnern.
Von 2003 bis 2014 schulte ich in Deutschland, Österreich und deutschsprachigen Italien zahlreiche Kollegen/innen im Bereich Musik und Bewegung, Sturzprophylaxe und Kurzaktivierungen. In der Weiterbildung zur Gerontofachkraft unterrichte
ich an einzelnen Fortbildungstagen an einer Altenpflegeschule den Bereich Musik und Bewegung. Außerdem gestalte ich wöchentlich als freier Mitarbeiter ganz praxisnah eine Singeinheit in einem Altenheim. Als Qualitätskoordinator nach dem GAB-Verfahren war ich in den letzten 2 Jahren für das Qualitätsmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit in einem Altenheim zuständig.
Die belebende und bereichernde Musik bei Menschen mit Demenz hatten bereits einige Interview-Partner in diesem Blog angesprochen. Auch mir wurde in der täglichen Arbeit mit meinen Senioren bewusst, dass Musik Fenster, Türen und vor allem die Herzen der Menschen öffnen und weit machen kann.

Wie sind Sie zur Bewegungsmusik für Senioren und Menschen mit Demenz gekommen?

In meiner Arbeit als Lebens- uns Sozialberater und als Musiker war und ist die Musik ein ständiger Begleiter in meinem Arbeitsfeld mit Senioren. Die positive und belebende Wirkung von Musik kann ich nur bestätigen.
Mein Team-Kollege Stefan Wels, Dipl.-Fachsportlehrer für Senioren stand mir als fachlicher Ratgeber immer hilfreich zur Seite. Die Frage, „wie motiviere ich meine hochaltrigen Menschen zu sportiv sinnvollen körperlichen Bewegungen“ stand fast täglich im Raum.
Als Komponist und Musiker unternahm ich den Versuch fachlich abgesicherte, sportliche Übungen mit zielgerichteter Musik zu koppeln. Das Ergebnis war beeindruckend und motivierte uns zur Entwicklung der Glücks Bewegungsmusik.
Mit großer Freude hat unser Team 2005 die Anerkennung und die Wertschätzung des Bundesministeriums für Soziales und Gesundheit beim Präventionspreis entgegengenommen.

Was unterscheidet die Glücks Bewegungsmusik von Bewegungsangeboten, die vielfach im Handel erhältlich sind?

Als ausgebildeter AOK Sturzmentor möchte ich generell sagen, dass jede Art von Bewegung, die unseren Senioren Freude bereitet, sinnvoll ist. Alles ist besser, als das tagelange „Herumsitzen“ in den Wohnbereichen und das Warten auf die Essens- und Schlafenszeiten. Lebendigkeit kann nur in und mit Bewegung entstehen!
Der Unterschied unser Glücks Bewegungsmusik liegt im fachlichen Ansatz – im sportwissenschaftlichen Blickwinkel.
Es ist klar, dass auch uns die Musikbiografie als Grundlage dient. In unseren eigens komponierten Bewegungsliedern verwenden wir von Walzer, über Tango, Samba, Charleston, Polka, Zwiefacher bis hin zum Foxtrott und Boogie-Woogie, jegliche Art der einschlägigen Musik. Die Musik dient uns in erster Linie zur Motivation als Bewegungsmotor.
Sämtliche Lieder der Glücks Bewegungsmusik basieren auf sportwissenschaftlichen Grundlagen. Diese sind: Mobilisation, Koordination, Kräftigung (dynamisch, statisch) und Ausdauer. Die Fragestellung bei der Entwicklung der Musik ist immer: WELCHE Muskelgruppen unserer Zielgruppe wollen wir mit WAS für einer Intensität trainieren?

Als Komponist durfte ich daher den sportwissenschaftlichen Ansatz nicht aus den Augen verlieren, der mir

• die Länge der Übung
• die Pausen zur Lockerung
• und den sportiven „Dreier-Rhythmus“ … vorgibt.

Das Tolle an unserer Bewegungsmusik ist, dass keine musikalischen und sportlichen Vorkenntnisse benötigt werden. Der Inhalt des Liedtextes beinhaltet den Übungs-ablauf, so dass jeder Laie nach kürzester Zeit fachlich fundierte Bewegungsübungen durchführen kann. Die Anleitung wird vorgesungen, so dass der Anwender während der Durchführung eine Echtzeit-Anleitung erhält, was eine zusätzliche Sicherheit bietet.
Im Booklet (Begleitheft in der CD-Box) findet der interessierte Laie neben dem Liedtext und der Übungsabfolge die sportlich, fachliche Wirkungsweise der Übung beschrieben und anhand einer Bilder-Matrix optisch dargestellt.

glücks bewegungsmusik 1

Auf der CD haben wir neben den Liedern zusätzlich eine PDF-Datei im DIN A 4-Format mit den Übungsanleitungen, Liedtexten in großer Schrift, den Noten und Sinnesanregungen zur Kurzaktivierung zum Ausdrucken bereit gestellt.

Worauf muss man bei Bewegungseinheiten zur Musik mit Menschen mit Demenz besonders acht geben?

Generell ist Bewegung für jeden Menschen wichtig. Ich habe mich immer mit meinen Kollegen/innen in der Pflege abgesprochen um abzuklären, ob etwas gegen unsere Bewegungsangebote spricht.
Menschen mit Demenz haben oft einen starken Bewegungsdrang, so dass gerade sie von regelmäßigen sportiven Einheiten profitieren und diese als Spannungsabbau wohltuend nutzen können.
In der Glücks Bewegungsmusik arbeiten wir vielfach mit „Bildern“. Einfache, klar formulierte Sätze am Besten noch mit der Bewegung kombiniert führen oft schnell zum Erfolg.
Zum Beispiel erzähle ich: „Wir machen jetzt eine lustige Radfahrt“. Dabei bewege ich (sitzend auf dem Stuhl) ein Bein so als würde ich ins Pedal treten. Die Praxis hat gezeigt, dass eindeutige, länger wiederholt durchgeführte Bewegungsabläufe oft noch von kognitiv stark eingeschränkten Menschen nachgeahmt werden können.
Meine persönlichen Ansprüche an meine Zielgruppe schraube ich ziemlich zurück. Wichtig ist mir nicht, dass die Übungen genau so durchgeführt werden, wie ich diese anbiete. Die Hauptsache ist, dass meine Senioren Freude an der Bewegung haben.
Sollte ein Mensch mit Demenz die Radfahrübung mit den Händen nachahmen, werde ich dies nicht korrigieren, sondern freudig bestätigen, dass es bei ihm besonders flott vorwärts geht.

Wie werden die von Ihnen entwickelten Bewegungsmedien in der Arbeit mit Senioren eingesetzt?

Aktuell haben wir 5 Bewegungs-CDs themenorientiert entwickelt.
• CD 1 – Bunte Mischung
• CD 2 – Die Seereise
• CD 3 – Ein Tag in der Natur (Sturzprophylaxe)
• CD 4 – Reisefieber
• CD 5 – Bewegt durchs Jahr

Diese CDs werden mittlerweile in Deutschland, Österreich, Schweiz und deutsch-sprachigen Italien in der Gruppen- und Einzelbetreuung gleichermaßen verwendet. In der Zeit als Leiter der Sozialen Betreuung nutzte ich die CDs fast täglich im Wohnbereich oder als wohnbereichsübergreifendes Angebot für die Durchführung von Gymnastik- und sturzprophylaktischen Einheiten. Meine Kollegin beginnt das Gedächtnistraining grundsätzlich mit einem Gymnastiklied aus unserer Serie. Ich kenne Einrichtungen die unsere Musik ritualisiert vor den Essens- oder Schlafens-zeiten einsetzen. Andere wieder verwenden die CDs für Singstunden. Die Texte sind in großer Schrift als PDF-Datei auf der CD hinterlegt und können beliebig oft ausgedruckt werden. Mit der integrierten Instrumentalfassung auf der CD können die Singstunden sogar musikalisch von Laien begleitet werden.
Auf unserer Homepage www.gluecksart.de finden Sie ein Filmbeispiel aus der Praxis wo eine Sozialbetreuerin eine Dame im mobilen Einsatz besucht.



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Welche Unterschiede gibt es zwischen den Medien für körperliche und den Medien für kognitive Einschränkungen?

Prinzipiell kann unsere komplette Bewegungsmusik für körperlich und kognitiv eingeschränkte Menschen beiderseits verwendet werden.
Auch gibt es mittlerweile Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung, die mit unserer Musik ihre Bewegungseinheiten durchführen.
Bei fitten Senioren bieten wir unsere Bewegungsangebote, kombiniert mit Musik im Stehen als Sturzprophylaxe-Training an. Dabei ist natürlich wichtig, dass auf Hilfe-stellung geachtet wird.
„Ein geht nicht“ gibt es nicht. Das durfte ich in meiner 15-jährigen Zusammenarbeit mit dem Sportlehrer für Senioren lernen.
Letztendlich liegt es immer an mir als Kursleiter meine Bewohner oder Klienten zu beobachten und die Übungsangebote auf die Bedürfnisse abzustimmen.

Von wem kann Ihre Bewegungsmusik eingesetzt werden?

Unsere Glücks Bewegungsmusik findet Anwendung in Alten- und Pflegeheimen, in der mobilen Kranken- und Altenpflege, in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung, in Krankenhäusern und Rehakliniken oder bei zu Hause pflegenden Angehörigen.
Zahlreiche Menschen können das Medium für ihre Arbeit oder Einsatzgebiete nutzen: Pflegekräfte, Geronto-Fachkräfte, Soziale Betreuung, Betreuungskräfte nach
§ 87 b, Ambulante Pflegedienste, Angehörige, der zu betreuenden Menschen, Senioren/Selbsthilfegruppen, Ehrenamt, Sozialdienste…

Können Sie uns vielleicht einen kleinen Auszug aus einem „Beispiellied“ geben?

Das Beispiellied „Radfahrt“ aus der CD 3 Ein Tag in der Natur kann im Sitzen und
Stehen durchgeführt werden. Im Stehen eignet sich das Lied hervorragend für den sturzpräventiven Einsatz.

glücks bewegungsmusik 2

Können Sie vielleicht eine kleine Geschichte oder Anekdote erzählen, die verdeutlicht, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Da erinnere ich mich gerne an ein Erlebnis mit einem Herrn in unserer Einrichtung.
Herr M. kam mit 98 Jahren liegend zu uns in die Einrichtung. Das Angebot Gym-nastik mit Musik auf dem Wohnbereich (2 mal wöchentlich) und erweiternd am Krafttraining (2 x wöchentlich) nahm der Herr M. dankend an. Herr M. lies keine Trainingsstunde aus. Nach ca. einem halben Jahr konnte Herr M. selbständig mit dem Rollator um´s Haus in den Park gehen. Er starb mit 102 Jahren.
Das bestätigt im übrigen die wissenschaftlichen Studien die festgestellt haben, dass der Muskel bis über die 10 Lebens-Dekade aufbaufähig ist.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Yehudi Menuhin, der berühmte Englische Geiger, hat einmal gesagt:

Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude

Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Musik noch viele Menschen bewegen werde, ihnen damit Freude bereiten kann, die tröstet und heilsam auf die Seele wirkt.

Herzlichen Dank, Herr Glück!!!

 

Zur Internetseite: www.gluecksmedien.de

 
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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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