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Ein Assistent auf vier Pfoten…


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Der Verein „VITA e.V. Assistenzhunde“

 

 

tatjanakreidler

(Foto Simon Stobbe)

 

 

Guten Tag Frau Kreidler! Sie haben im März 2000 den Verein „VITA e.V. Assistenzhunde“ ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?
Seit nunmehr fast 15 Jahren bildet VITA e.V. Assistenzhunde (VITA) vierbeinige Assistenten aus, die Kindern und Erwachsenen mit körperlicher Behinderung helfen, ihren Alltag zu meistern und unabhängiger zu werden. Neben der individuellen Hilfe, der Stärkung des Selbstbewusstseins und dem Zuwachs an Lebensqualität, tragen unsere VITA-Hunde zum Abbau von Vorurteilen bei und fördern die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderung.
Nach dem Studium und meiner Diplomarbeit mit dem Thema „Hunde als Helfer und Heiler des Menschen” ging ich für mehrere Monate nach England. Dort absolvierte ich bei den großen Charity Organisationen ‚Dogs for the Disabled’ und ‚Guide Dogs for the Blind’ eine umfassende Ausbildung zur Assistenzhundetrainerin. Ich war von dem System, den Möglichkeiten und den Ausbildungsmethoden absolut überzeugt. Noch in dieser Zeit beschloss ich, in Deutschland einen ähnlichen Verein zu gründen, der Menschen mit Behinderung einen Assistenzhund zur Seite stellt, und ihnen so zu mehr Unabhängigkeit und sozialer Integration verhilft.

 

 

 

Welche Idee steht hinter „VITA“?
Nur wenn es dem Hund gut geht, so lautet die VITA-Philosophie, kann er sein Potential zum Wohle des Menschen entfalten.
Assistenzhunde sind praktische Helfer im Alltag. Sie heben heruntergefallene Gegenstände auf, apportieren klingelnde Telefone, assistieren beim Ausziehen der Kleidung oder holen im Notfall Hilfe. Sie sind aber auch und vor allem „Medizin auf vier Pfoten“, spenden Trost, geben Selbstbewusstsein, fördern die Bereitschaft und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, bauen Brücken zur Gesellschaft. Besonders für Kinder sind sie eine emotionale Stütze und bewirken oft „kleine Wunder“, denn sie stoßen in fast allen Fällen beeindruckende psychische, physische, soziale und kognitive Entwicklungen an. Die Hunde verändern nicht nur das Leben „ihres Menschen“ zum Positiven – auch die Familien und das soziale Umfeld profitieren in hohem Maße.
Das Ausbildungszentrum in Hümmerich wird für viele unserer Teams zu einem „zweiten Zuhause“. Ein Ort zum Wohlfühlen und Auftanken. Hier wird gelacht, gemeinsam gegessen, trainiert, respektvoll mit- und voneinander gelernt. Man tauscht sich aus, führt intensive Gespräche, die meist in die Tiefe gehen. Verhaltensmuster und Familienstrukturen werden analysiert, neue Wege und Perspektiven tun sich auf.
VITA lässt seine Teams nie alleine. Sie werden umfassend betreut und begleitet – ein Hundeleben lang; und wer möchte auch darüber hinaus.
Auf gesellschaftlicher Ebene haben wir es uns unter anderem zur Aufgabe gemacht, Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung zu fördern. Der Hund ist dabei der Mittler, er holt „seinen Menschen“ aus der Isolation, stärkt sein Selbstbewusstsein, baut Brücken zur Außenwelt, liefert Gesprächsthemen. Die Behinderung rückt in den Hintergrund und der Hund tritt in den Vordergrund.
Fachlich pflegt unser Verein einen intensiven Austausch auf internationaler Ebene, im Dachverband Assistance Dog International (ADI) und seinem europäischen Ableger ADEu. Damit verknüpft ist ein hoher Qualitätsanspruch und eine sorgfältige Auswahl, Aufzucht und Ausbildung der Hunde. Die zukünftigen Besitzer werden über Monate hinweg begleitet, angeleitet und geschult.

 

 

 

Sie bilden auch Hunde für demenziell erkrankte Menschen aus. Was kann der ‚Alzheimerhund‘ für demenziell erkrankte Menschen tun?
Wenn sich demenziell erkrankte Menschen in ihre eigene Welt zurückziehen, zu der Angehörige und Pflegekräfte kaum noch Zugang finden, können Tiere Mittler sein. Hunde äußern ihre Zuneigung ganz direkt – durch Schwanzwedeln, Anstupsen oder Anschmiegen. Sie reagieren auf Berührungen, Gesten, Augenkontakt und andere nonverbale Signale und erfassen Stimmungen und Gefühle intuitiv. Mensch und Tier verständigen sich auf einer tiefen emotionalen Ebene, die von der Krankheit nicht betroffen ist.
Ein Hund urteilt und reflektiert nicht. Daher löst der vierbeinige Therapeut bei demenziell Erkrankten oftmals den Wunsch nach Fürsorge und Pflege aus. Ein Bedürfnis, das tief im Gedächtnis verankert ist. Die Erfahrung, gebraucht zu werden, wichtig zu sein und eine sinnvolle Aufgabe zu haben, stärkt das Selbstwertgefühl der Betroffenen und ermuntert sie zur Aktivität. Durch ihr offenkundiges und unbefangenes Einfordern von Bedürfnissen sorgen Tiere im Alltag für Struktur und Orientierung.
Ein ausgebildeter Alzheimerhund weckt bei demenziell erkrankten Menschen Erinnerungen und knüpft ein Band zur Wirklichkeit. Damit kann er zum Anker werden, in einer Welt, die immer fremder wird. Und er übernimmt konkrete Aufgaben: er bringt Gegenstände, hebt herunter gefallene Dinge auf oder holt Hilfe, wenn einer der Senioren Probleme hat. Auch dem Pflegepersonal und den Angehörigen öffnet er Türen. Gemeinsames Beobachten, Streicheln, Gespräche mit oder über das Tier verbinden und sorgen für eine heitere, entspannte Atmosphäre. Für Pflegende können Tiere ein Schlüssel sein, zur Welt demenziell erkrankter Menschen.

 

 

 

Können Sie kurz beschreiben, wie Mensch und Assistenzhund zusammen als Team funktionieren und wie der Weg dorthin verläuft?
Ein VITA-Assistenzhund ist praktischer Helfer, treuer Partner, Eisbrecher und Mittler – er ist „Medizin auf vier Pfoten“ und wirkt auf verschiedenen Ebenen: psychisch, physisch, sozial und kognitiv.
So hilft er nicht nur bei alltäglichen Aufgaben, indem er zum Beispiel Gegenstände apportiert, beim An-und Ausziehen assistiert oder im Ernstfall Hilfe holt – er öffnet auch Türen – im realen und vor allem übertragenen Sinn. Er fördert die Integration in die Gesellschaft, indem er den Kontakt zu anderen Menschen schafft, Interesse weckt, Hemmschwellen mindert und Gesprächsstoff liefert. Mit und durch ihn steigen so Selbstvertrauen, Unabhängigkeit, Aufgeschlossenheit, Empathie und Lebensmut.
Die Ausbildung der VITA-Assistenzhunde beinhaltet unterschiedliche Phasen und erstreckt sich über 2 bis 3 Jahre. Der Weg zum Assistenzhund beginnt schon früh im Hundeleben. Nur gesunde, sehr menschenbezogene Welpen aus ausgewählten Zuchtlinien kommen für die Ausbildung nach der von mir entwickelten „Kreidler-Methode“ in Frage.
Anmerkung: Die erste Vorsitzende von VITA e.V. Assistenzhunde, Dipl. Soz. Pädagogin Tatjana Kreidler hat eine spezielle Methode entwickelt, um Mensch und Hund füreinander zu sensibilisieren und zu wirklichen Partnern zu machen. Eine vertrauensvolle Bindung ist dabei die Basis der Ausbildung. Die Kreidler-Methode basiert auf Empathie und Motivation, einem situativen und ganzheitlichem Ansatz der u.a. durch Ruhe und Geduld, positive Verstärkung, lernen nach Vorbild und durch freundliche Autorität die vertrauensvolle Bindung von Mensch und Hund fördert. Nur so wird erreicht, dass ein Hund „seinen Menschen“ freudig, ausdauernd und zuverlässig unterstützt. Geduld, Respekt und Zuneigung für Tier und Mensch -das ist die Voraussetzung für die Arbeit. (Quelle: „Der Hund an meiner Seite –Wie VITA-Assistenzhunde helfen und Lebensfreude schenken“, Kreidler u. Eichin, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, 2012)
Im ersten Lebensjahr werden die Hunde in Patenfamilien an alltägliche Situationen herangeführt, sie lernen den Straßenverkehr kennen, gehen mit ihren Paten auf den Markt, werden mit Geräuschen auf Bahnsteigen, im Restaurant oder Kaufhäusern konfrontiert und wachsen während dieser „Sozialisierungsphase“ zu unerschrockenen, freundlichen und aufgeschlossenen Junghunden heran. Spielerisch und mit viel Geduld erlernen sie die Grundregeln in Sachen „Hunde-Benimm“ und beherrschen bald die wichtigsten Basis Kommandos, wie „Sitz”, “Platz”, “Bleib”, “Hier“ und “Fuß”. Nach ca. 14 bis 16 Monaten wechseln die angehenden Assistenzhunde ins Trainingszentrum Hümmerich. Dort werden sie mit ausschließlich positiven Methoden Schritt für Schritt auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet. Auf dem Lehrplan steht beispielsweise Apportieren, Drücken, Ziehen, Türen öffnen, am Rolli laufen, sich in Menschenmengen und im Kontakt mit fremden Hunden oder bei anderen Ablenkungen ruhig verhalten.
Ist das “Fundament” gelegt, wird anhand der Bewerberprofile überlegt, welcher Hund zu welchem Menschen passt und umgekehrt. Entscheidend ist, dass die Chemie zwischen beiden stimmt. Nur dann können Hund und Mensch zu einem harmonischen Team zusammen wachsen. Ist dieses sogenannte “Matching” erfolgreich, erwirbt der Hund noch ganz spezielle Fertigkeiten, die auf die individuellen Bedürfnisse seines neuen Partners abgestimmt sind.
In der letzten, intensiven Phase – der „Zusammenführung“ – lernen die beiden zukünftigen Partner ihre gemeinsamen Aufgaben mit wachsender Eigenverantwortung als Team zu meistern und die neuen Möglichkeiten für sich zu erkunden. Das Training ist sehr individuell und sorgfältig abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Menschen. Dabei bekommt jeder die Zeit, die er braucht. Die Zusammenführung von Mensch und Hund ist die intensivste Zeit des Trainings und dauert mindestens sechs Wochen. Die künftigen Assistenzhundbesitzer leben in dieser Zeit im Ausbildungsszentrum und sind dort Teil einer familiären Gemeinschaft. Mit viel Ruhe und Geduld, durchdachten Trainings-und Theorieeinheiten, gestützt durch Begegnungen und Gespräche und das Miteinander in der Gemeinschaft, werden Mensch und Hund zum Team. Vor allem bei Kindern geht die Betreuung weit über die Team-Bildung hinaus, und erfordert viel psychologisch-pädagogisches Wissen und Verständnis für die Kinderseele. (Quelle: „Der Hund an meiner Seite –Wie VITA-Assistenzhunde helfen und Lebensfreude schenken“, Kreidler u. Eichin, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, 2012)
Offiziell beendet ist die Ausbildung erst, wenn Mensch und Hund gemeinsam den sogenannten Teamqualifikationstest (TQ-Test), bestanden haben. Er dokumentiert die erfolgreiche Zusammenführung. Der Test basiert auf den Richtlinien der Europäischen Vereinigung für Assistenzhunde (ADEu), geht aber noch weit darüber hinaus.
Der wichtigste und zugleich schwierigste Teil der Ausbildung ist es, eine Basis zu schaffen für ein harmonisches Miteinander. Die Teams müssen alltagstauglich sein. Wenn die Basis stimmt, ist es für mich immer wieder von Neuem faszinierend, wie Mensch und Hund zu einem Team zusammenwachsen. Zu beobachten, wie das gegenseitige Vertrauen stärker und die Bindung immer enger wird, und all die positiven Veränderungen, die Entwicklungen mitzuerleben, die oft über meine Vorstellungen und Erwartungen weit hinausgehen.“

 

 

 

Was können wir tun, damit mehr Menschen die Chance auf die Begleitung durch einen Assistenzhund haben?
Wir stoßen mit unseren finanziellen Mitteln immer wieder an Grenzen. Die Ausbildung eines VITA-Assistenzhundes kostet durchschnittlich 25.000 Euro, diese Summe kann kaum einer unserer Bewerber alleine tragen. Die Erfüllung des großen Wunsches nach dem dringend benötigten Partner auf vier Pfoten sollte aber unabhängig von der finanziellen Situation jedes Einzelnen sein.
Unser Verein erhält keine öffentlichen Fördermittel und Assistenzhunde werden im Gegensatz zu Blindenführhunden von den Krankenkassen nicht anerkannt. Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden, Fördermitglieder und Sponsoren.
Dank dieser Unterstützung war es uns bis heute möglich 38 Menschen einen vierbeinigen Freund und Partner an ihrer Seite zu stellen. Und natürlich sollen noch viele weitere Teams folgen. Daher sind wir kontinuierlich auf Unterstützung angewiesen.

 

Spendenkonto:
Deutsche Bank BLZ 500 700 24
Kontonummer: 3 010 915
aus dem Ausland:
IBAN DE63 5007 0024 0301 0915 00 / BIC DEUTDEDBFRA

 

 

 

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Unser größter Wunsch ist ein neues, größeres und behindertengerechtes VITA-Ausbildungszentrum im Rhein-Main-Gebiet. Das aktuelle VITA-Zuhause in Hümmerich (Westerwald) platzt aus allen Nähten. In Hochzeiten wie den Sommer-oder Herbstferien findet sich nur schwer ein freies Plätzchen – das trifft für die Zwei-und Vierbeiner zu. Um die hohe Qualität unserer Arbeit aufrecht zu erhalten und auch viele weitere Mensch-Hund-Teams zusammenzuführen, brauchen wir hier Veränderung.
Mit der räumlichen Vergrößerung möchten wir die Voraussetzung schaffen, die Hundeausbildung auf ein größeres Team an Trainern zu verteilen, die Anzahl der Teams in den nächsten Jahren kontinuierlich zu steigern und die Arbeit mit den vierbeinigen Co-Therapeuten weiterzuentwickeln. So sind beispielsweise die Ausbildung von Therapiehunden für Kinder mit geistiger Entwicklungsverzögerung, für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und für Seniorenheime (Demenzkranke und Besuchsdienste) sowie die Ausbildung von Diabetikerwarnhunden geplant.
Um diesen Traum verwirklichen zu können, benötigt der Verein Unterstützung von allen Seiten: Bei der Suche nach einem passenden Objekt oder Grundstück, bei der Finanzierung und beim Bau bzw. Umbau der neuen Räumlichkeiten.

 

 

 

Herzlichen Dank, Frau Kreidler!!!

 

 



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Zur Internetseite: www.vita-assistenzhunde.de

 

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*

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