Pflege mit dem Strukturmodell für Dummies

Ein Interview mit Margarete Stöcker

Liebe Frau Stöcker, wir freuen uns sehr, Sie als Interviewpartnerin bei Mal-alt-werden.de begrüßen zu dürfen! Stellen Sie sich unseren Lesern doch bitte einmal kurz vor.

Ich bezeichne mich selbst gerne als „Fortbildungsjunkie“ und als Praktikerin. Fortbildungsjunkie deshalb, weil ich nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester kontinuierlich weiter gelernt und studiert habe, meine Vita finden Sie auf meiner Homepage. Und Praktikerin deshalb, weil es mir ein großes Anliegen ist, als Referentin und als Autorin, die Theorie und die Praxis zu verknüpfen.

Im Sommer letzten Jahres ist Ihr neues Praxisbuch „Pflege mit dem Strukturmodell für Dummies“* erschienen. Was hat Sie bewegt, dieses Buch zu schreiben und was erwartet die Leser? Wie ist es aufgebaut?

Als vor Jahren das Strukturmodell eingeführt wurde, war mein erster Gedanken „muss das jetzt auch noch sein“! Wir haben in den Einrichtungen genug zu schaffen und dann noch eine Umstellung der Dokumentation! Als ich mich damit beschäftigt habe, war mir schnell klar, dass dieses Modell für alle Beschäftigten, aber vor allem auch für die Bewohner eine Möglichkeit ist, sich auf Augenhöhe zu treffen. Der Bewohner wird gefragt und seine Antworten und Wünsche werden dokumentiert und in Maßnahmen übersetzt.
Daher habe ich mich gefreut, als der Verlag mich fragte, ob ich ein Buch zum Thema Strukturmodell schreibe. Damit kann der Grundgedanke, gemeinsam mit Bewohnern und alle Tätigen in der Einrichtung an einem Strang zu ziehen und professionelle Pflege und Betreuung darzustellen, ermöglicht werden.
Das Buch stellt das Strukturmodell mit weiteren Qualitätskriterien, wie die Expertenstandards, Begutachtungsinstrument und Qualitätsprüfungen praxisbezogen vor.

Was sind die Möglichkeiten, die uns das Strukturmodell in der Maßnahmenplanung und Dokumentation bietet? Worin bestehen die Vorteile gegenüber den vorausgegangenen Dokumentationsverfahren?

Ich möchte die Verfahren gar nicht miteinander vergleichen. Denn es ist nicht immer das Verfahren, welches die Unterschiede macht, sondern der Umgang damit. Ein Instrument ist so gut wie der Mensch, der es spielt. Das gilt auch für das Strukturmodell. Jedoch haben wir jetzt die Möglichkeit den Blickwinkel nochmals zu überprüfen und zu korrigieren. Der Bewohner äußert sich (oder stellvertretend Angehörige/Betreuer) zu seinen Wünschen und Vorstellungen, durch die pflegefachliche Einschätzung werden die Möglichkeiten vorgestellt und das Ergebnis ist eine Verständigung. Daraus resultiert der Maßnahmenplan. Wenn sich alle Akteure in den Einrichtungen daran orientieren, bekommt der Bewohner die Abläufe, die für ihn wichtig und besprochen sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, dass Tätige in den Einrichtungen fachliche Entscheidungen treffen müssen und Verantwortung übernehmen müssen.

Können Sie unseren Lesern zwei oder drei Tipps mit auf den Weg geben, die ihnen den Umgang mit dem Strukturmodell im Praxisalltag erleichtern?
Viele haben eventuell Sorge, etwas „falsch“ zu machen. Können Sie den Betroffenen diese Sorge nehmen?

Falsch geht nicht, solange Sie den Bewohner im Blick haben. Sie finden dazu im Buch auch Beispiele. Bleiben Sie beim Dokumentieren immer am Bewohner. Achten Sie auf Formulierungshilfen und benutzen Sie diese nur als Anregung, bitte nicht einfach übernehmen. Denn es sind theoretische Beschreibungen. Der eigene Bewohner ist echt.

Die Pflege und Betreuung in Corona-Zeiten stellen uns gerade alle vor große Herausforderungen. Vieles hat sich im Alltag verändert.
Was sollten wir bei der Dokumentation, vielleicht auch bei der Maßnahmenplanung, in diesen Tagen (Wochen und Monaten) unbedingt beachten?

Sie muss trotzdem geführt und gelebt werden.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft? Was haben Sie für Pläne?

Endlich ein Lernen mit Corona zu leben. Ich wünsche mir, dass wir im Pflege- und Betreuungsbereich (und alle anderen Berufsgruppen) an einem Strang ziehen, der gemeinsame Nenner ist der Bewohner.

Herzlichen Dank, Frau Stöcker!!!

Zur Internetseite: fortbildungvorort.de

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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