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Generationsbrücke Deutschland

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Im Gespräch mit Anne Hochgürtel

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Hallo Frau Hochgürtel, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Als Musiktherapeutin habe ich früher vormittags im Sozialdienst einer Altenpflegeeinrichtung gearbeitet und nachmittags Musikkurse in Grundschulen angeboten. Vor 5 Jahren lernte ich in einem Pflegeheim die Generationsbrücke Deutschland kennen und erhielt die Chance, dort mit Jung und Alt gemeinsam zu singen, zu spielen, zu basteln und zu erzählen. Begeistert konnte ich beobachten, wie viel Freude die Begegnungen sowohl den jungen als auch den pflegebedürftigen alten TeilnehmerInnen bereiten. Aber nicht nur denen: auch meine Kolleginnen und ich waren erfüllt und begeistert von diesen besonderen Zusammenkünften. Seit nunmehr 3 Jahren arbeite ich als Projektkoordinatorin bei der Generationsbrücke Deutschland.

Mit großem Interesse sind wir auf Ihr Projekt „Generationsbrücke Deutschland“ aufmerksam geworden und finden die Idee großartig! Würden Sie unseren Lesern Ihr Projekt auch einmal vorstellen?

Die Generationsbrücke Deutschland führt Jung und Alt zusammen, indem sie regelmäßige Begegnungen zwischen BewohnerInnen von Altenpflegeeinrichtungen und Kita-Kindern bzw. SchülerInnen ermöglicht. Somit leistet sie einen Beitrag zum bewussteren Zusammenleben der Generationen. Die Kinder profitieren von der Lebenserfahrung der älteren Generation. Sie erhalten die Möglichkeit, auf spielerische Art und Weise ihre ggf. vorhandenen Berührungsängste abzubauen und ihre Sozialkompetenzen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus können sie Pflegebedürftigkeit, Demenz und Tod als Bestandteile des Lebens kennen lernen.
Durch die ansteckende Lebendigkeit der jungen BesucherInnen erleben die alten Menschen eine besondere Abwechslung im Heimalltag. Die Begegnungen ermöglichen ihnen eine stärkere Integration in die Gesellschaft. Somit werden das Wohlbefinden eines jeden einzelnen und eine bewusstere Beziehung der Generationen untereinander gefördert.
Dafür geben wir in Fortbildungen unser über Jahre gesammeltes Erfahrungswissen und ein umfangreiches Handbuch weiter, damit nicht „jeder das Rad wieder neu erfinden“ muss.

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Was hat Sie persönlich dazu bewegt bei diesem Projekt mitzuwirken?

Wie oben bereits beschrieben, hat es mich selbst erfüllt zu sehen, wie viel Freude sowohl die Kinder als auch die alten Menschen bei den Begegnungen haben. Diese Lebendigkeit, das Aufleben und Aufhorchen, Rücksichtnahme und Anerkennung. Das hat mich beeindruckt. Dass es gelingt, nicht eine Generation für die andere „zu instrumentalisieren“, sondern im MITeinander zu sein.
Heute bin ich dankbar, dass ich als Projektkoordinatorin für die Generationsbrücke Deutschland arbeiten kann. Dies ermöglicht mir immer wieder beglückende Momente in den Begegnungen. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, unser Erfahrungswissen weiter zu geben und so anderen zu helfen, ebensolche Glücksmomente zu ermöglichen.

Wie können wir uns das Zusammentreffen zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen und den älteren Menschen vorstellen? Wie werden die Besuche von Ihnen begleitet und vorbereitet?

An dieser Stelle ist es wichtig, zwischen der Generationsbrücke-Deutschland als Organisation / Sozialunternehmen und unseren Kooperationspartnern (Altenpflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen), welche Generationsbrücke-Begegnungen in ihren Einrichtungen umsetzen, zu unterscheiden.
Die Tandems vor Ort (bestehend aus einer Altenpflegeeinrichtung und einer Kita oder Schule) organisieren regelmäßig (alle 2-4 Wochen) und langfristig (meist über ein Kita-/Schuljahr) Begegnungen. Diese finden in der Regel in den Pflegeeinrichtungen statt. Es trifft sich eine feste Gruppe aus 6-12 BewohnerInnen und ebenso vielen Kindern. Das Prinzip lautet: „feste Partnerschaft in fester Gruppe“. Dies ermöglicht – über bloße Begegnungen hinaus – das Entstehen von Beziehungen zwischen Jung und Alt. Die Begegnungen sind strukturiert und ritualisiert und setzen auf ein aktives MITeinander (anstelle von „nur“ Füreinander). So spielen oder tanzen die Kinder nicht für, sondern mit den alten Menschen. Ein weiterer wichtiger Konzeptbaustein ist die altersgerechte Vorbereitung der Kinder vor dem ersten Besuch im Pflegeheim: welches Altersbild haben die Kinder? Was können wir gemeinsam erleben? Hier werden schon Rituale der Begegnungen eingeübt (z. B. ein Begrüßungslied), damit die Kinder auf dieser sicheren Basis des Vertrauten offen sein können für all das Neue, was ihnen begegnet.



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An wen können sich interessierte Pflegeheime, Kindergärten oder Schulen wenden? Muss man besondere Qualifikationen mitbringen um Teil der „Generationsbrücke Deutschland“ zu werden?

Kooperationspartner der Generationsbrücke Deutschland kann jede Einrichtung werden, deren MitarbeiterInnen an der 1,5-tägigen Fortbildung teilgenommen haben. Sie richtet sich an haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen aus Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Meist sind es die Mitarbeitenden in der Sozialen Betreuung, also aus den Bereichen der Ergo- und Musiktherapie, der Sozialen Arbeit und zusätzliche Betreuungskräfte. Die Fortbildung befähigt die Teilnehmenden, Generationsbrücke-Begegnungen organisatorisch und inhaltlich selbstständig umzusetzen. Ein umfassendes Handbuch mit vielen Arbeitshilfen, Kopiervorlagen und praktischen Tipps hilft dabei. Zudem organisieren wir jährlich Fachtagungen, mit Workshops, neuen Aktivitätenideen und als Möglichkeit zum Austausch der Umsetzenden untereinander. Unser erfahrenes Projektkoordinationsteam steht den Kooperationspartnern telefonisch und per Mail beratend zur Verfügung. Trotz guter Schulung und vieler ausgehändigter Materialien suchen die MitarbeiterInnen ab und an noch unsere Unterstützung und bekommen diese auch; z. B. wenn zum ersten Mal jemand in einer Gruppe verstorben ist.

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Können Sie uns vielleicht eine kleine Anekdote oder Geschichte erzählen, die zeigt, was Sie mit der „Generationsbrücke“ erreichen können?

Ach, ganz viele. Staunend sehen Angehörige, wie die alten Arme ihrer Mutter beim Luftballonspiel mit den Kindern in die Höhe gehen können… Das stolze Aufrichten und Lächeln beim Begrüßungslied… Da ist ein Junge, welcher in der Schule durch Unruhe und sogenannte „Verweigerung“ auffällt, der seiner alten – fast blinden –Partnerin in aller Ruhe ein Bilderbuch „vorliest“… Da sind BewohnerInnen, die montags schon fragen, wann die Kinder endlich kommen und freitags noch davon erzählen, wie schön es war. Post- und Weihnachtskarten, Besuche bei der Kommunion oder am Grab. Eine ganz rührende Anekdote ist die von der Bewohnerin, die sich verbal nur noch sehr eingeschränkt ausdrücken konnte. Meist sagte sie „piep, piep, piep“. Als es darum ging, dass die Kindergartenkinder ihre Lieblingsbücher mitbringen, hat ihr Partnerkind ein Buch vom Bauernhof mitgebracht und gefragt „Wie macht das Küken?“.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass viele junge und alte Menschen ein erfüllendes MITeinander erleben können und somit die Verbindung zwischen den Generationen gefördert wird. Dass Kinder wissen, was Pflegebedürftigkeit und Demenz Bestandteile des Lebens sein können und alte Menschen in den Heimen weiterhin Anschluss an die Gesellschaft außerhalb ihrer vier Wände haben. Ich wünsche mir, dass oftmals alte und junge Augen einander anblicken und strahlen, oder sich zufrieden an der Hand halten…

Herzlichen Dank, Frau Hochgürtel!!!

Zur Internetseite: generationsbruecke-deutschland.de



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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