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Ihre Fragen: Die bedürfnisorientierte Milieugestaltung im Wandel. Volksmusik, Heintje oder doch ACDC?

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Im Bereich der Altenpflege – sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege – können wir in der letzten Zeit einen Generationenwechsel unter den Senioren beobachten, die wir begleiten. Und dabei geht es auch, aber nicht einzig und allein, um die große Altersspanne, die zwischen den älteren Menschen liegt.
In den vergangenen Wochen haben uns einige Fragen erreicht, die sich um die Milieugestaltung, die Beschäftigungsangebote und die Biografiearbeit mit „jüngeren“ Senioren drehen. Und die Frage, wie man diese beiden doch sehr unterschiedlichen Generationen im Alltag bedürfnisorientiert begleitet, so dass sich jeder ernst genommen und aufgehoben fühlt. Wir haben heute eine der Fragen heraus gesucht, um mit Ihnen über Ihre Erfahrungen zu diskutieren:

Hallo,
ich arbeite als alltagsbegleiterin im seniorenheim.gestern hatte ich mit einer fachkraft ein gespräch über angemessene mileugestaltung im wohnbereich. z.b. statt vielen kalendern ein grosser, auch fotos im rahmen von landschaften …ich arbeite sonst in einem andren wohnbereich , deshalb habe ich mit der dortigem milleugestaltung nicht viel zu tun aber wir fragten uns ob wir nicht umdenken müssten bei diesem thema. in dem Demenzbereich wo ich derzeit arbeite ist eine bewohnerin mit alzheimer, erst anfang 60.sie hört z.b. gern ac dc! und ist früher immer mit ihrem sohn zu konzerten gegangen. da können wir ja nicht mit schlagern volksmusik kommen…meine frage ist, ist das eher eine ausnahme oder sind die biographien der zukünftigen heimbewohner wirklich so „modern“ …meine kollegin meinte, auch beim verwöhnfrühstück, welches wir einmal im monat anbieten müssten wir umdenken, nicht immer waffeln backen oder rührei, immer das selbe , sondern auch da abwechslung. die beschriebene alte dame hat früher gern kaffee getrunken heute mag sie nur säfte…im schnitt sind unsre bewohner eher um die 90 aber wie verändern sich die zukünftigen heimbewohner, wenn sie ins heim einziehen… können wir wirklich auf entsprechende biographien eingehen?

Die bedürfnisorientierte Milieugestaltung im Wandel. Volksmusik, Heintje oder doch ACDC?

Zu allererst: Ja, wir MÜSSEN auf die individuellen Biografien eingehen. Jeder ältere Mensch, ob in der stationären oder ambulanten Pflege, wünscht sich eine Begleitung, die sich so eng wie möglich an seinem persönlichen Lebensweg orientiert. Das, was in diesem Bereich momentan die meisten von uns Pflege- und Betreuungskräften herausfordert, ist der große Spagat zwischen den doch immer unterschiedlicher werdenden Bedürfnissen und Ansprüchen der Senioren in den Pflegeheimen.

Gerade haben wir ganz aktuell in der letzten Woche ein Interview mit Björn Preuss zur bedürfnisorientierten Lebens- und Wohnraumgestaltung in den Pflegeheimen veröffentlicht, in dem er auch genau dieses Thema anspricht. Das ganze Interview mit Björn Preuss können Sie sich hier ansehen.

Die neue Generation – Weniger Volksmusik, mehr Schlager, Beatles oder ACDC

Die „neuere“ Generation in den Pflegeheimen und ambulanten Einrichtungen ist NACH dem zweiten Weltkrieg geboren und in den sechzigern groß geworden. In den Jahren dazwischen hat sich nicht nur der Kleidungsstil weitreichend verändert. Auch die Einrichtung der eigenen vier Wände, der Lebensstil, das Selbstbewusstsein der Menschen, Essen und Trinken, und vor allem der Musikgeschmack haben eine Wende erlebt.
Die ältere Generation trällert heute noch gerne bekannte Volkslieder – das macht die Gestaltung von Beschäftigungsangeboten mit Musik noch recht einfach. Die „jüngeren“ Älteren bringen allerdings mittlerweile ihr Vorlieben zu Schlagern mit in die Einrichtungen. In ein paar Jahren ertönen dann die Beatles, Nena oder eben auch ACDC aus den Lautsprechern. Dann werden sich zusätzlich auch die Musikgeschmäcker von Pop, Rock, Schlager usw. nochmal voneinander entfernen. Alle, die diese Phänomene bereits jetzt schon erleben, werden die Erfahrungen gemacht haben, dass uns dies vor ganz neue Rahmenbedingungen bei der Gestaltung unserer Beschäftigungsangebote stellt.

Das Gemeinschafts(er)leben

Die besondere Herausforderung hier ist die Gestaltung des Gemeinschaftslebens, also die Einrichtung der Flure und Gemeinschaftsräume und die Durchführung der Gruppenangebote. Die Zimmer können natürlich so individuell eingerichtet werden, wie es dem jeweiligen Bewohner/Patient/Klient gefällt. Bei allem anderen müssen wir nach Lösungen und Wegen suchen, die möglichst viele Lebensstile und Geschmäcker vereinbaren. Bei der Wohnraumgestaltung könnte man beispielsweise verschiedene „Ecken“ in den Gemeinschaftsräumen oder den Fluren in jeweils einem besonderen Stil einrichten. So können sich die Senioren in der Umgebung niederlassen, in der sie sich wohlfühlen. Im Alltag kann man sich sicherlich auch manchmal auf die Aussage „Geschmäcker sind verschieden“ berufen – da wir aber hauptsächlich Menschen mit Demenz begleiten, wird das wahrscheinlich keine befriedigende Wirkung erzielen.



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Eine neue Art der Selbstbestimmung

Prinzipiell sind Geschmäcker und die Art und Weise zu Leben aber wirklich bei uns allen von Grund auf verschieden. Und diese Individualität wird aufgrund viel mehr Selbstbestimmung der neuen älteren Menschen zunehmen – was uns sicherlich vor neue Aufgaben stellt, aber auch neue Wege in der Begleitung von Senioren ermöglicht. Der Weg dorthin ist neu, deshalb scheuen Sie nicht davor, neue Dinge auszuprobieren. Auch PCs und Tablets werden schon mit ins Seniorenheim gebracht. Gehen Sie auf die Wünsche, Hobbies und Geschmäcker Ihrer Senioren ein und tauschen Sie sich, wenn möglich, viel mit Ihren Kollegen aus. Und wenn jemand gerne ACDC hört und im Rahmen der Biografiearbeit oder einer Kurzaktivierung von Konzertbesuchen mit seinem Sohn erzählt, dann ist das doch ein gutes Gefühl, dass man weiß, mit welcher Musik man demjenigen eine Freude machen kann und wie man die Angebote (jedenfalls in der Einzelbetreuung 😉 ) ansprechend und unterhaltsam gestalten kann.

Was sind Ihre Erfahrungen? Tauschen Sie sich aus!

Wir würden aber trotzdem gerne von Ihnen wissen, wie Sie es in Ihrer stationären/ambulanten Einrichtung, oder auch bei der Begleitung von Senioren zuhause, erleben, dass langsam eine neue bzw. andere Generation pflegebedürftig wird.

Wie aüßert sich das in der Alltagsgestaltung?
Was verändert sich im Umgang mit den Senioren?
Was verändert sich im Miteinander der Senioren?
Was müssen Sie in Ihren Beschäftigungsangeboten berücksichtigen?

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare! Und vielleicht finden Sie auch hier eine Möglichkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege und Betreuung auszutauschen…

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. bei uns auf dem Wohnbereich für Menschen mit Demenz haben wir auch eine noch relativ junge Bewohnerin, die viel lieber Schlager aber teilweise auch schon englische Lieder hört während die anderen Bewohner vor allem die alten Volkslieder auswendig mitträllern. In der Einzelbetreuung können wir da gut drauf eingehen, aber wenn wir eine klassische Singrunde entsprechend der Bedürfnisse der meisten Bewohner nur mit Volksliedern durchführen würden, würden wir diese eine Bewohnerin dadurch eher aus dem Gemeinschaftsleben ausschließen. Deshalb versuchen wir in den Gruppenangeboten verschiedene Geschmäcker zu kombinieren, es muss ja nicht allen alles gefallen. Ich schätze, von einem solchen Anspruch, so man ihn vielleicht hat, wird man sich in Zukunft eh immer mehr verabschieden müssen, weil sich wie angesprochen die Musikgeschmäcker immer mehr ausdifferenzieren. Ich bin z.B. in den 90er Jahren aufgewachsen, aber wenn mir jemand mit Dr.Vain oder so ankommt, würde er mir keinen Gefallen tun. Aber wenn für jeden mal was dabei ist, was ihm besonders gefällt oder bestimmte Erinnerungen mit verbindend, dann hat man doch erreicht, was man wollte.

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