Eiskaltes Kratzen. Jahreszeitliche Kurzbegegnungen im Winter

In unserer Reihe “Jahreszeitliche Kurzbegegnungen” haben wir für Ihre Begegnungen mit Senioren und Menschen mit Demenz im Winter eine biografische Erzählung und dazu passende Gesprächsimpulse rund um das winterliche Eiskratzen vorbereitet.
Beginnen Sie die Begegnung mit dem Vorlesen der kurzen Geschichte und nutzen Sie die biografischen Fragen gerne als Einstieg in anschließende biografische Gespräche.

So war das damals …

Christina stand in der Küche und schmierte die Schulbrote für die Kinder. Ein ungewohntes Geräusch ließ sie aufhorchen. Sie schaute nach draußen, konnte aber auf den ersten Blick im Dunkeln nichts erkennen. Da hörte sie es erneut. Christina stutzte. Sie überlegte, woher sie es kannte. Einen Augenblick später ging ein Schmunzeln über ihr Gesicht. Ja natürlich. Heute Nacht hatte es gefroren. Die Nachbarn kratzten ihre Autos frei. Noch einmal schaute sie nach draußen. Ihre Nachbarin winkte ihr zu. Sie sah die Eisschicht auf ihrem Auto. Ja, nun war tatsächlich der Winter da. Christina nahm den Schlüssel vom Schlüsselbrett, zog Jacke und Handschuhe an und machte sich auf den Weg nach draußen.

Gesprächsimpulse

Erinnern Sie sich an das Geräusch, das ein Eiskratzer macht, wenn man damit die Scheiben eines Autos freikratzt? Welches Gefühl löst diese Erinnerung bei Ihnen aus? Woran denken Sie? Welches Bild haben Sie vor Augen?

Welche Erinnerungen haben Sie an kaltes Winterwetter? Denken Sie an blauen Himmel, Sonnenschein und Kleidung, die wunderbar warmhält, oder an grauen Himmel und Kälte, die unangenehm auszuhalten ist?
Wie haben Sie die Wintertage als Kind verbracht? Welche Erinnerungen haben Sie an Winterwetter im Erwachsenenalter? Wie haben Sie Zeit im Freien verbracht?

Die Frau in der Geschichte hat zu dem Geräusch des Eiskratzers verschiedene Gedanken. Neben dem, dass sie selbst raus musste, um das eigene Auto frei zu kratzen, freute sie sich darüber, dass nun auch beim Wetter der Winter Einzug gehalten hat. Trotz der bevorstehenden Arbeit freut sie sich auf die schönen Seiten des Winterwetters. Hatten Sie jemanden in Ihrem Leben an Ihrer Seite, der die Dinge gut aus mehreren Perspektiven betrachten konnte? Jemanden, der sowohl das halb volle als auch das halb leere Glas betrachten und beide nebeneinander stehen lassen konnte?

Was hätten Sie in dieser Situation gedacht? Wie hätten Sie reagiert? Welche Seite hätte in Ihren Gefühlen überwiegt? Hätten Sie den Aufwand des Kratzens neben der Freude über das winterliche Wetter stehen lassen können? Oder hätte der Wintereinbruch Ihre Routine zu sehr aus dem Gleichgewicht gebracht? Vielleicht mögen Sie den Winter auch überhaupt nicht?

Wie sind Sie in Ihrem Leben mit unvorhersehbaren Ereignissen umgegangen? Haben Sie diese mitnehmen und leicht in Ihren Alltag einbauen können oder brauchten Sie Zeit, um sie annehmen und integrieren zu können?
Hat sich dieser Umgang im Laufe Ihres Lebens verändert? Wenn ja, wie und wie hat sich das in den verschiedenen Lebensphasen bemerkbar gemacht?

Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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