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Bügeltag. Eine Alltagsgeschichte

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Nach dem Waschen kommt das Bügeln. Eine Alltagsgeschichte für Senioren

Bügeltag

Nachdem der große Waschtag beendet war und die ganze Wäsche sauber und trocken im Wäschekorb lag, wurde natürlich gebügelt.
Es gab noch keine ergonomisch anpassbaren Bügelbretter und so wurde auf dem Küchentisch gebügelt. Zuerst legte man eine alte Wolldecke darauf und dann ein sauberes Laken darüber. Meine Oma hatte sogar noch zwei alte Bügeleisen, die auf dem Herd heißgemacht werden mussten, aber später dann natürlich ein elektrisches Bügeleisen. Das war ein Fortschritt! Allerdings zu unseren heutigen hoch funktionellen Dampfbügeleisen kein Vergleich.

Die Oberhemden und Tischdecken wurden erst gestärkt und dann gebügelt. Sollten Knöpfe fehlen oder kleine Löcher entdeckt werden, mussten diese vor dem Bügeln angenäht oder ausgebessert werden. Für fehlende Knöpfe, die auch nicht mehr auffindbar waren, hatte meine Oma eine Zigarrenkiste mit gesammelten Knöpfen zur Auswahl in der Küchentischschublade. In der Kiste fand sich immer ein passender Knopf.
Beim Bügeln der Hemden und Blusen fing man immer erst am Kragen und der Knopfleiste an und arbeitete sich dann bis zum Rückenteil vor. Die größten Flächen zuletzt, damit sie nicht so schnell wieder knitterten. Ich mache das immer noch so.

Die Hemden wurden zum Auskühlen erst über eine Stuhllehne gehängt und später genau auf Maß zusammengelegt, damit sie in den Schrank passten. Auch die gebügelten Tischdecken wurden nicht sofort zusammengelegt, damit nicht so starke Falten entstanden. Beim Zusammenlegen der Tischdecken half ich meiner Oma, damit die Kanten ganz exakt aufeinander saßen. Auch bei der Bettwäsche half ich. Die Laken und Oberbettbezüge wurden erst an allen vier Ecken gepackt und gezogen. Dann wurden sie mit Wasser eingesprenkelt, damit die Falten besser rausgebügelt werden konnten. Nach dem Bügeln wurde die Bettwäsche auch wieder genauestens zusammen gefaltet, damit sie in das Schrankfach passte. Um seidene Blusen, Hosen oder Pullover zu bügeln, legte meine Oma ein nasses Geschirrtuch über die Kleidung, bevor sie sie bügelte. So war sie sicher, dass die teuren Kleidungsstücke nicht verbrannten und trotzdem glatt wurden.



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Ganz zum Schluss des Bügeltages kamen die Geschirrtücher und Stofftaschentücher dran und die durfte ich dann bügeln. Erst wurde das Tuch gerade auf den Tisch gelegt und die Kanten gebügelt. Man musste das Tuch ganz schön straff halten, damit die Kanten auch glatt wurden. Vorsicht mit den Fingern! Wie schnell kam das Bügeleisen zu nahe und man hatte sich verbrannt. Ich musste immer gut aufpassen beim Bügeln, weil selbst in einem Taschentuch keine kleine Falte sein durfte.

Ich mochte den Bügeltag meiner Oma. Es duftete nach frischer, sauberer Wäsche und man konnte sich prima beim Bügeln unterhalten. Es machte Spaß, die Laken zu ziehen und mit den Knöpfen zu spielen. Vielleicht bügele ich deswegen heute noch gerne?



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Monika

© by Monika Kaiser

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