Wortfindungstraining mit Senioren: Ein Leitfaden für die Praxis

Oft lassen Merkfähigkeit und Gedächtnis in hohem Alter nach. Dies kann als Symptom einer demenziellen Erkrankung, aber auch im Rahmen normaler, altersbedingter Abbauprozesse im Gehirn der Fall sein. Gezieltes Gedächtnistraining kann helfen, die Hirndurchblutung und damit die Leistungsfähigkeit zu steigern und intakte Verbindungen zu erhalten. Da bei vielen Menschen das Langzeitgedächtnis deutlich länger erhalten bleibt als kurzfristig abgespeicherte Inhalte, können Übungen zur Wortfindung über eine breite Gruppe von Bewohnern/Patienten eingesetzt werden. In diesem Leitfaden finden Sie wichtige Hinweise dazu, was Sie bei der Durchführung eines Wortfindungstrainings beachten müssen und einige konkrete Übungsbeispiele samt Anleitung.

Was ist beim Wortfindungstraining zu beachten?

Das richtige Schwierigkeitslevel wählen

Bei der Auswahl der Übungen sollten Sie darauf achten, die Senioren weder zu über- noch zu unterfordern. Dies kann gerade bei einer größeren Gruppe schwierig werden. Bei einer sehr heterogenen Gruppe kann es daher manchmal sinnvoll sein, zwei unterschiedliche Gruppen für das Wortfindungstraining zu bilden.

Da Sprache zu einem sehr alten Teil unseres Gedächtnisses gehört, sind oftmals auch bei beeinträchtigten Patienten noch viele Ressourcen vorhanden. Wählen Sie daher auch einige schwierigere Übungen aus, aber achten Sie darauf, dass die Teilnehmer ausreichend Erfolgserlebnisse haben.

Spielerisches Vorgehen

Achten Sie darauf, dass bei Ihren Übungsgruppen eine positive Atmosphäre ohne Leistungsdruck herrscht. Gerade Patienten mit demenziellen Erkrankungen sind sich ihrer Defizite häufig sehr bewusst und haben Angst, etwas Falsches zu sagen. Bei Ihren Übungen sollten Sie die Antworten daher nicht auf ihre Korrektheit bewerten. Vermeiden Sie es auch, die einzelnen Übungen verbal einzuschätzen (etwa “Das war aber eine einfache Frage”).

Rituale und Wiederholungen

Unser Gehirn ordnet unsere Gedächtnisinhalte nach verschiedenen Themen. Sie erleichtern die Übungen für Ihre Patienten deshalb, wenn Sie sie nach verschiedenen Themen gliedern. Hier bieten sich ebenfalls “alte” Inhalte an, die schon vor langer Zeit abgespeichert wurden, wie etwa Jahreszeiten oder bestimmte Feste. Da wir durch Wiederholungen lernen, können Sie auch ruhig einige Fragen und Übungen häufiger verwenden.

Zeit

Bedenken Sie bei Ihrer Planung, wie lange das Training insgesamt dauern wird. Sich über längere Zeit zu konzentrieren ist für viele ältere Menschen sehr anstrengend. Sie sollten daher nicht länger als eine halbe Stunde mit Ihren Patienten üben. Falls Sie merken, dass die Aufmerksamkeit schon früher deutlich nachlässt, können Sie weitere Übungen weglassen oder verschieben.

Als Zeitpunkt für Ihr Training sollten Sie – wenn möglich – den Vormittag wählen. Die Übungen erfordern von den Patienten oft eine große Konzentration, was vielen Menschen am späteren Tag deutlich schwerer fällt.

Abwechslungsreiche Übungen

Damit im Gehirn neue Verbindungen entstehen können, ist ein abwechslungsreiches Training hilfreich. Verwenden Sie unterschiedliche Übungen oder binden Sie verschiedene Sinne mit ein. Bestenfalls kombinieren Sie Übungen zur Wortfindung mit anderen Elementen des Gedächtnistrainings.

 
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Beispielübungen

Zwillingswörter

Bei dieser Übung lassen Sie die Patienten zugehörige Zwillingswörter ergänzen, indem Sie nur das erste der zusammengehörigen Wörter vorgeben. Dies trainiert neben der Wortfindung die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit.

Einige Beispiele für Zwillingswörter:

  • hin und …(her)
  • rauf und …(runter)
  • Feuer und …(Flamme)
  • Saus und …(Braus)
  • fix und …(fertig)
  • mit Haut und …(Haaren)

 

Kreuzworträtsel

Vor allem bei Patienten, die schon früher gerne gerätselt haben, bietet es sich an, gemeinsam ein Kreuzworträtsel zu lösen. Dabei sollte der Umfang nicht allzu groß sein. Lesen Sie die Vorgaben im Rätsel laut vor und geben Sie eventuell vorgegebene Buchstaben an (etwa “Hauptstadt von Frankreich, zweiter Buchstabe ist ein A”).

Gegenteile suchen

Geben Sie verschiedene Begriffe vor und lassen Sie die Patienten das jeweilige Gegenteil dazu suchen (Beispiele: hell – dunkel, lang – kurz, lachen – weinen, gut – schlecht, nehmen – geben, links – rechts, arm – reich, usw).

Hinweis: Weitere spannende Übungen finden Sie unter 10 Übungen zur Wortfindung.

Quellen:
Prang, Ellen. Gedächtnistraining 50+ planen, durchführen und evaluieren: Ein kompakter didaktisch-methodischer Praxisleitfaden. Springer-Verlag, 2015.

Eschen, A (2011). Warum können sich Senioren schlecht an Namen erinnern und wie können sie dem entgegenwirken? SVGT-Bulletin, (2):11-15.

https://pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-standard-gedaechtnistraining.htm

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