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Warum man Senioren ein bisschen mehr wie Kinder behandeln sollte…

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…und Kinder ein bisschen mehr wie Senioren?

Sind Senioren wie Kinder?Die Überschrift ist provokant gewählt und kann so ohne Erklärungen sicher nicht stehen bleiben. Eins vorweg: Mit der Überschrift ist nicht gemeint, dass man Senioren „erziehen“ sollte und auch, dass man die Lebensleistung anerkennen muss, möchte ich nicht in Frage stellen. Es geht mir um etwas anderes.

Vor drei Wochen war ich zu Besuch in einem Altenheim und als ich über den Flur ging, hörte ich eine Frau in einem Zimmer mit vor Angst erfüllter Stimme „Hilfe! Hilfe“ Hilfe!“ rufen.

Das hat mich nicht weiter irritiert. Leider kenne ich solche Bewohner auch aus meiner eigenen Arbeit. Ich weiß auch: Kein Altenheim ist personell so gut ausgestattet, dass immer jemand bei dieser Frau bleiben kann. In gutem Glauben gehe ich davon aus, dass sich regelmäßig Mitarbeiter um diese Dame kümmern und ihr so viele Momente der Ruhe schenken, wie möglich.

Was mich irritiert hat war etwas anderes: Die Pflegekraft, die mich durch die Gänge führte, sagte zu mir: „Die hat nichts, die schreit nur so!“ Ich kenne andere Situationen, in denen Pflege- oder Betreuungskräfte sogar davon ausgehen, dass Bewohner schreien um sie zu ärgern.

Die schreit nur so?

Ich denke nicht. Ich glaube nicht, dass Menschen „nur so“ schreien. Ich glaube eher, dass diese Frau aus einer Not heraus geschrien hat. Vielleicht kann man den Grund der Not nicht immer erkennen. Vielleicht kann man nicht sehen, warum die Frau „Hilfe“ braucht. Das heißt nicht, dass die Not nicht da ist. In Generationen vor meiner hatten viele Eltern eine ähnliche Einstellung gegenüber Babys, wie die Pflegekraft gegenüber der Bewohnerin. Zum Glück kenne ich heute keine Eltern mehr, die glauben ihr Baby schreit um sie zu „ärgern“ (was leider nicht heißt, dass es sie gar nicht mehr gibt). Auch wenn man manchmal nicht weiß, was die kleinen Menschlinge haben, auch wenn man manchmal mit seinem Latein am Ende ist: Menschen schreien nicht „nur so“. Davon bin ich überzeugt.



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Auch Kinder sind Individuen

Wenn man ein Baby bekommt, wird man von Ärzten, Jugendamt, Hebammen und Krankenhäusern mit allerlei schlauen Ratgebern ausgestattet. Als mein Sohn damals zur Welt kam, habe ich mir diese Ratgeber noch zu Herzen genommen. Dort stand auch ganz genau, wann Babys den ersten Brei essen sollten. Mein Sohn hatte die Ratgeber nicht gelesen und mochte mit 6 Monaten weder Möhrchen noch Banane. Jeder der Kinder hat weiß: Erziehungsrezepte gibt es nicht. Bei meiner Tochter mache ich vieles anders. Aber das wichtigste: Ich lese nicht in irgendwelchen Ratgebern was sie wann machen oder können sollte. Ich schaue sie mir an und achte auf ihre individuellen Bedürfnisse. In Ratgebern für Senioren ist der Hinweis, dass alle Menschen individuell sind mittlerweile fast immer enthalten. Bei Ratgebern für Kinder fehlt er leider noch häufig.

Sollte man also Senioren wie Kinder und Kinder wie Senioren behandeln?

Vielleicht ist das nicht die passende Beschreibung für das was ich meine. Was ich eigentlich sagen will ist: Lasst und achtsam auf die Bedürfnisse von Senioren achten. Lasst und achtsam auf die Bedürfnisse von Kindern achten. Lasst uns achtsam auf die Bedürfnisse von Menschen achten. Hinschauen, abwägen, wahrnehmen und Patentrezepte über Board werfen. Senioren sind Menschen und Kinder sind Menschen.

Lasst uns Menschen doch ein bisschen mehr wie Menschen behandeln!



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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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