Tauben bringen Glück. Eine Rechengeschichte zu Pfingsten

Es war Pfingstsonntag. Johanna und Ernst saßen wie jeden Sonntag zusammen am Esstisch und aßen zu Mittag. Der Braten, die Klöße und das Rotkraut waren pünktlich um 12.30 Uhr fertig gewesen. Die beiden mochten das Gericht sehr gerne. Es war schon zur Tradition geworden, dieses Essen nur an besonderen Sonntagen zu kochen. Wie zum Beispiel an diesem Sonntag – Pfingstsonntag.

Wenn man die Beiden aber nun so sah, wie sie dort am Tisch saßen, machten sie nicht den Eindruck, als seien sie sehr glücklich. Im Gegenteil, Johanna machte ein trauriges Gesicht und auch Ernst sah nicht aus, als würde er das Essen genießen.
In den vergangenen Jahren hatten Johanna und Ernst an Pfingsten stets ihre Familie um sich gehabt. Die Kinder, die Enkel und ihre Hündin Laika. Laika war im letzten Jahr nach einem langen, gesegneten und gesunden Leben verstorben. Die beiden haben lange um sie getrauert. Aber auch, wenn der Schmerz mit der Zeit weniger geworden war, war er immer noch da.
Hinzu kam in diesem Jahr, dass alle, aber auch alle Kinder und Enkel ihren Pfingstbesuch bei Johanna und Ernst abgesagt hatten. Die einen waren beruflich unterwegs, die anderen im Kurzurlaub an der See, wieder andere im Umzugsstress und zu guter letzt hatte ihre Tochter Lisa auch noch kurzfristig absagen müssen. Sie lag schon die ganze Woche krank im Bett.

Johanna und Ernst sahen sich an und seufzten. Das war einer dieser Momente, in denen sie nicht sprechen brauchten. Der eine wusste ganz genau, was der andere dachte. Sie nahmen sich bei der Hand und schauten aus dem großen Esszimmerfenster. Es zeigte in den Vorgarten, in Richtung des Gartentores. Johanna sah drei Tauben im Vorgarten sitzen. Sie pickten im Gras herum und ließen es sich schmecken. Zwei weitere spazierten durch das Tulpenbeet.

Normalerweise hätte Johanna die Tauben verscheucht – auch wenn die Tulpen fast verblüht waren. Und auch Ernst war gerade dabei, aufzustehen. Aber sie hielt ihn zurück. Irgendetwas war anders mit diesen Tauben. Es waren nicht die dicken Tauben aus der Stadt. Diese waren zart. Johanna sah zwei weitere angeflogen kommen. Und noch eine. Sie landete auf der Mauer.

Friedlich sahen sie aus. Fast scheu und mit schillerndem Gefieder. Die beiden betrachteten das Treiben in ihrem Vorgarten eine Weile. Johanna erwischte ein Lächeln, dass ihr über die Lippen glitt. Und auch Ernst wirkte unbeschwerter als noch vor wenigen Minuten.
“Das wird wohl unser Pfingstgruß sein. Oder was meinst du?”, verschmitzt sah sie ihren Mann an. Ernst hob seine linke Augenbraue. Er war noch ein wenig skeptisch.

Johanna zog sich ihre hellblaue Strickjacke über und ging in Richtung Haustür, als drei weitere Tauben angeflogen kamen. Sie machten es sich unter dem Ahorn gemütlich. Johanna murmelte: “Ich muss mir diese schönen Geschöpfe aus der Nähe ansehen…”, und öffnete vorsichtig die Tür, um die Tauben nicht zu verschrecken.

 
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Wie angewurzelt blieb sie stehen und musste sich einen Freudenschrei verkneifen. Auf der Treppe saß Lisa, ihre Tochter. Johanna umarmte sie und drückte sie fest an sich. Eine Träne lief über ihre Wange. “Ich dachte, du bist krank?”, fragte sie mit dünner Stimme. “Ja, das war ich auch. Mir ging es gestern aber schon viel besser. Und heute Morgen fühlte ich mich wie neugeboren. Da dachte ich, ich überrasche euch mit einem Besuch. Auf mein Klingeln hat niemand aufgemacht. Ich dachte, ihr wärd spazieren gewesen. Habt ihr auch die Tauben im Garten gesehen? Schau, da kommt noch eine“. Johanna konnte ihr Glück kaum fassen. Arm in Arm ging sie mit ihrer Tochter ins Haus.

Anscheinend wussten diese hübschen Tauben, dass die Klingel an der Haustür kaputt gewesen war. Ohne die Tauben wäre Johanna nie aus dem Haus gegangen und hätte ihre Tochter gefunden. Voller Wiedersehensfreude setzten sie sich an den Tisch. Lisa hatte Apettit mitgebracht und auch Johanna und Ernst bekamen wieder Lust auf das Mittagessen.

Die Tauben waren indes wieder aus dem Garten verschwunden…

Wie viele Tauben haben Johann und Ernst “Glück” gebracht?
Antwort: 12 Tauben

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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