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SATT, SAUBER, TROCKEN. Noch Wünsche???

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Ich hatte gerade ein Gespräch mit einer Betreuungsassistentin. Sie hat eine bettlägerige Dame betreut, die sehr oft und laut um Hilfe ruft. Während der Betreuung hat die Dame kurzzeitig Ruhe gefunden. Als sie das Zimmer verließ, kam ihr eine Pflegekraft entgegen, die sagte:

 

„Das lohnt sich eh nicht, die fängt gleich wieder an. Die hat gegessen, die ist sauber, die will uns nur ärgern!

 

Verständlicherweise, war die Betreuungsassistentin von der Ignoranz ihrer Kollegin geschockt und enttäuscht.

 

Was mich geschockt hat, als sie mir die Geschichte erzählte, war das ICH NICHT GESCHOCKT war. Ich fand die Situation sogar vergleichsweise HARMLOS. Ähnliche Situationen habe ich selbst schon so oft erlebt, dass ich mich gar nicht an jede einzelne erinnere. Schlimmere Geschichten höre ich oft von Kollegen, die kurz davor stehen den Beruf an den Nagel zu hängen. Das passiert so oft, dass ich mittlerweile schon einen Standardkommentar oder Rat zu dem Thema habe:

 

„Du kannst die Welt nicht retten: ABER du kannst sie ein kleines bisschen besser machen!“

 

Aber manchmal stellt man sich Fragen!

Wie ist es um unsere Pflegeheime bestellt? Wie wichtig ist Menschlichkeit, Geborgenheit, Anerkennung und die Individualität?

 

Und ich meine in der Wirklichkeit.

 



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Ich meine nicht die schillernden Konzepte. Nicht die hochtrabenden Leitbilder. Nicht die aus Textbausteinen zusammengesetzten Pflegeplanungen. Ich meine nicht die Inhalte von Lehrbüchern. Nicht die glänzenden Versprechungen an Tagen der offenen Tür. Nicht die rhetorisch gefeilten Reden bei der Eröffnung einer weiteren Einrichtung.

 

 

Wie sieht es in Pflegeheimen aus?

Wenn der MDK weg ist?

Wenn die Heimaufsicht die Tür zu gemacht hat?

Wenn die Angehörigen sich verabschieden?

 

Wie entwickelt sich die Branche im Schatten des Pflegenotstands? Wenn jeder, der zwei Hände hat in eine Pflegeausbildung gesteckt wird? Wenn gute Kräfte den Beruf wechseln, weil die Bezahlung zu schlecht und die Anerkennung nicht vorhanden ist?

 

Ich bin gerade in einer Stimmung, in der ich meine eigene Meinung lieber für mich behalte. Sie ist nicht politisch korrekt.

 



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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

Kommentare (13) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    ich bin gerade ebenso überrascht und schockiert über deinen Bericht und dass man anders denkt, wenn man in einem Pflegeheim anfängt zu arbeiten und wie sich die Ansichten verändern können, je länger man „mit dabei ist“- sei es durch Mitarbeiter oder die Einrichtungsstruktur.
    Wir sollten die Menschen in Würde behandeln, die uns anvertraut werden!

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  2. Alte Menschen haben eben keine Lobby,niemand der für sie auf die Strasse geht und die bestehenden Zustände anprangert.
    Nur wer würde es auch schon hören wollen????
    Politiker,die vom grünen Tisch aus Gesetze verabschieden,die niemandem nutzen außer den Krankenkassen zur Überschussanhäufung?
    MDK-Mitarbeiter,die Einrichtungen mit einer 1,0 bewerten,weil in den Bewohnerakten alles korrekt dokumentiert ist?
    Die Vorstände großer Pflege-Holdings,die aus reiner Nächstenliebe Pflegekräfte ausbeuten?
    Um nicht zu verzweifeln kann man wirklich nur mit seiner eigenen Arbeit versuchen das Leben einiger so würdevoll wie möglich zu gestalten.

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  3. Das ökonomische Prinzip, in der alten Fassung: mit den gegebenen Mitteln so viel Leistung zu erhalten als möglch.

    Die Krankenkassen haben Überschüsse und bei der Pflege fehlt das Geld. So lange der Pflegebegriff DEMENZ nicht realistisch bewertet wird, werden sich die Zustände nicht verbessern, um es mal positiv zu formulieren.

    Ich bin in einem Pflegeheim tätig, das das Menschebild sehr positiv sieht, Bewohnerinnen und Bewoher mit viel Wertschätzung gepflegt werden und das Pflegepersonal eine gute Grundstimmung hat. Das hat nichts mit Geld zu tun. Aber dass zu wenig Personalvorhanden ist, das weiß jede/r und jede/r von uns kann dennoch seinen Beitrag dazu leisten, einfühlsam mit den zu Pflegenden Personei umzugehe.
    Machen wir uns doch lieber Gedanken, wie wir die Kranken- und Pflegekassen dazu bringen können, den Pflegebegriff für alte Menschen mit und ohne Demenz realistisch zu bewerten !
    Liebe Grüße
    Veronika

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  4. Hallo,
    mich überrascht der Bericht nicht; denn ich erlebe es immer wieder, wie Pflegekräfte durch Personalmangel am Zahnfleisch gehen und nur noch „funktionieren“. Ich glaube, oftmals ist das gar nicht so gemeint; wie es sich anhört. Sie sind nur „abgestumpft“. Das ist leider die traurige Wahrheit. Wir in der Betreuung haben es da noch bisschen besser, um in Kontakt mit dem Bewohner zu sein, obwohl die zunehmende Bürokratie es auch immer schwerer macht, die Zeit mit dem BW zu verbringen, anstatt mit Papieren. Ich für meinen Teil, versuche , soviel wie möglich dem „Menschen“ in seiner individuellen Persönlichkeit an Wärme, Herzlichkeit und Verständnis sowie Respekt zukommen zu lassen.

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  5. Hallo, ich glaub es ist fast überall gleich. In meinem Heim kündigen grad wieder reihenweise Mitarbeiter der Pflege, weil sie entweder gesundheitlich angeschlagen sind oder einfach nicht mehr können. Wann, wann endlich stehen alle auf und sagen: „jetzt reicht es“???? Solange es immer noch irgendwie funktioniert wird sich wohl nichts ändern. Aber wenn alle zusammenstehen ……… ein Traumbild…………

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  6. Tja, wann ist der Altenpfleger bereit zu demonstrieren? Er betreut ja Menschen, die man nicht so leicht abstellen kann wie Maschinen. Dies spiegelte auch vor ca. einem Jahr die Demo in Dresden wieder, trauriges Bild – viel zu wenige Teilnehmer, von der Gewerkschaft Verdi „organisiert“. Was macht eigentlich die Gewerkschaft für ihre Mitglieder – nicht viel und dann noch zu ungunsten der Beschäftigten (z. B. schleppende Tarifverhandlungen)!
    Ich bin der Meinung die Unternehmen in der Altenpflege, die Krankenkassen und der Staat, jeder schiebt doch den schwarzen Peter dem Anderen zu. Würde mehr gezahlt, wäre 1. der Beruf sicher mehr anerkannt, nicht jeder Arbeitslose würde in den Beruf gesteckt 2. mehr junge Leute ergreifen dann vielleicht den Beruf und der Staat brauchte nicht im Ausland für Pflegekräfte werben und 3. nicht ständig ein Wechsel im Personalbereich erfolgen.
    Die Altenpfleger haben alle ein Helfersyndrom und daran sind sie selber Schuld, glauben ohne sie geht die Welt unter – falsch!!!
    Noch ein provokanter Satz: Wer schreibt der bleibt! Wie und ob überhaupt, die Arbeit gemacht wurde ist doch egal. Diese Erfahrung habe ich oft gemacht.

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  7. Hallo,
    die Dankbarkeit der Bew. in Worten oder als Geste sind für mich das, was mich „bei der Stange hält“. Ich arbeite in der Demenz-Betreuung für Billiglohn und weiss jetzt schon, dass ich es nicht mehr lange tun werde. Ich möchte die Zeit bei einem Bew. sein die es gerade braucht und nicht so lange wie vorgesehen ist…! Da klaffen Wunsch und Realität oft weit auseinander.
    Möglicherweise gehe ich ins Ausland wo anders betreut wird.

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  8. Guten Abend,
    ich bin immer wieder schockiert, das es soviele Pflegefachkräfte gibt die Oberflächlich, ignorant und respektlos Schutzbefohlenen gegenüber sich verhalten. Es kommen viel zu wenige LEIDENSCHAFTLICHE Mitarbeiter in der Pflege nach!

    Fast eure Arbeit sachlich zusammen und bietet den Menschen etwas an!

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  9. Ich komme gerade vom Dienst. Seit ein paar Wochen leite ich das Nachtcafé bei uns im Demenzbereich.Nachdem die Pflegekollegen es zuerst abgelehnt hatten, haben sie nun erkannt, dass es für einige Bew. gut ist erst gegen 21 Uhr ins Bett zu gehen. Die Nachtwachen sind deutlich entlastet. Besonders eine Bew., die der oben geschilderten sehr ähnelt, aber ohne bettlägerig zu sein, ist seither deutlich ruhiger und schläft bald nachdem ich sie ins Bett begleitet habe ein. Früher hat sie noch stundenlang gerufen und den gesamten Wohnbereich unruhig gemacht. Teilweise kam es durch die Überlastung der Pflege zu verbalen Übergriffen und teilweise auch einem grenzwertigen Pflegeverhalten dieser Bew gegenüber.
    Ich mache jetzt tagsüber die ERGO-Ausbildung, weil ich mehr für die Senioren erreichen möchte. Die Doppelbelastung Schule und Arbeit ist zwar durchaus Belastung aber auch Motivation.

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  10. Ich bin in der Ausbildung zur staatlich geprüften Altenpflegerin im dritten Lehrjahr. Unser zweites Lehrjahr hatte den Schwerpunkt Beschäftigung. Diese haben wir alle ( 29 Schülerinnen in der Klasse) mit Begeisterung in verschiedenen Heimen einmal pro Woche durchgeführt. Auch in meiner Einrichtung jetzt wird viel von Seiten der Beschäftigung getan. Ich arbeite auf einer Station mit demenziell erkrankten alten Menschen und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Leider haben wir in der Pflege nicht so viel Zeit um intensiv mit den Menschen zu arbeiten, jedoch unterstützt unsere Einrichtungsleitung und unsere PDL uns nach Kräften. Nach der Übergabe mittags kann ich noch 1,5 Std Beschäftigung mit einigen Bewohnern machen. Manchmal kommt etwas dazwischen, aber in der Regel klappt es. Und wenn es nur eine 10 Minuten Aktivierung ist:) Was mir bei unserer Beschäftigung negativ auffällt: es werden meist die gleichen Leute „beschäftigt“. Menschen, die etwas anstrengender sind, werden gerne im Zimmer gelassen. das ist zwar menschlich, aber ungerecht…Ich arbeite, zusammen mit meinen Teamkollegen daran, es besser zu machen.Auffällig ist, dass die Bewohner nachts deutlich ausgeglichener und entspannter sind, wenn man mit ihnen abends noch etwas macht und sei es nur ein Lied beim Abendessen. Das entlastet auch die Nachtwachenkollegen. Ein zufriedener Bewohner ist für uns alle etwas ganz tolles und das was wir wollen. Ich kann von meiner Einrichtung nur schwärmen. Was mir aufgefallen ist: die Pflegekollegen, die schon lange “ im Geschäft“ sind, reagieren laxer und unverständlicher auf unsere Bewohner. Ich sehe das als meine Profession an, diese Kollegen auf den neuesten Stand zu bringen und respektvoll und validierend auf die Bewohner einzugehen:)liebe Grüße an euch alle….vielleicht unter dem Motto:YES, WE CAN!!!:)

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  11. HAllo!

    Meine Oma war auch erst in einem Pflegeheim. Haben aber auch solche Erfahrungen gemacht… Sogar zu den Familien der Betroffenen haben manche Pfleger abscheuliche Dinge gesagt!
    Wir haben uns einfach selbst schlau gemacht über Pflegebetten und haben Oma jetzt bei uns. Ist zwar ein bisschen enger geworden, aber das ist die wesentlich bessere Lösung! Hätte auch manchmal Lust mir politisch unkorrekt Luft zu machen….

    Grüße, Mariann

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  12. Super die Einstellung und Engagement von Suse im dritten Ausbildungsjahr. Wünsche mir mehr Pflegekräfte
    mit solch einer Einstellung. Vielleicht gelingt es ja den jungen Leuten, die laxer und unverständlicher werdenden,,alten Hasen,, wieder neu zu motivieren.
    Es geht ja fast immer um Geld, die richtige Einstellung
    und das Zusammenarbeiten mit allen Kollegen, von PDL bis Lehrling ist doch unterm Strich fast noch wichtiger als der Verdienst. So wären bestimmt alle ausgeglichener und zufriedener. Besonders die Bewohner und deren Angehörigen. Als Azubi verdient man ja auch recht wenig und Suse zeigt das es geht. Auch die meisten Ehrenamtler oftmals mit anderen Ausbildungen gehen mit Liebe und Freude zu den Bewohnern-ohne sich mit der ,,schlechten Bezahlung“
    zu entschuldigen.
    Wenn man wirklich etwas ändern möchte, geht es wenn man neidlos zusammen arbeitet.also Yes, Wie Can!!!

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  13. still, sauber, satt und sededativ ist in vielen Tages-/Altenpflege-/Heime würdelose Praxis, die auch und insebesondere durch ein Mangel an qualifizierten Personal geschuldet ist.

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