Mit persönlichen Erinnerungen aktivieren
Ein Interview mit Niklas Maier
Lieber Herr Maier, wir freuen uns sehr, Sie als Interviewpartner bei Mal-alt-werden.de begrüßen zu dürfen! Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor.
Mein Name ist Niklas Maier. Ich bin bei MYPOSTER als Konzeptioner im Kreation-Team tätig.
„MYPOSTER“ klingt auf Anhieb nicht nach einer Firma, die Produkte für Menschen mit Demenz anbietet. Wie kam es dazu, dass das Fotobuch für Menschen mit Demenz entwickelt wurde?
Obwohl MYPOSTER hauptsächlich für personalisierte Fotoprodukte bekannt ist, haben wir erkannt, dass Fotobücher ein wertvolles Werkzeug für die Erinnerungsarbeit bei Demenz sein können. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben wir das Demenz-Fotobuch entwickelt. Durch diese Partnerschaft konnten wir wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um ein Produkt zu schaffen, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zugeschnitten ist.
Welche Strategien haben Sie angewendet, um das Buch für Menschen mit unterschiedlichen Stadien der Demenz zugänglich zu machen?
Das Buch ist in fünf unabhängige Kapitel unterteilt – Biografie, Lebensereignisse, Bräuche, Jahreszeiten und Aktivierung. Diese Struktur ermöglicht es, je nach Interesse und kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen, passende Inhalte auszuwählen. Zudem haben wir bewusst auf ein übersichtliches Design mit festgelegten Schriftarten, Layouts und Farben geachtet, um eine Überforderung zu vermeiden.
Welche grundlegenden Tipps können Sie Betreuenden geben, um Fotos gezielt einzusetzen, wenn sie mit Menschen mit Demenz arbeiten? Gibt es bestimmte Methoden oder Herangehensweisen, die sich bewährt haben?
Es ist wichtig, Fotos auszuwählen, die positive Erinnerungen wecken und Emotionen ansprechen. Gemeinsam mit dem Betroffenen durch alte Fotos zu gehen und diese zu besprechen, kann bereits Gespräche anregen und das Gedächtnis stimulieren. Auch das Einfügen von kurzen Texten oder Zitaten kann hilfreich sein, um Kontext zu bieten und Erinnerungen zu vertiefen. Das gedruckte Buch kann jederzeit zur Hand genommen werden, um Gespräche zu starten. Stellen Sie sich vor, es ist Winter. Der erste Schnee fällt. Sie besuchen eine nahestehende Person mit fortgeschrittener Demenz, und es entsteht eine Gesprächspause. Eine spontane Frage wie „Was gab es heute zum Frühstück?“ bleibt oft unbeantwortet.
Mit dem DEMENZ-BUCH könnten Sie stattdessen das Kapitel „Jahreszeiten“ aufschlagen. Ein Foto zeigt den Betroffenen als Kind, das mit Freunden ein Iglu baut. Sie deuten aus dem Fenster ins Schneegestöber und fragen: „Wie war denn das früher mit deinen Freunden beim Iglubau?“ Dank des Langzeitgedächtnisses, das bei vielen Demenzkranken länger erhalten bleibt, ist es möglich, dass sich Ihr Gesprächspartner noch gut an solche Kindheitserlebnisse erinnert.
Was war Ihnen bei der Gestaltung des Fotobuchs besonders wichtig, damit das Buch nicht überfordert, sondern aktiviert?
Unser Fokus lag auf einer klaren und einfachen Gestaltung. Durch die feste Vorgabe von Schriftart, Layout und Farben wollten wir sicherstellen, dass das Buch leicht verständlich ist und keine visuellen Reize enthält, die ablenken oder überfordern könnten. Zudem haben wir interaktive Elemente wie Bilderrätsel und Denkspiele integriert, um die kognitiven Fähigkeiten zu fördern.
Gibt es besondere Rückmeldungen oder Geschichten von Menschen, die Ihr Buch einsetzen? Können Sie ein Beispiel nennen, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Eine Angehörige berichtete, dass sie durch das Buch wieder in der Lage war, mit ihrem demenzkranken Vater über gemeinsame Erlebnisse zu sprechen, was zuvor kaum noch möglich war. Das Buch half also tatsächlich dabei, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen und die Kommunikation zu verbessern.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft – gibt es neue Ideen oder Projekte, die Sie verfolgen möchten?
Zum einen planen wir, das Demenz-Fotobuch weiterzuentwickeln und möglicherweise digitale Ergänzungen anzubieten, die interaktive Elemente enthalten. Aber noch ist nichts in Stein gemeißelt. Prinzipiell sind wir von MYPOSTER immer auf der Suche nach neuen Wegen, das Leben der Menschen mit unseren Produkten lebenswerter zu machen – wenn am Ende erneut etwas realisiert wird, dass tatsächlich Menschen helfen kann, freuen wir uns umso mehr!
Herzlichen Dank, Herr Maier!!!








