Wenn die Erinnerungen verblassen…

Im Gespräch mit Evelyn Wagenblast über „Eine Wanderung in den Bergen“

 

Evelyn_Wagenblast_Foto

 

Hallo Frau Wagenblast, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Als Redakteurin im Bereich der Altenpflege im Verlag an der Ruhr weiß ich um die anspruchsvolle Aufgabe der Betreuung und Pflege von Menschen, die an Demenz erkrankt ist. Das erfordert von den Betreuenden – egal ob von Pflegefachkräften, Alltagsbegleiter oder Angehörigen – tagtäglich kreative Lösungen. Das zeigt sich mir in den Gesprächen mit unseren Autoren, die (fast) alle aus der Praxis kommen, jedoch besonders bei meinen regelmäßigen Hospitationen in Pflegeinrichtungen. Mit unseren praxiserprobten Produkten möchten wir allen Betreuenden den (Pflege-)Alltag entlasten und das natürlich zum Wohl der Menschen, die unsere Unterstützung benötigen.

 

 

Der Verlag an der Ruhr hat den Film „Eine Wanderung in den Bergen“ speziell für an Demenz erkrankte Menschen entwickelt. Worum geht es in diesem Film?

Der Film begleitet ein Wanderpaar durch die malerische und zeitlose Alpenwelt: vom Tal durch urige Wälder, entlang kühler Gebirgsbäche, über grüne Wiesen und saftige Weiden bis hoch hinauf zum Gipfel. Dabei gibt es keine Dialoge und auch keine Nahaufnahmen von Gesichtern, um genügend Freiraum für ganz persönliche Erinnerungen zu schaffen.

 

 

Wie sind Sie auf das Thema einer Bergwanderung gekommen?

Die Bergwelt der Alpen war und ist für viele alte und betagte Menschen DIE Urlaubsregion schlechthin und ein Ort schönster Erinnerungen. Bei fortschreitender Demenz verblassen diese Eindrücke mehr und mehr. Durch unseren Film möchten wir die Schönheit der Alpenwelt am Fernsehgerät erlebbar machen und Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken.

 

 

Wie wurde in diesem Film gearbeitet? Wodurch ist er so gut für demenziell erkrankte Menschen geeignet?

Das Konzept und alle Inhalte haben wir im Verlag an der Ruhr erarbeitet. Bei der konkreten Umsetzung hatten wir die Unterstützung von Film-Profis. Ich war aber am kompletten Dreh beteiligt. Wer genau hinguckt, sieht das auch 😉
Bei der Konzeption haben wir darauf geachtet, dass der Film sich an die Sehgewohnheiten der Betroffenen anpasst, nicht überfordert, aber auch nicht verkindlicht. Darüber hinaus haben wir auf eine betont ruhige Bildsprache und hohe Farbkontraste gesetzt, lediglich untermalt von traditioneller Alpenmusik und den Geräuschen der Natur.

 

 

Wie ist die Idee zu einem Film entstanden, der sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten von an Demenz erkrankten Menschen orientiert?

Bei unseren Hospitationen in verschiedenen Einrichtungen und in Gesprächen mit Pflegenden in Einrichtungen und zu Hause ist uns eins immer wieder aufgefallen: Der Fernseher spielt nach wie vor eine große Rolle. Oft mangelt es aber an geeigneten Filmen, da das Fernsehenprogramm heutzutage zu schnell und zu viel ist für die älteren Menschen. Hier wollten wir ganz klar Abwechslung bieten und den Betreuenden einen auf die Anforderungen ihrer Schützlinge abgestimmten Film zur Verfügung stellen. Im Begleitbuch zum Film, das jedem Paket beiliegt, finden sie darüber hinaus Liedtexte, Rezepte und Aktivierungsideen, um das Filmerlebnis komplett zu machen.

 

 

Haben Sie schon Rückmeldungen aus der Praxis bekommen? Haben Sie den Film vielleicht selbst einmal mit demenziell erkrankten Menschen anschauen können und direkt die Reaktionen beobachten können?

Im September 2014 haben wir unseren Film in einem historischen Kino in Essen vorgeführt und dazu etwa 180 Senioren aus verschiedenen Einrichtungen eingeladen. Hier haben wir sehr viel positive Rückmeldung bekommen. Besonders die Momente, in denen Tiere und Tiergeräusche vorkommen, kamen im Publikum sehr gut an.
Aber auch vor der Kinovorstellung haben wir den Film in Einrichtungen vorgeführt und uns Feedback eingeholt. Bis jetzt waren alle zufrieden und konnten den Film gut in ihren Alltag integrieren. Das freut uns natürlich sehr. Für Januar ist ein weiterer Film geplant: „Ein Tag am Meer“ ist gleich aufgebaut und spielt, natürlich, an der Nordsee.

 

 

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Wenn ich für meine Rolle als Mitarbeiterin des Verlag an der Ruhr sprechen darf, dann wünsche ich mir, dass wir weiterhin so tolle Produkte machen können, die bei den Pflegenden vor Ort in den Einrichtungen und bei den Angehörigen zu Hause so gut ankommen. Wir freuen uns immer für Feedback und sind dankbar für Ideen und Anregungen aus der Praxis.

 

 

Herzlichen Dank, Frau Wagenblast!!!

Zur Internetseite: www.verlagruhr-altenpflege.de

 

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich betreue zwei Demenzgruppen und Mitte 2015 erweitern wir unser Projekt mit einer Tagesklinik nur für Demenzkranke.
    Ich finde die Idee super und werde den Vorschlag machen uns diese DVD anzuschaffen.
    Gerade “ Urlaub in den Bergen „ist ein sehr beliebtes Thema.
    Auch“ Urlaub am Meer“ finde ich interessant.
    Mir persönlich würde auch das Thema „mit dem Zug durch Deutschland“
    mit den deutschen Sehenswürdigkeiten sehr gefallen.
    Würde mich sehr freuen wenn auch dieser Film zustande käme.
    Ist auch ein beliebtes Thema bei nicht Demenzerkrankung
    Liebe Grüße
    Dettche

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