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Ist „zusammen Rauchen gehen“ ein wertvolles Betreuungsangebot?

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Biografieorientiert soll das Betreuungsangebot sein. Es soll sich an den Wünschen der Senioren orientieren. Es soll, wenn möglich, in Gruppen stattfinden. Es soll den Tag strukturieren. Es soll die Lebensqualität steigern. Also schrauben wir mit dem 89-jährigem Seniorenheimbewohner, der früher KFZ-Mechaniker war, an einem alten Auto herum. Denken wir. Organisieren wir. Informieren die Tageszeitung und holen uns Vorschusslob bei Vorgesetzten und Angehörigen. Endlich stellen die in der Betreuung mal was auf die Beine. Endlich arbeiten die mal so richtig. Da wird die Arbeit der Betreuung mal gesehen. Nicht immer nur spielen, rumsitzen und Händchenhalten.

Leider hat der Bewohner kein Bock mitzumachen

Mit Engelszungen preisen wir unser Angebot an. Wir versuchen zu motivieren. Innere Widerstände zu überlisten. Scheitern. Der Bewohner hat keine Lust. Es war biografieorientiert. Es waren nicht seine Wünsche. Nicht seine Idee. Du tust ihm leid. „Ach komm, lass uns eine rauchen gehen“, sagt er. Eigentlich darfst du während deiner Arbeitszeit nicht rauchen, schon gar nicht mit einem Bewohner zusammen. Hinter der Küche des Seniorenheims gibt es eine Ecke zum Rauchen. Da dürfen die Bewohner nicht hin. Du gehst in den Garten des Heims mit dem Bewohner und ihr raucht dort eine zusammen. Heute kriegt das eh keiner mit. Es ist Sonntag. Die Pflegedienstleitung und die Heimleitung sind zu Hause. Du atmest ruhig. Der Bewohner atmet ruhig. Ihr sprecht nur wenige Worte. „Gehen wir morgen wieder eine zusammen rauchen?“, fragt der Bewohner, nachdem du ihn zu seinem Zimmer gebracht hast. „Würden Sie sich das wünschen?“, „Sag doch Karl zu mir. Ja, das wäre schön…“, sagt Karl. „Ich schau mal was ich machen kann“, versprichst du.

Wie wird der Vorschlag angenommen?



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Der Bewohner hat sich wohl gefühlt, als ihr zusammen im Garten wart. Da bist du dir sicher. „Er entspannte merklich“, hast du in die Dokumentation geschrieben. Das „gemeinsame Rauchen“ zu wiederholen, war eindeutig sein Wunsch. Du bezweifelst, dass nur in den Garten begleiten, ohne selbst zu rauchen dieselbe Wirkung hat. Du bist in Beziehung gegangen. Du hast den Menschen erreicht. Du bist dir ganz sicher, dass du nicht besonders viel Lob für den Vorschlag, „Gemeinsam eine rauchen gehen“ in die Angebotsplanung des Bewohners mit aufzunehmen, bekommen wirst. Da wird wohl spielen, rumsitzen und Händchenhalten besser ankommen. Versuchen wirst du es trotzdem.

 



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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Huhu Ich hatte eine Bewohnerin sie hat kein Angebot mitgemacht aber wenn es 15 Uhr wurde stand sie am Fahrstuhl und fragte haben wir heut ein Date im Garten (10 min Raucherpause) dies hab ich mit der Leitung besprochen und es wurde als 10 minuten Aktivierung gezählt wenn ich nichts dagegen hab meine 10 min zu „opfern“.
    Bewohnerin fühlte sich wohl und hat mir viel Erzählt 🙂

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  2. es geht doch darum einen menschen in sein wohlbefinden zu bringen, wenn er sich dann öffnet ,kommuniziert und zufrieden ist, ist doch alles gut gelaufen….ich mache das regelmäßig, aber in maßen. hab einen bw der raucher ist , und wir rauchen auch mal in meinen pausen od. feierabend und er ist dann zufrieden,redet,lacht und macht scherze…. oder aber er schüttet seine sorgen aus ….beides positive ergebnisse, finde ich…lg

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