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Ich habe im Sommer Betreuungskraft gelernt. In einer Tagespflege, die ich 1x die Woche besuche, sind einige Menschen mit Demenz. Sie reden nicht mehr, ausser ein “Ja” vielleicht und seither ist mehr als ein wenig Ansprechen und Bilder zeigen nicht drin. Denke aber es sollte noch etwas mehr möglich sein, mache mir Gedanken und eigentlich fällt mir nur basale Stimmulation ein. Verständigung mit der Leiterin ist nicht so gut (es interessiert sie nicht, spricht gebrochenes Deutsch). Was kann ich da mehr anbieten oder tun? Für ein paar Tips bin ich dankbar.

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Basale Stimulation ist doch schon mal ein gutes Stichwort. Wenn wir die Menschen auf der kognitiven Ebene (fast) nicht mehr erreichen können, dann sollten wir ausprobieren, welche Sinne wir noch erreichen können. Ganz wichtig bei der Betreuung von Menschen, die uns nicht mehr mitteilen was sie machen möchten, ist die genaue Beobachtung. Nicht jedes Betreuungs- oder Beschäftigungsangebot ist für jeden Menschen mit Demenz das richtige! Es lohnt sich sehr individuell hinzuschauen und die Reaktion des Menschen auf ein Angebot genau zu beobachten.

 

Wir reagiert der Mensch auf verschiedene Düfte? Wie reagiert der Mensch auf Musik (der “Königsweg” in der Betreuung von Menschen mit Demenz)? Wie reagiert der Mensch auf eine Massage (z.B. eine Massage mit dem Igelball oder eine Handmassage)?

 

In Ihrer Frage schwingt mit, dass Sie die Menschen, die Sie betreuen mit Hilfe von Bildern erreichen konnten. Welche Bilder funktionierten am besten? Vielleicht lassen sich mit Hilfe von biografischen Informationen (diese erhält man bei Menschen, die es nicht mehr selbst mitteilen können am ehesten von den Angehörigen) bestimmte Bilder harausfiltern, auf die eine besonders intensive Reaktion gezeigt wird. Eventuell macht es auch Sinn persönliche “Erinnerungsalben” zu erstellen. In diesen Erinnerungsalben werden entweder Fotos aus den verschiedenen Lebensphasen der Menschen  (nach Bedarf mit schriftlichen Informationen ergänzt) oder Bilder (aus Zeitschriften oder dem Internet) die den Menschen biografisch bedingt erreichen, hübsch arrangiert und zur Aktivierung genutzt.

 

Wenn die Menschen sich noch mit Bildern erreichen lassen, lohnt es sich eventuell auch mit individuellen Aktivierungsmaterialien zu experimentieren. Ähnlich wie bei den Bildern werden mit Hilfe von biografischen Informationen verschiedene Materialien angeboten (z.B.: Kaffeemühle, ein altes Radio, eine Schreibmaschine, Wolle, Putzutensilien). Dann heißt es wieder: Beobachten. Mit welchen Materialien kann ich eine positive Reaktion bei den Menschen hervorrufen?

 

Doch auch, wenn einem keine biografischen Informationen zur Verfügung stehen, lassen sich oft durch das Ausprobieren Materialien finden, die den Menschen ansprechen. Auch “abstraktere” Materialien können sich anbieten. Es gibt Menschen mit Demenz, die sehr zufrieden wirken wenn sie bunte “Schnipsel” sortieren und wenn ich das Gefühl habe, dass der Mensch “zufrieden” ist diese Tätigkeit auszuüben, dann stelle ich die “Sinnhaftigkeit” auch nicht in Frage. Manche Menschen mit Demenz reagieren auch positiv auf Bälle, vielleicht nur in dem Sie ihn von einer Hand in die andere Hand geben.

 

 

Bei einigen Menschen mit einer sehr weit fortgeschrittenen Demenz ist es auch noch möglich kleine Bewegungsübungen zu machen. Wenn der Mensch Bewegungen nicht mehr nachahmt, dann ist zum Beispiel das hin und her “werfen” eines Luftballons eine sehr intuitive Art und Weise einen Bewegungsimpuls zu geben (die Reaktion ist auch hier wieder genau zu beobachten, manche Menschen können auch durch das Herannahen des Luftballons erschrecken).

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Eine weitere Unternehmung, die man mit den meisten Menschen mit schwerer Demenz (sofern nicht bettlägerig) noch machen kann, sind Spaziergänge. Natürlich sollte hier die Kondition des Menschen mit Demenz berücksichtigt werden und eventuell auf einen Rollstuhl zurückgegriffen werden. In vielen Einrichtungen der Altenhilfe werden auch positive Erfahrungen mit Elementen aus dem “Snoezelen” gemacht.

 

Die Kernaussage ist also: Ausprobieren und Beobachten! Ich hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen.

 

Herzliche Grüße

 

Natali Mallek

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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