Das besondere Wiedersehen. Eine Liedergeschichte zu “Im Frühtau zu Berge”

In dieser Liedergeschichte zum Vorlesen und Mitsingen zu dem beliebten Volkslied “Im Frühtau zu Berge” geht es um ein ganz besonderes Wiedersehen.
Lesen Sie die Geschichte vor und singen Sie an den entsprechenden Stellen die angegebene Strophe des Wanderliedes “Im Frühtau zu Berge”.

Das besondere Wiedersehen

Es war ein strahlend schöner Frühlingsmorgen, als Anna und Sophie sich zu ihrer ersten gemeinsamen Wanderung aufmachten. Die beiden waren schon lange Freundinnen, hatten aber noch nie einen Tag zusammen in der Natur verbracht. An diesem Tag sollte sich das endlich ändern. Anna packte gerade noch die Wasserflasche und ein paar Leckereien in ihren Rucksack, als es an der Tür klopfte. Sie stürmte zum Eingang und umarmte ihre Freundin aus vollstem Herzen. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, dass es ihnen tatsächlich gelungen war, sich nach all den Jahren endlich wieder zu sehen.
Anna war inzwischen Mutter von zwei Kindern, Sophie von drei kleinen Sprösslingen geworden. Sie würden sich auf ihrer Wanderung eine Menge zu erzählen haben. “Und das wir auch noch ein so großes Glück mit dem Wetter heute haben!”, freute sich Sophie “Ich hatte extra meine Regenkleidung bereitgelegt, aber bei der Vorhersage brauchen wir die glücklicherweise gar nicht.” Sie strahlte ihre Freundin an. “Ach, ist das schön, lass dich noch einmal in den Arm nehmen!”
Anna zeigte ihr einmal den Wohnbereich und die Küche, im Obergeschoss schliefen noch alle tief und fest. Dann versuchte sie sich zu konzentrieren, dass sie auch alles eingepackt hatte. “Pflaster, Wasserflasche, Picknickdecke, Strickjacke, Proviant…”, zählte sie auf. “Brauchen wir sonst noch etwas?” fragte sie unsicher. Sophie war schon fast aus der Tür. Sie konnte es kaum erwarten, sich auf den Weg zu machen. “Ich denke nicht, die Wanderkarte hab ich im Auto, unsere Route ist eingezeichnet. Und was wir vergessen haben, besorgen wir unterwegs.” Sie zwinkerte Anna liebevoll zu und hielt ihr ihre Hand hin. Nun ging es endlich los…

Im Frühtau zu Berge wir geh’n, fallera,
es grünen die Wälder und Höh’n, fallera.
Wir wandern ohne Sorgen
singend in den Morgen,
noch ehe im Tale die Hähne krähn.

Die Autofahrt dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne zauberte die Landschaft in ein wundervolles Licht. Auf den Straßen war nichts los. So früh hatte außer den beiden wohl niemand vor, aufzustehen. Anna schmunzelte “Mein Mann hat mich dreimal gefragt, ob ich sicher sei, dass ich so früh los wollte.”
“Ja, meiner auch!” lächelte Sophie zurück “Lass die mal ausschlafen, wir entdecken in der Zeit die Wunder der Natur.” Sie parkte das Auto, von dort an, gingen die beiden zu Fuß.
Anna atmete tief durch. Sie flüsterte “Hörst du das auch? Diese Stille?” Sophie nickte und schaute fasziniert über die Felder, die links neben ihnen lagen. Zu ihrer Rechten war der Rand eines Waldes. Es waren schöne Bilder.
Die beiden genossen die Zeit in der Natur. Die Stille, die Eigenständigkeit herausgelöst aus dem Alltag und die wunderschönen Farbenspiele, die die Sonne mit den Blumen am Wegesrand und den Blättern in den Baumkronen zauberte. Ein paarmal kamen ihnen Menschen entgegen, die ihre Hunde ausführten. Den Rest der Zeit waren sie fast alleine auf ihrem Weg. Im Einklang mit der Natur…

Ihr alten und hochweisen Leut, fallera,
ihr denkt wohl, wir sind nicht gescheit, fallera!
Wer wollte aber singen,
wenn wir schon Grillen fingen
in dieser herrlichen Frühlingszeit?

Nachdem sich die Freundinnen an einem Bachlauf erfrischt hatten, fanden sie eine schöne Stelle für ihr Picknick. Sophie seufzte verlegen “Mir knurrt aber auch schon ganz schön der Magen.” Anna lächelte “Mir auch! Guck mal, ich habe was Leckeres mitgebracht!”
Sie holte eine Blechdose aus ihrem Rucksack und öffnete sie. “Die haben wir doch früher immer zusammen gebacken”, sie hielt Sophie die frisch gebackenen Plätzchen hin. “Mit extra viel Schokolade!” Sophie schwebte im siebten Himmel und konnte nicht anders, als zuzugreifen. “Dass du das behalten hast! Die schmecken ja noch besser als früher”, Anna lächelte verlegen. “Ja, manche Dinge vergisst man nie!” Sie zwinkerte ihrer Freundin zu.
Die beiden picknickten ausgiebig. Sie plauderten über ihre Schulzeit, das Familienleben, ihre Wünsche und Träume, Erlebnisse aus den letzten Jahren und, und, und …
Sie genossen die gemeinsame Zeit. Sie schätzen die Unbeschwertheit und das gemeinsame Erleben dieser tiefen Freundschaft, die auch noch nach vielen Jahren erhalten geblieben ist…

Werft ab alle Sorge und Qual, fallera,
und wandert mit uns aus dem Tal, fallera!
Wir sind hinaus gegangen,
den Sonnenschein zu fangen:
Kommt mit und versucht es auch selbst einmal!

Einzig und allein die Tatsache, dass Sophie die Wanderkarte meinte auf dem Weg verloren zu haben, brachte die beiden Freundinnen vor dem Weitergehen in eine gewisse Unsicherheit. Als sie aber herausfand, dass sie die ganze Zeit lediglich drauf gesessen hatte, wandelte sich das Gefühl schnell wieder in eine Leichtigkeit. Nach einem ausgiebigen Lachanfall machten sich die beiden weiter auf ihre Wanderung.
Erst als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, traten die beiden den Heimweg an. Mit erfüllten Herzen voller Dankbarkeit für diesen wunderschönen Tag und ihre tiefe, besondere Freundschaft fuhren die beiden unter einem Himmel, der in warmen Farben leuchtete nach Hause.

Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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