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Vertellekes und Waldspaziergang-


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Die Spieleautorin Petra Fiedler erzählt von ihrer Arbeit.

Petra Fiedler hat die Spiele Vertellekes und Waldspaziergang entwickelt

Diplom-Sozialarbeiterin und Altentherapeutin – seit 1999 Tätigkeit im sozialen Dienst in der stationären Pflege

 

Hallo Frau Fiedler, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

 

Ich lebe seit gut 30 Jahren in der Stadt, die für den Homo ludens (der spielende Mensch) das Mekka ist: Essen, denn hier findet im Oktober immer die weltweit größte Spielemesse statt. Geboren bin ich 1960 in Duisburg, man merkt ich bin ein „Ruhri“. Das Thema Spiel zieht sich als roter Faden durch mein berufliches und privates Leben.

 

Seit wann arbeiten Sie mit Demenzkranken und wie ist es dazu gekommen?

 

Seit ich mit älteren Menschen arbeite und das hat schon mit 18 bei meinem ersten Praktikum im Altenheim angefangen. Ich mag den Umgang mit älteren Menschen, weil sie noch Zeiten erlebt haben, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können: ohne Fernsehen, Handy, Internet – das finde ich spannend. Außerdem habe ich es mit ausgereiften unverwechselbaren Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten zu tun. Ich erlebe das als besonders reizvoll. Das Thema Demenz kommt bei der Betreuung hochbetagter Menschen quasi automatisch dazu, aber ich nehme es eher als eine Eigenschaft unter vielen anderen wahr. Es steht bei mir nicht im Vordergrund. Ich teile den Gedanken von Tom Kitwood, dass es so viele Formen von Demenz gibt, wie es Personen mit Demenz gibt. Die beste Betreuung ist die, die in der Lage ist, sich auf die jeweilige Person einzustellen und da muss man manchmal die allgemeinen Regeln im Umgang mit Demenzkranken zur Seite stellen, weil sie eben nicht jedem gerecht werden.

 

Welche Möglichkeiten bieten Spiele in der Seniorenarbeit und der Arbeit mit Demenzkranken?

 

Vor allem ermöglichen Spiele einen gelungenes Miteinander. Das hört sich unspektakulär an. Aber für Menschen mit Demenz ist ein gelungenes Miteinander alles andere als selbstverständlich, für Menschen ohne Demenz übrigens häufig auch. Spiele bauen Brücken zwischen Menschen, regen Kontakte und Kommunikation an, die auf andere Weise oft nicht zustande käme und das ist schon eine ganze Menge. Die Glücksforscher sind sich einig: das, was uns Menschen am meisten glücklich macht, sind Situationen, in denen wir mit anderen Menschen gemeinsam Freude erleben und im Austausch ist. So kann ein Spielnachmittag auf ganz einfache Weise Glücksmomente hervorbringen, die wir oftmals bei scheinbar herausragenderen „Events“ erwarten. Spielen ist die am meisten unterschätzte Tätigkeit, habe ich mal gelesen und das stimmt!

 

 

Wenn ich richtig informiert bin, haben Sie bis jetzt zwei Spiele veröffentlicht: Vertellekes und Waldspaziergang. Worum geht es bei den Spielen?

 

Ich habe noch das Spiel Sonnenuhr entwickelt, das ist aber mittlerweile vergriffen.

Bei Vertellekes und Waldspaziergang geht es um drei Elemente, bei denen ich die Erfahrung gemacht habe, das machen die meisten heute Älteren gern: und zwar 1. erzählen (eben Vertellekes), 2. raten, 3. singen. Diese drei Elemente kommen bei beiden Spielen vor. Beim Waldspaziergang gibt es zusätzlich noch das Element Bewegung, weil mir wichtig war, in einer Spielrunde kleine „Muntermacher“ einzubauen, wie z. B. „Fenster zu putzen“ um damit den Oberkörper zu aktivieren. Menschen mit fortgeschrittener Demenz bewegen sich kaum noch, da sind kleine Bewegungsimpulse während einer Spielrunde ganz hilfreich.

 

 

Können Sie vielleicht eine kleine Anekdote erzählen, die verdeutlicht was Ihre Spiele erreichen können?

 

Ich weiß, wie ich eines Tages zum Dienst kam und eine Bewohnerin im Tagesraum äußerte: „Ich will sterben“, die anderen saßen ebenfalls recht betrübt dabei und ich dachte: oje, wie krieg ich die Stimmung jetzt wieder gedreht? Ich nahm mir ein paar Vertellekeskarten und lies die Bewohner abwechselnd eine Karte ziehen und schon waren unsere Gedanken bei ganz anderen Themen und die Stimmung war wieder lebendiger und fröhlicher. Die Ablenkung durch das Spiel kann oft trübe Gedanke und Gefühle vertreiben. Ich erlebe ganz häufig, dass Spiele quasi sofort wirkende Antidepressiva ohne Risiken und Nebenwirkungen sind.

 

Auf Ihrer Internetseite bin ich über das „Würfelglas“ gestolpert. Können Sie den Lesern von Mal-alt-werden.de kurz erläutern worum es sich dabei handelt?

 

Das Würfelglas hat mehrere Vorteile: 1. der Würfel fällt nicht unterm Tisch, 2. Menschen mit schwerer Demenz, die oft den Würfel festhalten, können auf diese beim Würfeln einbezogen werden, 3. auch Bettlägerige können so würfeln.

Für das Würfelglas nehme ich einfach ein kleines Marmeladenglas, lackiere den Deckel, stecke einen Würfel (Kantenlänge 3 cm) rein und fertig.

 

 

Sie haben auch einige Bücher für die Seniorenarbeit veröffentlicht. Worum geht es in ihren Büchern?

 

Es sind Vorlesebücher (das Gedichtbuch, das Märchenbuch, das Schmunzelbuch) in der Reihe „Woche für Woche aktivieren“. Hier finden Praktiker für jede Woche des Jahres geeignete Texte zum Vorlesen, sowie passende Fragen und Rätsel. Es erspart ihnen viel Vorbereitungszeit, weil sie einfach das Buch zur Hand nehmen und loslegen können.

 

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und was haben Sie für Zukunftspläne?

 

Im Moment arbeite ich an einem Spielkonzept, dass sich vorzugsweise an Menschen im fortgeschrittenem Demenzstadium wendet. Für diesen Personenkreis gibt es sehr wenig geeignetes Material, da die Mitmachmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Die Betreuungskräfte haben es deshalb sehr schwer, geeignete Betreuungsangebote zu finden. Das Spielkonzept enthält neben aktivierenden Elementen auch Wohlfühlangebote, weil es meine Erfahrung ist, dass die Bewohner kleine Massagen sehr genießen. Das Ganze ist noch in der Erprobungsphase und ich hoffe, dass es in diesem oder nächstem Jahr veröffentlicht werden kann.

 

 

Herzlichen Dank, Frau Fiedler!!!

 

zur Internetseite von Petra Fiedler

 

Das Spiel “Vertellekes”:

 



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Das Spiel “Waldspaziergang”:



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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. hallo,lese mir begeißterung das an spielen gearbeitet wird wo die demenz fortgeschritten ist, ich habe mit im moment solche bewohner, ich arbeite da mit alten kinderbilder liedern und jurzen geschichten um noch was wiederzuerwecken, sonst ist nicht möglich

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  2. hallo, ich habe nur fortgeschrittene Demenz-Kranke, Vorlesen-geht gar nicht, keine Konzenration!

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