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Sexualassistenz

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Im Gespräch mit Gabriele Paulsen, der Gründerin von Nessita, über Sinnlichkeit und Erotik im Alter und bei körperlicher Immobilität

 

Hallo Frau Paulsen, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Geboren bin ich 1966 in Husum, mein erwachsener Sohn studiert in Berlin. Ich habe bereits in den
80ern die Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und im Laufe der Jahre zahlreiche
Zusatzqualifikationen nicht nur im Gesundheitswesen erwoben.
Nun berate, trainiere und coache seit über 15 Jahren Einzelpersonen, Teams, Unternehmen und Organisationen im Bereich Gesundheit.
Im Juni 2014 gründete ich Nessita und lebe in Hamburg.

Aus welcher Intention heraus haben Sie die Idee der Sexualbegleitung bzw. -assistenz für ältere und immobile Menschen weiterentwickelt?

Durch meine Tätigkeit im Vertrieb habe ich meine Kunden immer wieder nach ihrem Bedarf gefragt. Ich wollte wissen, in welchen Bereichen Sie sich nicht unterstützt fühlen. Da ploppte das Thema Sexualität im Gespräch mit Einrichtungsleitungen von Senioreneinrichtungen stets wieder auf.

Was genau können wir uns unter dem Begriff Sexualassistenz vorstellen? In der Vorbereitung auf unser Gespräch bin ich noch auf Begriffe wie aktive und passive Sexualassistenz gestoßen.
Wo liegen hier die Unterschiede? Und worin unterscheidet sich die Sexualassistenz zur Prostitution?

Die Sexualassistenz hat ihren Ursprung in der Behindertenhilfe. Nina de Vries hat als Pionierin diese Art der Unterstützung von Holland nach Deutschland gebracht. Ich transferiere dieses Konzept schlicht in den Seniorenbereich. Hier unterscheiden wir nicht zwischen aktiv und passiv, da die Senioren bereits Erfahrung mit Sexualität haben und Ihre Wünsche in der Regel konkret äußern können. Des Weiteren bieten wir weder eine Liebesbeziehung, noch Geschlechts-und/oder Oralverkehr an.
Mit dem neuen Prostitutionsschutzgesetz, welches ab 01.07.2017 greift, wird es keinen Unterschied zur Prostitution mehr geben. Der Gesetzgeber hat nun auch Tantramassagen und Sexualassistenz zur Prostitution deklariert, obwohl die Nessitas und Nessitos sich selbst so nicht sehen und auch nicht so gesehen werden wollen. Sie gehen mit einer anderen Intention und Motivation an die Arbeit. Die vor allem freiwillig und selbstbestimmt ist.

Die Sexualassistenz wird in den Medien und in vielen Institutionen noch oft belächelt. Macht diese Form der Ablehnung Ihre Arbeit schwieriger und wie gehen Sie mit dieser Kritik bzw. der Herausforderung um?

Diesen Eindruck kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich treffe bis auf wenige Ausnahmen auf offene Türen. Unsere Arbeit gestaltet sich wegen der Tabuisierung von Sexualität und Alter schwierig. Wir plagen uns mit dem Thema Scham. Die Sehnsucht nach körperlicher Nähe wird oft als persönlicher Mangel empfunden. Daher braucht es die Medien, um den gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Wie können selbst Interessierte oder deren Angehörige, vielleicht auch Institutionen wie Pflegeheime Kontakt zu Ihnen aufnehmen?

Ganz einfach anrufen 040-34859354 (AB) oder eine Email info@nessita.de schreiben.

Eine Frage, die an uns oft herangetragen wird: Was kosten die Besuche Ihrer Mitarbeiter (ungefähr)?



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In den Großstädten arbeiten wir mit einer Einsatzpauschale von 150 Euro pro Stunde. Darin ist eine Vermittlungsgebühr pro Termin enthalten. Ist ein längerer Termin gewünscht, wird der Preis mit den Nessitas/ Nessitos persönlich vereinbart.
Das Konzept beruht ja auf dem Hausbesuch, wohnt jetzt jemand sehr weit draußen, müssen wir unter Umständen eine Fahrtkostenpauschale erheben. Das wird dann individuell abgesprochen.

Sie bieten zusätzlich Coachings und Workshops an, in denen Sie umfangreiches theoretisches Hintergrundwissen und praktische Unterstützungen im Alltag vermitteln.
Was erwartet mich bei so einem Coaching?

Mir fällt die große Unsicherheit bei allen an der Pflege Beteiligten auf. Wir üben uns gemeinsam darin, Situationen weitestgehend wertfrei darzustellen und versuchen darüber professionell, aber nicht weniger empathisch zu sprechen. Im Team, mit den Bewohnern/ Klienten und den Angehörigen. Das fällt nicht immer leicht und will gelernt sein.

Können Sie unseren Lesern Literatur zum Thema Sexualassistenz und Sexualität im Alter empfehlen?

Klar, ich schreibe gerade eines, es wird aber erst im Frühjahr im Ernst -Reinhardt Verlag erscheinen.
Fachliteratur ist meist sehr Physiologie und/oder Zahlen lastig. Vielleicht bieten Filme wie Wolke 9* oder The Sessions* ein guten thematischen Einstieg.

In welchen Momenten spüren Sie, dass Sie mit Nessita und Ihren Mitarbeitern auf dem richtigen Weg sind?

Wenn unsere Klienten so liebevolle und tolle Rückmeldungen zu den „Dates“ geben.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Mehr Gelassenheit in der Pflege, wir können nicht alles richtig machen. Keiner kann das!

Herzlichen Dank, Frau Paulsen!!!
Zur Internetseite: www.nessita.de



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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