Nachbarn. Eine Hoffnungsgeschichte

Wer kennt ihn nicht – den Ärger mit den Nachbarn. Gut, wenn man sich mit ihnen versteht. Eine Hoffnungsgeschichte zum Vorlesen für Senioren.

Nachbarn

„Hast du gesehen? Da ziehen jetzt Leute nebenan ein.“, Fritz schaute aus dem Wohnzimmerfenster und beobachtete die Umzugshelfer, wie sie die schweren Möbel aus dem Lastwagen trugen. „Das wurde aber auch mal Zeit. Ein ganzes Jahr haben die das Haus renoviert. Außerdem ist es auch schön, endlich mal wieder Nachbarn zu haben.“, antwortete Christel und stellte sich neben Fritz. „Ich bin mal gespannt, wie das mit einer großen Familie und vier Kindern wird. So gute Nachbarn wie die Müllers kriegen wir nicht wieder.“, seufzte Fritz. „Ja, aber du musst bedenken, als die Müllers und wir hier einzogen, da waren wir auch jung und die Kinder klein. Die Kinder haben schon lange ihre eigene Familien und die alten Müllers sind tot oder im Altenheim.“, gab Christel zu bedenken. „Ich werde mal ein Brot backen und es ihnen mit einem schönen Salzstreuer morgen als Willkommensgeschenk überbringen.“, nahm sich Christel vor.

Am nächsten Tag klingelte Christel bei den neuen Nachbarn. Es dauerte eine Weile bis geöffnet wurde. Plötzlich riss eine junge Frau die Tür auf: „Ja, was ist denn?“ Christel hörte Bohrgeräusche im Hintergrund. Ein Baby weinte und zwei kleine Kinder warfen sich gegenseitig mit Schuhen ab und schrien dabei. „Oh, ich komme im falschen Moment. Ich wollte Sie gerne als neue Nachbarn begrüßen und habe ein Willkommensgeschenk für Sie.“, Christel hielt der jungen Frau das Brot hin. „Wo bleibst du denn? Nun komm endlich! Du musst hier festhalten!“, erscholl eine erzürnte Stimme aus dem Hintergrund. „Das ist sehr nett von Ihnen. Vielen Dank! Aber ich hab gerade gar keine Zeit.“ Mit diesen Worten nahm die junge Frau Christel das Brot ab und knallte die Tür zu.

„Na und, wie sind die neuen Nachbarn?“, wollte Fritz wissen, als Christel wieder zurück war. „Du, da drüben herrscht heilloses Chaos. Die Frau hat sich zwar bedankt, mir aber die Tür vor dem Kopf zugeknallt.“ „Oha! Dann warten wir mal ab, ob die sich melden, wenn Ruhe eingekehrt ist.“

Fritz und Christel warteten eine ganze Woche, aber die Nachbarn kamen nicht vorbei. Hören konnten sie sie gut, denn die Kinder tobten im Garten, das Baby weinte oft und immer wieder hörte man Bohr- und Hammergeräusche. Am Samstagabend parkten viele Autos vor dem Nachbarhaus und es schien, als ob die Nachbarn eine Einweihungsparty feierten. Bis spät in die Nacht hörte das Ehepaar Musik, Lachen und Stimmengewirr. Irgendwann gegen Morgen schlug noch die letzte Autotür zu und endlich trat Stille ein.
„Na, das kann ja lustig mit den Nachbarn werden, wenn das so Partybegeisterte sind!“, Christel drehte sich zu Fritz im Bett um. „Jetzt ist ja erstmal Ruhe. Lass uns noch etwas schlafen.“ Aber lange schlafen konnten sie nicht, denn sie wurden durch das Geschrei der Nachbarskinder wieder aufgeweckt, die sich im Garten stritten.

 
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Christel und Fritz standen auf und frühstückten. Sie waren nicht ausgeschlafen und ärgerten sich sehr über ihre neuen Nachbarn.

Am Montag blies der Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen und Fritz holte Besen und Eimer um den Bürgersteig von dem nassen Laub zu befreien. Ein junger Mann kam auf ihn zu: „Entschuldigen Sie, ich möchte mich bei Ihnen vorstellen. Ich bin ihr neuer Nachbar. Leider hatten meine Frau und ich noch gar keine Zeit, uns für das leckere selbstgebackene Brot zu bedanken. Das war eine tolle Idee. Vielen Dank!
Im Moment ist es bei uns etwas stressig. So ein Umzug macht doch viel Arbeit. Das Baby hat ständig Bauchschmerzen und für die Großen hat man gar keine Zeit.“ Der junge Mann hielt Fritz die Hand hin. „Am Wochenende hatten wir dann noch die Feier. Wir haben direkt Einweihungsparty, Taufe und den Geburtstag meiner Frau zusammen gefeiert, damit wir nur einmal die Arbeit damit haben. Ich hoffe, wir waren nicht zu laut.“ Fragend schaute er Fritz an. „Nein, nein, es ging schon. Schön das wir uns jetzt mal kennenlernen. Meine Frau kennt sich mit Koliken bei Babys gut aus, denn unsere Kinder litten auch darunter. Wenn Sie also Tipps oder Hilfe brauchen, dann fragen sie ruhig. Vielleicht kann ich Ihnen ja auch im Haus helfen, ich bin ein guter Handwerker.“

„Das ist sehr nett von Ihnen! Da komm ich bestimmt auf ihr Angebot zurück! Ich brauche für alles immer sehr lange, weil ich oft die Gebrauchsanweisungen gar nicht richtig verstehe.“, lachte der junge Mann. „Aber Laub wegfegen kann ich gut.“ Mit diesen Worten nahm er Fritz den Besen aus der Hand und kehrte den ganzen Fußweg sauber.
„Na, was war da denn los?“, fragte Christel erstaunt als Fritz später herein kam und sich zu ihr ans Wohnzimmerfenster stellte. „Du, Christel, ich glaube, die neuen Nachbarn sind doch ganz nett.“

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Monika

© by Monika Kaiser. Buchhändlerin, Betreuungskraft, Autorin bei Mal-alt-werden.de

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