Einfach nicht mehr da? Warum Abschiednehmen in Senioreneinrichtungen Raum braucht

Wenn ein Mensch aus einer Gemeinschaft von Seniorinnen und Senioren verstirbt, verändert sich etwas. In Pflegeheimen genauso wie in Tagespflegen. Ein Platz bleibt leer, ein vertrautes Gesicht fehlt. Viele Mitarbeitende fragen sich dann, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Sprechen wir darüber oder lassen wir es lieber unausgesprochen?

Gerade für Mitarbeitende in der sozialen Betreuung, in der Pflege oder in anderen Bereichen einer Einrichtung ist der Umgang mit Tod und Abschied oft eine Herausforderung. Wer sich mehr Sicherheit im Umgang mit Sterben und Trauer im Alltag von Senioreneinrichtungen wünscht, findet in unserer Online-Fortbildung zur Sterbebegleitung viele praxisnahe Impulse und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Mehr Informationen finden Sie hier!

Warum Abschiednehmen in Senioreneinrichtungen wichtig ist

In Senioreneinrichtungen entstehen Gemeinschaften. Menschen begegnen sich beim Frühstück, sitzen nebeneinander bei Gruppenangeboten oder verbringen täglich Zeit im selben Wohnbereich. Auch in Tagespflegen entwickeln sich vertraute Beziehungen zwischen den Tagesgästen.

Wenn jemand aus dieser Gemeinschaft stirbt, betrifft das nicht nur Angehörige und Mitarbeitende. Auch die anderen Seniorinnen und Senioren nehmen wahr, dass jemand fehlt.

Viele Einrichtungen kennen eine typische Situation aus dem Alltag: Beim Frühstück ist plötzlich ein Platz leer. Der Mensch, der sonst immer dort gesessen hat, kommt nicht mehr. Vielleicht wundern sich einige. Andere spüren einfach, dass etwas anders ist. Doch manchmal spricht niemand darüber.

Für die Gemeinschaft kann sich das so anfühlen, als ob ein Mensch einfach verschwunden wäre.

Was passiert, wenn über den Tod nicht gesprochen wird?

Das Schweigen entsteht oft aus guter Absicht. Viele Mitarbeitende möchten niemanden belasten oder traurig machen. Doch gerade dieses Schweigen kann Unsicherheit auslösen.

Seniorinnen und Senioren bemerken häufig sehr genau, wenn jemand fehlt. Sie fragen sich vielleicht, was passiert ist. Wenn es keine Erklärung gibt, bleibt ein Gefühl der Irritation zurück.

Besonders für Menschen mit Demenz kann diese Situation verwirrend sein. Sie nehmen wahr, dass der Tischnachbar oder die Frau aus der Gymnastikgruppe plötzlich nicht mehr da ist. Gleichzeitig sind sie manchmal unsicher, ob ihre Wahrnehmung stimmt. Manche trauen sich deshalb gar nicht nachzufragen. Sie wissen nicht, ob sie sich vielleicht irren.

Wenn niemand etwas erklärt, entsteht schnell der Eindruck, dass ein Mensch einfach verschwunden ist.

Abschied gehört zum Leben – auch im hohen Alter

Viele ältere Menschen haben im Laufe ihres Lebens bereits zahlreiche Abschiede erlebt. Sie wissen, dass Menschen sterben. Auch Menschen mit Demenz können den Tod häufig besser einordnen, als man zunächst vermuten würde.

Ein offener Umgang mit dem Tod schafft Klarheit. Wenn Seniorinnen und Senioren erfahren, dass jemand verstorben ist, können sie diese Veränderung einordnen. Es entsteht Raum für Erinnerungen, für Gespräche oder auch einfach für einen Moment der Stille.

Nicht alle reagieren gleich. Manche erzählen Geschichten über gemeinsame Erlebnisse. Andere werden nachdenklich. Wieder andere nehmen die Nachricht ruhig auf. All diese Reaktionen sind völlig in Ordnung.

Typische Fehler im Umgang mit Tod in Pflegeheimen und Tagespflegen

Im Alltag von Senioreneinrichtungen entstehen immer wieder ähnliche Unsicherheiten.

Ein häufiger Gedanke ist: Wir sagen lieber nichts, damit niemand traurig wird. Doch gerade dieses Verschweigen kann Unruhe in die Gruppe bringen.

Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, dass Menschen mit Demenz den Tod ohnehin nicht verstehen. Viele Menschen mit Demenz spüren sehr wohl Veränderungen in ihrer Umgebung. Wenn sie merken, dass jemand fehlt, ohne zu wissen warum, kann das sogar mehr Verunsicherung auslösen.

Oft braucht es keine langen Erklärungen. Ein einfacher, klarer Satz kann schon helfen. Zum Beispiel die Information, dass Herr oder Frau X gestorben ist.

Solche Worte schaffen Orientierung.

Abschied stärkt die Gemeinschaft

Wenn ein Mensch aus der Gemeinschaft verstirbt, darf das wahrgenommen werden. Ein kurzer Moment des Innehaltens, ein Gespräch in der Gruppe oder ein kleines Ritual können helfen, den Abschied bewusst zu gestalten.

Solche Momente zeigen, dass jeder Mensch in der Gemeinschaft gesehen wird. Auch über den Tod hinaus.

Für Mitarbeitende in Pflegeheimen und Tagespflegen kann es eine große Unterstützung sein, Sicherheit im Umgang mit solchen Situationen zu entwickeln. In unserer Online-Fortbildung zur Sterbebegleitung geht es genau darum: um praktische Wege, wie Mitarbeitende Seniorinnen und Senioren in dieser sensiblen Lebensphase begleiten können. Mehr Informationen finden Sie hier.

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