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Ein Stammtisch für Betreuungskräfte

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Aurelio Vacca im Gespräch

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Hallo Herr Vacca, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Sehr geehrte Frau Mallek zunächst einmal vielen Dank das wir hier unseren Stammtisch „Betreuung mit Herz“ vorstellen dürfen. Mein Name ist Marco Aurelio Vacca, bin 53 Jahre jung, wohne in Wendlingen im schönen Schwabenländle.

 

Seit wann arbeiten Sie mit Menschen mit Demenz und wie kam es dazu?
Ich bin seit ca. 4 Jahren in einem Pflege – Heim vorwiegend in der Betreuung von Menschen mit Demenz tätig. Hier leite ich vor allem die Gruppenstunden mit teilweise 60 Bewohnern (ja das funktioniert), aber auch kleinere Gruppen und Einzelbetreuung.
Ausserdem bilde ich in einem privaten Bildungsinstitut Betreuungskräfte für Pflegeheime nach § 87b aus und biete verschiedene Workshops für die Betreuung an.

Wie es dazu kam?

Ich wollte diesen Beruf unbedingt ausüben und nun ist er meine Berufung.

 

Ein Stammtisch für Betreuungskräfte. Wie kam es zu der Idee?
Die Idee entstand Ende 2010 als ich und eine Kollegin festgestellt haben, dass viele Betreuungskräfte in den Pflegeheimen meist alleine auf sich gestellt sind, selten die Möglichkeit haben sich über den Alltag und die mit sich bringenden Herausforderungen und Probleme auszutauschen.

Im Januar 2011 war es dann soweit der erste Stammtisch wurde organisiert.

Ein Tag der Betreuung für die Öffentlichkeit sowie Ausflüge und Grillfeste schlossen sich mittlerweile an.

 

Wie kann man sich den Ablauf eines solchen Stammtischs vorstellen?
Jedes Mal wird ein bestimmtes Thema besprochen, aber vor Allem geht es darum das jeder sich vorstellt und über seinen Alltag erzählt. Von seinen Herausforderungen mit Kollegen und Kolleginnen aus Pflege und Betreuung, mit Bewohnern, Angehörigen
und auch den Heimleitungen.

Es entsteht jedes Mal ein Expertenpool mit Lösungsmöglichkeiten für die tägliche Arbeit. Aber auch ein Einblick in die verschiedenartigen Arbeitsverhältnisse in den Heimen.

Die Bearbeitung von Fallbeispielen und neue Möglichkeiten in der Beschäftigung und
Aktivierung der Bewohner sind ebenso sehr wichtig.
Ebenfalls die neuesten Informationen bezüglich unserer Arbeit und tolle Internetseiten wie z.B. „mal-alt-werden.de“, aber auch Veranstaltungen die unsere Tätigkeit betreffen.

 

Wie und wo können Betreuungskräfte den Stammtisch finden?
Durch Mund zu Mundpropaganda werden die Betreuungskräfte auf die Möglichkeit sich zu treffen aufmerksam gemacht. Aber auch durch Visitenkarten, Flyer und durch unsere Web-Seite und dem dazugehörigen Blog.
Der Start fand in Esslingen statt und wurde nach 2 Jahren auf den Raum Reutlingen ausgeweitet.

Da inzwischen die Resonanz in Reutlingen größer ist, findet er nun monatlich am letzten Samstagnachmittag statt.

Ende Februar hatten sich 20 Betreuungskräfte aus verschiedenen Heimen getroffen und so wie es aussieht ist dies der richtige Schritt gewesen.
Die Zukunft wird es zeigen.

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Mit welchen Problemen und Herausforderungen, haben Betreuungskräfte in den Einrichtungen besonders zu kämpfen? Was sind Ihre Erfahrungen?
Ein sehr großes Problem ist in vielen Heimen die nicht vorhandene Akzeptanz und Wertschätzung der Betreuungskräfte von Seiten der Pflege.

Desweiteren die fehlende Unterstützung durch die Heimleitung bezüglich Material und Bildungsangeboten. Es ist sehr bedenklich wenn Betreuungskräfte von ihrem „Lohn“ auch noch selbst vieles für die tägliche Arbeit zukaufen, und auch die Fortbildungen selbst bezahlen müssen, obwohl die Heime von den Pflegekassen Gelder für die Betreuung der Bewohner erhalten.

Das Heim, in dem meine 7 Kolleginnen und ich in der Betreuung tätig sind, darf ich ausnehmen, denn wir erhalten Unterstützung in jeglicher Form von der Geschäftsleitung die absolut hinter uns steht. Das ist wie gesagt leider nicht so selbstverständlich.

 

Was sind die schönen Seiten der Betreuungsarbeit?
Zu meinen Bewohnern sage ich immer, wenn das was ich mache, Arbeit wäre, dann wäre ich nicht hier, für mich ist es jeden Tag Spaß und Spiel. In welchem Beruf bekommt ein Angestellter jeden Tag Liebe, Vertrauen, Anerkennung und Zuspruch.

Ich erlebe jeden Tag Wunder über Wunder, wenn zum Beispiel eine bettlägerige Bewohnerin in Phase 4 (Validation n. Feil) die schon Monate lang kein Wort mehr gesprochen hat, nach 10 Minuten am Bett beim Verabschieden ein leises Danke haucht. Oder ein Bewohner der seit 2 Jahren im Rollstuhl sitzt, plötzlich beim
„Sing mit, bleib fit Nachmittag“ aufsteht und tanzen möchte.

 

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Das der Betreuungsarbeit und den Betreuungskräften in den Pflegeheimen von der Gesellschaft die Wertschätzung entgegengebracht wird, die wir verdient haben.
Sei es in der Akzeptanz aber vor allem in der Bezahlung.

Das alle die in den Heimen tätig sind, sich klar werden, wem wir unseren Arbeitsplatz zu verdanken haben, nämlich unseren Bewohnerinnen und Bewohnern und wenn es ihnen gut geht und sie sich wohlfühlen, dann geht es allen gut.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich weitere Stammtische in allen Bundesländern aufbauen und die Betreuungskräfte sich zu einem Dachverband zusammenschließen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für dieses Interview

 

Herzlichen Dank, Herr Vacca!!!

 

Zur Internetseite: http://betreuung-mit-herz.eu/

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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