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Blickrichtungswechsel


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Im Gespräch mit Brigitta Schröder

 

 

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Hallo Frau Schröder, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich bin Schweizerin und gehöre zur Diakonissen Schwesternsternschaft Neumünster Zollikerberg / Zürich. Ich war lange Zeit im Gesundheitswesen im Management tätig, bin Supervisorin DGSv und Lebens- und Trauerbegleiterin.



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Ihr erstes Buch heißt „Blickrichtungswechsel – Lernen mit und von Menschen mit Demenz“*. Was verbirgt sich hinter dem Titel?

Der Titel ist sicher für viele eine Herausforderung. Häufig taucht die Frage auf: “Von Menschen mit Demenz kann man doch nichts lernen.” Sie werden oft als eine Belastung wahrgenommen. Ein solcher Weg ist für alle Beteiligten sehr schwer. Nun ist es wichtig, diese Situation nicht noch schwerer zu machen, sondern Leichtigkeit einzuüben. Das erste Buch ist geschrieben aus der Praxis für die Praxis. Es ist wie ein Lesebuch oder eine Landkarte und beinhaltet viele praktische Anregungen.

 

Der Titel Ihres zweiten Buchs ist „Menschen mit Demenz achtsam begleiten Blickrichtungswechsel leben“*. Welche Rolle spielt Achtsamkeit für unser Leben und für Menschen mit Demenz?

Die zweite Veröffentlichung hat den Schwerpunkt, eine wertfreie Haltung zu fördern. Die zentrale Aussage ist: “Wer achtsam mit sich selber ist, wird achtsamer mit anderen insbesondere mit Menschen mit Demenz.” Das Buch ist in drei Bereiche aufgeteilt. Das Basismodul soll unsere oft verkümmerte, emotionale Ebene beleben. Das Vertiefungsmodul unterstützt, sich mit existentiellen Fragen, die oft tabubehaftet sind, vertraut zu machen, um entsprechend zu handeln. Die im Anhang enthaltenen Materialien bieten Handwerkszeug, um die eigene Selbstreflektion zu stärken.
Die Checklisten können beliebig ausgedruckt und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

 

Sie begleiten Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Welche Bedeutung haben Religion und Spiritualität für die Menschen, die Sie begleiten?

Menschen mit Demenz haben Bedürfnisse wie wir alle. Sie benötigen leibliche, seelische, geistige, soziale, kulturelle, und spirituelle Nahrung. Ich gestalte deshalb immer wieder “Sternstunden” unter Mitwirkung eines Geistlichen, sowie Sinnliche, ökumenische Gottesdienste.

 

Sie geben am 21. uns 22. März in Dortmund eine Fortbildung zu diesem Thema. Welche Inhalte erwarten die Teilnehmer?

Das ist keine Fortbildung im üblichen Sinn, vielmehr sind wir gemeinsam auf Augenhöhe miteinander auf dem Weg. Daraus entsteht ein Geben und Nehmen. Sich selber lieben zu lernen, ist ein weiterer Schwerpunkt. Den Schlüssel zur eigenen Schatzkammer aufzuspüren, ist ebenfalls ein Impuls. Die eigenen individuellen Kraftquellen können dadurch immer wieder neu entdeckt werden.

 

Sie beschreiben den “Löwenzahn” als Ihren Lebensbegleiter und ein Symbol für Ihren Lebensweg. Was macht den Löwenzahn für Sie so einzigartig und warum ist gerade diese Blume ein Symbol für Ihren Lebensweg?

Schon als Kleinkind hat mich diese Blume fasziniert. Ich habe früher viele phantasievolle Spiele ausgeheckt. Jetzt habe ich von dieser Pflanze eine anschauliche Power Point Präsentation gestaltet. In dieser Präsentation wird der Lebensweg des Löwenzahns beschrieben und somit das Werden- Sein – Vergehen dargestellt. Nach dem Erblühen wird sichtbar, wie der Löwenzahn los lassen kann. Die Blütenblätter fallen gebündelt ab. Darauf entsteht wieder eine Knospe, die weiß erblüht. Auch das letzte Bild, der verdorrte Löwenzahn, ist noch ein Kunstwerk. Ich lerne daraus, dass jede Lebensphase wichtig und wertvoll ist. Der Löwenzahn ist mein bester Lehrmeister.

 

Können Sie uns vielleicht eine kleine Geschichte erzählen, die verdeutlicht, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Ich wurde gebeten in der “Sternstunde”, die 4 x im Jahr in einer Institution angeboten wird, den Text “Glaube, Hoffnung, Liebe” darzustellen. Ich erzählte einer Bewohnerin mit Demenz, dass ich an meine Grenze stoße und nicht weiß, wie ich den Glauben darstellen soll. Sie antwortet: “Das ist schwer.” Ich stimme ihr zu. Nach kurzer Zeit sagte sie: “Das ist doch wie die Hände von Albrecht Dürer.” Wir nutzten diese Anregung, gestalteten ein Szene und schenkten zum Abschluss jedem die Kunstkarte der “Betenden Hände” von Albrecht Dürer.
Menschen mit Demenz sind wie Seismographen. Sie spüren bedeutend mehr als wir. Sie nehmen die Atmosphäre und Haltung der Begleitenden sehr feinfühlig wahr.

 

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Mein Wunsch ist, dass Menschen mit Demenz nicht mehr stigmatisiert werden, sondern Teilhabe und Raum für ihr “Sosein” in unserer Gesellschaft erhalten, dass ihre Kompetenzen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Weiterhin wünsche ich mir, dass mein Anliegen gehört, verbreitet und gelebt wird.

 

Herzlichen Dank, Frau Schröder!!!

 

 



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*

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