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Die erste Fahrt – Eine Bewegungsgeschichte zum Thema Auto

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Bei dieser Bewegungsgeschichte für Senioren und Menschen mit Demenz geht es um das Thema Auto.
Die Senioren sitzen in einem Stuhlkreis. Immer wenn in der Geschichte bewegliche Körperteile, wie z.B. Arme, Hände, Füße, der Kopf, Beine, Zehen, Finger, Augenbrauen, Nase…, vorkommen, werden diese von den Teilnehmern bewegt.
Auf nicht-bewegliche Köperteile, wie Augen, Mund, Haare, Hals, Ohren…zeigen die Senioren mit dem Finger. Beim Po heben Alle das Gesäß einmal kurz an und setzen sich dann wieder.

Die erste Fahrt

Gestern habe ich endlich meinen Führerschein bestanden. Mit schweißnassen Händen saß ich im Auto und fuhr durch die Stadt. Ich war so nervös, so aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Selbst meine Füße zitterten auf dem Gaspedal, von meinen Knien wollen wir gar nicht reden…
Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass mein Bauch sich einmal rechtsrum und dann wieder links herum dreht. Nachdem ich von der Autobahn runter gefahren war und ich mit wachem Auge eingeparkt hatte, war es dann aber endlich geschafft: Ich hielt meinen eigenen Führerschein in beiden Händen! Mein Fahrlehrer klopfte mir mehrmals auf die Schultern und ich machte vor Freude einen so hohen Luftsprung, dass mir beim Aufkommen auf dem Boden die Füße weh taten.
Ich verabschiedete mich mit einem Handschlag und trat mit beiden Beinen in die Pedale meines Fahrrads um nach Hause zu fahren. Meine Mutter erwartete mich schon ungeduldig. Als ich ihr freudig um den Hals fiel wusste sie sofort Bescheid. In ihrem linken Augenwinkel sah ich eine kleine Freudenträne aufblitzen. Ich war froh, es geschafft zu haben und konnte die Erleichterung in meiner Brust förmlich spüren.
Die nächste große Prüfung stand allerdings noch bevor. Am Abend wollte ich eine Probefahrt mit Vaters Auto machen. Für Vater war sein Auto sein ein und alles, er hegte und pflegte es wie seinen Augapfel. Als ich in den letzten Tagen davon schwärmte, nach der bestandenen Prüfung endlich mit dem Auto fahren zu dürfen, sah ich, wie seine Augenbrauen nervös zuckten. Mehr ließ er sich aber nicht anmerken.
Vater kam gestern Abend später als sonst. So aßen wir erst zu Abend und mussten das Fahren auf nach dem Essen verschieben. Es war aber noch genug Zeit, schließlich war ich alt genug um auch später schlafen zu gehen.
Bevor er mir die Schlüssel in die Hand gab zögerte Vaters Arm ein wenig, schließlich hatte ich sie aber in den Händen. Vater setzte sich mit seinem Po auf den Beifahrersitz und stellte ihn erst einmal für seine Beinlänge ein. Normalerweise sitzt er ja nur auf der Fahrerseite. Meine Mutter hat  keinen Führerschein.
Plötzlich wurde ich auch wieder aufgeregt, meine Hände schwitzten und auf meiner Stirn bemerkte ich auch einige Schweißperlen. Ich fuhr langsam und mit Bedacht. Meine Füße gewöhnten sich schnell an das unbekannte Auto. Und auch das Gesicht meines Vaters entspannte sich nach einiger Zeit als er merkte, dass ich gut mit seinem Auto umging. Nach zehn Minuten lösten sich sogar seine verkrampften Finger vom Haltegriff.
Als ich schließlich mit aufmerksamem Auge in unsere Garage hinein fuhr merkte ich, wie sich auch die Schultern meines Vaters entspannten. Ich machte die Tür mit meiner linken Hand zu, schloss ab und hielt Vater mit der rechten Hand den Schlüssel hin. Er klopfte mir mit seiner rechten Hand auf den Rücken und sagte: „Behalt ihn noch! Vielleicht möchtest du ja gleich noch alleine eine kurze Ausfahrt machen.“



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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