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Das Seniorenkaufhaus

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Im Gespräch mit Harald Altekrüger

Hallo Herr Altekrüger, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Harald Altekrüger, geboren im Jahre 1955. Nach 45 Arbeitsjahren (23 Jahre Telekom und 22 Jahre Pflege) gehe ich nun in Rente. Bereits vor längerer Zeit habe ich mir etwas aufgebaut, dass diesen schönen Lebensabschnitt nun ausfüllen wird. Ich bin voller Ideen, die ich nun verwirklichen kann. Die Pflege- und Betreuungsbereiche liegen mir hier besonders am Herzen. Der vor einigen Jahren neu installierte Betreuungsbereich für Senioren hat eine Berufsgruppe hervorgebracht, die eine so schöne und wichtige Arbeit machen. Keine andere Berufsgruppe ist dermaßen engagiert und in den sozialen Netzwerken untereinander so stark vernetzt, wie die Betreuungskräfte. Andererseits fehlt es genau dieser Berufsgruppe noch dringend an der verdienten Wertschätzung, von allen Seiten. Dies immer wieder hervorzuheben und unterstützend einzuwirken ist mir ein besonderes Anliegen.

Vor vier Jahren haben Sie „Das Seniorenkaufhaus“ ins Leben gerufen. Was bieten Sie an und wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Während meiner Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft hatte ich als Abschlussprojekt „Spielkarten für Senioren als Erinnerungsspiel“ entwickelt. Damit hatte ich zwar den Abschluss bestanden, sie fanden jedoch keine Abnehmer, da sie zu teuer in der Herstellung waren und vielleicht auch nicht professionell genug.
Seitdem ließ mich aber die Idee nicht mehr los, etwas Schönes und Bleibendes für die Senioren zu schaffen. Mehrere erfolglose Projekte folgten, z.B „Handmade von und für Senioren“ oder „Aktivierungskisten für Senioren“. Hierfür hatte ich finanziell derart viel investiert, dass das Finanzamt mein Gesamtminus nicht mehr akzeptieren wollte. Die Rettung kam aus Berlin. Die Macher der CD „Mit Musik in die Erinnerung – Biografische Bewegungslieder“ kamen auf mich zu und boten mir an, ihre CD in meinen Online-Shop aufzunehmen. Das war bahnbrechend und der Anfang des Erfolges für „Das Seniorenkaufhaus“. Ich fing an, bei einigen Verlagen weiteres Betreuungsmaterial einzukaufen und kann mittlerweile ein stattliches Sortiment vorweisen.

Neben Büchern, Spielen und Aktivierungsmaterialien bieten Sie eben auch alte Spiele, Werkzeuge, Stifte mit bekannten Werbesprüchen von damals, alte (nicht beschriebene) Kellnerblöcke, Blechdosen, Reichskleiderkarten, Portrait-Quartetts und noch viel, viel mehr an. Woher haben Sie all diese Schätze?

Zu allererst muss ich sagen, dass ich diese alten Dinge liebe. Ein Großteil kenne ich noch aus meiner eigenen Kindheit. Während meiner aktiven Zeit in der Pflege hatte ich den gesamten Wohnbereich damit dekoriert und konnte immer wieder feststellen, welch positive Wirkung diese alten Dinge auf die Bewohner und auch Angehörigen hatte.
Angeschafft habe sie ich zum Teil von Flohmärkten und bei ebay.
Es ist halt doch ein Unterschied, ob man den Senioren Fotos von alten Dingen zeigt, oder ob sie sie selbst noch einmal in die Hand nehmen können.
Man glaubt gar nicht, wieviel unterschiedliche Geschichten zu einem und demselben Gegenstand da zu Tage kommen.
Außerdem ist dies eine von mehreren Möglichkeiten, mich von bekannten Megaanbietern abzusetzen und zu unterscheiden, was wirklich nicht einfach ist, obwohl ich viele der klassischen Betreuungsmaterialien günstiger anbiete.

Seit Anfang des Jahres führen Sie ebenfalls einen sogenannten Seniorenkiosk. Welche Idee steckt dahinter, wer kann zu Ihnen kommen und wie gestaltet sich das Ganze für Sie im Alltag?

Ja, der Seniorenkiosk. Mein zweites Lieblingsprojekt und eine sehr schöne und sinnvolle Beschäftigung für meine Rentenzeit.
Ich bin ein Mensch, der sich mit Missständen nur sehr schwer abfinden kann.
Ein Pflegeheim bietet den Senioren in vielen Bereichen große Entlastung in Dingen, die ihnen körperlich oder geistig mittlerweile sehr schwer fallen bzw. ohne fremde Hilfe gar nicht mehr bewältigen können.
Die Tatsache jedoch, dass sie sich zum allergrößten Teil nicht einmal die kleinsten Wünsche selbständig erfüllen können (was wir fast täglich bei Einkäufen oder Stadtbummeln machen) ist für mich nicht akzeptabel.
Mit dem Seniorenkiosk möchten wir diese Versorgungslücke schließen, zumindest vorerst im kleinen Rahmen. Aber es kann ja noch wachsen, denn das Problem besteht bundesweit.
Bei uns bleiben fast keine Wünsche offen, von Schokolade, Bonbons, Gebäck und Getränken, ein umfangreiches Angebot von Pflegeartikeln, über Kleidung bis hin zum Fernseher. Was wir nicht vorrätig haben, wird besorgt.
Wir, mein Sohn und ich, fahren 3 mal wöchentlich über die Wohnbereiche. Hier können sich die Senioren schon einmal ihre kleinen Wünsche selbstständig erfüllen.
Daneben nehmen wir Bestellungen von den Bewohnern selbst, den Angehörigen und rechtlichen Betreuern auf.
Selbstverständlich werden auch die nicht vergessen, die nicht mehr mobil sind oder aufgrund einer Demenz ihre Selbständigkeit größtenteils verloren haben.
Wir schaffen Entlastung für Pflege- und Betreuungskräfte, für Angehörige und rechtliche Betreuer.
Hier haben wir mittlerweile ein Know-how entwickelt, das wir auch gerne weiter geben.

Ich finde Ihre Ideen und Ihr Engagement großartig! Bekommen Sie Rückmeldungen aus den Einrichtungen oder von den Angehörigen, Pflege- oder Betreuungskräften, wie besonders die Aktivierungsmaterialien ankommen?

In der Adventszeit 2017 habe ich über facebook ein Advent-AktivQuiz veranstaltet.
Dazu habe ich an jedem Advent ein Foto eines antiken Gegenstandes hochgeladen. Dieser Gegenstand musste benannt werden, ebenso die frühere Verwendung.
Hier eine schöne Rückmeldung, die eine Betreuungskraft in meinem Gästebuch hinterlassen hat:

„Hallo Herr Altekrüger, Ihre Nachricht über meinen Gewinn beim Advent-AktivQuiz-2017 vom 3. Dezember habe ich erhalten. Ich freue mich sehr darüber, denn ich bin Alltagsbegleiterin in einem Seniorenheim und die Lösung habe ich mit Hilfe der Senioren gefunden. Die Gruppe war skeptisch, ob es sich lohnen würde überhaupt teilzunehmen. Ich sagte ihnen aber, dass wir es nie rausfinden, wenn wir nicht teilnehmen. Auch war es den Senioren wichtig, daß sie erfahren, ob wir die richtige Lösung gefunden haben. Ich freue mich sehr und wie werden sich erst die Senioren freuen!!!
Mit vorweihnachtlichen Grüßen“

Bei dem zu erratenden Gegenstand handelte es sich um einen antiken Miederhaken.



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Würden Sie uns eine kleine Geschichte oder Anekdote erzählen, die zeigt, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Bei einem Rundgang mit unserem Kioskwagen über einen Wohnbereich trafen wir auf eine Gruppe von vier älteren Damen, zwei davon auf einem Sofa sitzend, die beiden anderen im Rollstuhl. Auf meine Frage, ob sie sich etwas kaufen möchten, kam von drei Damen die Antwort: „Gerne, aber wir haben leider kein Geld dabei“. Die vierte Dame hatte etwas Kleingeld in ihrer Geldbörse und kaufte eine Schokolade Trumpf Schogetten. Wir gingen weiter und als wir zurückkamen, hatten alle vier Damen Schokolade im Mund. Das hat mich sehr gefreut und auch berührt. Es hat mich an meine Kindheit erinnert. Geld gab es kaum und wenn ein Kind ein paar Cent hatte, wurde gekauft und mit anderen geteilt.

Von einem anderen Herrn kam die selbe Antwort: „Ich habe kein Geld“. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich in seinem Fall mit seinem rechtlichen Betreuer abrechne und dass er bei Einkäufen kein Bargeld benötige. „Oh, das ist ja toll“, sagte er und kaufte Cola, Kekse und Schokolade. Ich habe ihn nie zuvor so glücklich gesehen, wie bei diesem Einkauf.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Oh, ich kann nicht sagen, dass ich wunschlos glücklich bin. Meine Arbeit macht mir riesigen Spass und es bereitet mir immer wieder sehr viel Freude, den Menschen mit kleinen Dingen ebenso so viel Freude bereiten zu können.
Daher mein Logo und Slogan:

Das Seniorenkaufhaus. Freude geben – Freude erleben

Ich wünsche mir mehr Anerkennung und Wertschätzung der Berufsgruppe Betreuungskräfte. Ideal wäre eine qualifizierte Ausbildung, ähnlich wie inzwischen die der Altenpflege.
Für die Pflege wünsche ich mir ebenso mehr Anerkennung und einen längst fälligen besseren Personalschlüssel.
Von den Pflegeeinrichtungen wünsche ich mir, dass sie künftig mehr in Betreuungsmaterialien investieren. Betreuungskräfte sind hier sehr kreativ, stellen das Nötige oft selbst her und unterstützen sich gegenseitig. Doch ganz kommt man um das klassische Material aus verschiedenen Verlagen eben nicht herum.
Zum Schluss wünsche ich mir, dass es mehr Menschen gibt, die es mir, bezüglich des Seniorenkiosks, gleich tun. Es ist eine wunderschöne Aufgabe. Und wer hier noch Unterstützung und Tipps benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

Herzlichen Dank, Herr Altekrüger!!!

Zur Website: das-seniorenkaufhaus.de

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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