Das Futterhäuschen. Eine Monatsgeschichte für den Januar

Wenn im Januar eine geschlossene Schneedecke liegt und die Vögel bei dem Frost kein Futter mehr finden, dann sollte man ein Futterhäuschen aufstellen. “Das Futterhäuschen” ist unsere Geschichte für den Januar zum Vorlesen oder Selberlesen für die Senioren.

Das Futterhäuschen

Brrr, was war das wieder für ein kaltes Wetter! Thomas wollte erst gar nicht aufstehen, weil es einfach viel zu gemütlich unter der warmen Bettdecke war. Aber dann bekam er Kaffeedurst, schlug die Decke zur Seite und huschte in die Küche. Er befüllte die Kaffeemaschine und drehte den Regler der Heizung auf. Dann schlurfte er ins Bad, um sich zu waschen. Das ging an diesem Morgen besonders schnell. Es war einfach zu kalt. Thomas zog sich die lange, wollene Unterhose an und darüber die dicke Cordhose. Dann ein Flanellhemd und den Winterpullover. Den hatte seine Frau schon vor dreißig Jahren gestrickt und er wärmte immer noch. Thomas hörte die Kaffeemaschine gurgeln und konnte den Duft des Kaffees bis ins Schlafzimmer riechen. Er öffnete weit die Fenster, um zu lüften.

Vor ihm erstreckte sich eine wunderschöne Winterlandschaft. Vor ein paar Tagen hatte es kräftig geschneit. Auf den Dächern der Häuser, auf Zäunen und Wegen, auf Bäumen und Büschen lag zentimeterdick der Schnee. Seit gestern war es klirrend kalt. Die Sonne schien von einem eisblauen Himmel und ließ den Schnee wie Diamanten glitzern. Von den Dachrinnen hingen zentimeterlange Eiszapfen und auf der Fensterscheibe hatten sich doch tatsächlich Eisblumen gebildet.

Zwei Meisen saßen in den kahlen Zweigen des Forsythienstrauches. Sie hatten ihr Gefieder aufgeplustert und ließen sich von einem Sonnenstrahl wärmen. Das erinnerte Thomas daran, dass er unbedingt nach dem Futterhäuschen im Garten schauen wollte. Er trank seinen Kaffee und aß ein Marmeladenbrot, dann zog er die warmen Winterstiefel an. Er schlüpfte in die Daunenjacke und setzte die Mütze auf den Kopf. Aus der Vorratskammer nahm er die Tüte mit dem Vogelfutter und zwei Meisenknödel und ging in den Garten.
Rund um das Futterhäuschen lagen nur noch die Hülsen der Sonnenblumenkerne und die Meisenknödel waren auch aufgefuttert. Thomas holte das Kehrblech aus der Küche und fegte die Überreste auf, dann streute er neues Futter ins Vogelhäuschen. An einen tiefhängenden Zweig band er die Meisenknödel an. Zum Schluss legte Thomas noch ein paar Apfelschnitze in das Futterhäuschen. Nicht nur die beiden Meisen beobachteten ihn genau. Auch ein paar Amseln und Grünfinken kamen herbeigeflogen, ließen sich rund um das Futterhäuschen in den Zweigen nieder und warteten darauf, dass Thomas sich entfernte.

Das machte er jetzt auch. Er blies noch einmal kräftig in seine Hände und rieb sie, dann nahm er das Kehrblech, den Feger und die nun leere Tüte des Vogelfutters mit ins Haus.
Nachdem er Stiefel und Jacke ausgezogen hatte, setzte er sich ans Küchenfenster und beobachtete das bunte Treiben am Futterhäuschen. Ein Dompfaff näherte sich vorsichtig und auch ein paar Buchfinken versuchten an der üppigen Mahlzeit teilzunehmen. Als allerdings ein Eichelhäher angeflogen kam, flog die ganze Vogelschar auseinander.
Thomas lachte leise über die gefiederten Tiere. Es war doch sehr interessant, das Verhalten der Vögel zu beobachten. Er trank noch einen Schluck Kaffee und überlegte, dass er später in den Laden gehen und neues Vogelfutter kaufen müsste. Es war seine Aufgabe, immer für Nachschub im Futterhäuschen zu sorgen. Die frostige Kälte würde das Wetter noch eine Weile bestimmen und der Januar war noch lang.

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Monika

© by Monika Kaiser. Buchhändlerin, Betreuungskraft, Autorin bei Mal-alt-werden.de

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