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Adventskalender-Geschichten 2019 – 2. Dezember: Der kleine Esel… und die Zeit

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Vor ein paar Tagen machte der kleine Esel einen Ausflug in die Stadt. Gemütlich trabte er über einen Feldweg, ging ein Stück durch den Wald und lief am Ende eine schmale Straße entlang. Je näher er der Stadt kam, desto voller wurde es um ihn herum. Autos hupten, Menschen mit vollen Taschen überholten ihn und von überall her tönte Musik aus den Geschäften. Allerdings so durcheinander, dass er kein einziges Lied aus den Tönen heraushören konnte.
Der Esel ließ sich von der Menge und der Hast der Menschen antreiben. So lief er quer durch die Stadt, von einer Ecke zur anderen, ohne sich irgendetwas angeschaut zu haben. Als er nach einiger Zeit völlig aus der Puste war, beschloss er, einfach stehen zu bleiben. Und das tat er. Zunächst spürte er, wie einige Menschen gegen sein Hinterteil stießen. Anscheinend hatten sie nicht bemerkt, dass er stehen geblieben war. Er schlenderte in eine Seitengasse. Dort lief die Zeit plötzlich langsamer. Er sah einen Vater mit seinem Sohn, die sich in aller Ruhe eine Schaufensterscheibe ansahen. Vorsichtig näherte er sich den beiden. Das Schaufenster war wunderschön geschmückt. Eine Winterlandschaft war dort aufgebaut. Die Berge und Täler waren mit Schnee bedeckt. Auf einem zugefrorenen See liefen ein paar Kinder mit gestreiften Mützen Schlittschuh. Und da fuhr ein Zug durch das Tal. Es gab sogar einen Bahnhof, an dem er Runde für Runde Halt machte.
Der kleine Esel stand neben Vater und Sohn und merkte gar nicht, wie die Zeit verging. Er wurde vollkommen in den Bann dieses Fensters gezogen. Überall standen und hingen kleine Lichter, die der Landschaft etwas einzigatiges und zauberhaftes verliehen.
Am Ende der Gasse zogen die Menschen mit ernsten Gesichtern hastig an ihnen vorbei und niemand sonst bemerkte das wunderschöne Bild, das sich den dreien vor dem Geschäft bot.
Gegen Nachmittag wurde der Vater auf einmal auf die vergangene Zeit aufmerksam. Er wollte gerade sagen, dass er sich ja eigentlich so viel für den Tag vorgenommen hatte, hielt aber ein, als er das glückliche Gesicht seines Sohnes sah, der immernoch fasziniert dem Zug hinterhersah. Dem Esel ging das Herz auf. Hatten die drei einen so wunderbaren Tag erlebt – nur weil sie sich die Zeit genommen haben, einen Moment innezuhalten. Weil sie mit offenen Augen durch die Welt gegangen sind. Sich nicht haben von der Eile mitreißen lassen.
Der kleine Junge streichelte den Esel zum Abschied und hüpfte dann glücklich und zufrieden an der Hand seines Vaters die Gasse entlang. Der kleine Esel ging in die andere Richtung. Er trottete gemütlich durch die Stadt und ließ sich von niemandem aus der Ruhe bringen. Er lief über die schmale Straße, durch das Waldstück und den Feldweg. Bis, ja bis er schließlich wieder in seinem gemütlichen Stall ankam. Er legte sich auf das Stroh und träumte von der schönen Winterlandschaft, die ihn an diesem Tag so verzaubert hatte…

Weitere Geschichten für den Adventskalender oder zum Vorlesen beim Adventskaffeetrinken können Sie sich unter dem Stichwort Adventsgeschichten ausdrucken.

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Diese Adventskalender-Geschichte vom kleinen Esel ist 2019 schon erschienen:



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1. Dezember: Der kleine Esel… und das Kerzenlicht



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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