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Sonntagsessen. Eine Entspannungsgeschichte

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Bereiten Sie für diese Entspannungsgeschichte einen ruhigen Raum vor. Bitten Sie die Senioren, sich so bequem wie möglich hinzusetzen. Wer möchte, darf beim Zuhören gerne die Augen schließen.

Sonntagsessen

Ein angenehmer Duft von frisch angebratenen Zwiebeln zieht durch das Haus. Aus der Küche hört man das Klappern von Geschirr und das Schneiden des Küchenmessers auf dem Holzbrett. Von irgendwo her kommt Glockengeläut. Sie läuten zur Mittagszeit. Es ist Punkt zwölf Uhr.
Jonathan schaut aus dem großen Fenster in der Stube in den Garten. Die Sonne scheint. Er spürt ihre Wärme auf seiner Haut. Eine halbe Stunde hat er noch Zeit, dann gibt es Essen. Jonathan mag die sonntäglichen Essen zuhause sehr. Dann sind alle da und haben Zeit für ihn. Der Duft, der an den Sonntagen durch das ganze Haus zieht ist für ihn etwas ganz Besonderes. Mal duftet es nach Rouladen mit Kartoffelklößen, mal nach Rostbraten mit selbstgemachten Spätzlen. Am allerliebsten isst Jonathan den Sauerbraten seines Vaters. Mit Kartoffeln und Rotkohl.
Am Sonntag dürfen alle in der Stube essen. Mama deckt das gute Geschirr und das Sonntagsbesteck. Die schönen Gläser stehen auf dem Tisch und jeder bekommt eine gebügelte Stoffserviette. Jonathan mag es sehr, von dem guten Geschirr zu essen, dann fühlt er sich immer fast wie erwachsen. Er genießt die Zeit mit Mama und Papa, Oma und Opa und seinen beiden Brüdern. Beim Sonntagsessen wird nicht gezankt, sondern nur von den besonderen Momenten der letzten Woche erzählt. Jonathan isst dann immer besonders langsam. Er genießt jeden Bissen, lässt sich das Fleisch und die Klöße ganz langsam auf der Zunge zergehen und lauscht gespannt den Erzählungen von Oma und Opa. Die beiden haben eigentlich immer etwas zu erzählen.
Jonathan schaut immer noch durch das Fenster in den Garten. Das Glockengeläut hat aufgehört. Jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Aus der Küche kommt ein himmlischer Duft, der ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Ganz langsam geht er an der Küchentür vorbei und versucht, so viel von dem Duft wie möglich in sich aufzusaugen. Er öffnet die Haustür und setzt sich auf die Treppenstufen. Das macht er immer, wenn er auf Oma und Opa wartet. Draußen ist es ruhig. Durch die gekippten Fenster der Nachbarhäuser dringt ebenfalls leises Geschirrklappern. Ab und an hört Jonathan, wie jemand den Kochlöffel am Topfrand abklopft. Er atmet einmal tief ein und aus. In ihm macht sich ein tiefes Glücksgefühl breit. Noch lange könnte er hier sitzenbleiben, auf der Stufe vor dem Haus. Im Sonnenschein unter tiefblauem Himmel. Die Geräusche aus der Küche geben ihm immer die Gewissheit, dass seine Eltern da sind. Der Duft, der durch die Ritzen strömt, fühlt sich sehr vertraut an. Ja, es geht ihm gut. Jonathan atmet noch einmal tief ein und aus, er ist vollkommen zufrieden. Bis seine Großeltern kommen wird er noch einen Moment lang hier auf den Stufen in der Sonne sitzen und dem Klappern aus der Küche lauschen…

Weitere Entspannungsgeschichten und passende Übungen finden Sie in unseren Fantasiereisen.



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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