Umgang mit Suizidäußerungen im Seniorenheim. Fachlich sicher reagieren
„Ich will nicht mehr leben.“ – Wenn solche Sätze im Alltag einer Senioreneinrichtung fallen, entsteht bei vielen Mitarbeitenden zunächst Unsicherheit. Was ist ernst gemeint? Was ist Ausdruck von Verzweiflung? Und wie sollte professionell reagiert werden? Wenn Sie psychische Erkrankungen im Alter fundiert verstehen und in Krisensituationen klar und fachlich sicher handeln möchten, empfehlen wir unsere Online-Fortbildung „Psychische Erkrankungen im Alter“. Dort werden Warnsignale, Risikoeinschätzung und professionelle Rollenklärung praxisnah vermittelt. Jetzt informieren!
Suizidäußerungen im Alter – häufiger als gedacht
Suizidgedanken treten im höheren Lebensalter nicht selten im Zusammenhang mit Depression, schwerer körperlicher Erkrankung, chronischen Schmerzen oder ausgeprägter Einsamkeit auf. Wichtig ist: Nicht jede Äußerung ist automatisch eine konkrete Suizidabsicht. Aber jede Äußerung verdient Aufmerksamkeit.
Sätze wie „Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre.“ oder „Wozu lebe ich überhaupt noch?“ dürfen nicht bagatellisiert werden. Auch wenn sie ruhig oder beiläufig ausgesprochen werden, sind sie ein möglicher Hinweis auf eine ernstzunehmende innere Not.
Häufige Fehlreaktionen im Alltag
Aus Unsicherheit reagieren manche mit schnellem Widerspruch („So etwas dürfen Sie nicht sagen.“) oder mit Beschwichtigung („Das meinen Sie doch nicht so.“). Andere wechseln aus Angst das Thema. Beides kann dazu führen, dass sich die betroffene Person nicht ernst genommen fühlt.
Professionelles Handeln bedeutet nicht, sofort Lösungen zu liefern. Es bedeutet, ruhig zu bleiben und das Gesagte anzusprechen.
Gesprächsführung bei Suizidäußerungen
Zunächst ist Zuhören entscheidend. Eine ruhige Nachfrage wie „Was macht es im Moment so schwer für Sie?“ öffnet Raum, ohne Druck aufzubauen. Wichtig ist eine akzeptierende Haltung. Gefühle dürfen benannt werden, ohne sie zu bewerten.
Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass das Nachfragen Suizidgedanken „verstärkt“. Im Gegenteil: Offenes Ansprechen kann entlasten. Gleichzeitig ist klar: Die soziale Betreuung übernimmt keine Krisenintervention im therapeutischen Sinne.
Warnsignale besonders ernst nehmen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen konkrete Hinweise auf Absicht, Vorbereitung oder Abschied. Auch ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, starke Selbstabwertung oder ein plötzlicher Rückzug nach längerer innerer Unruhe sind Warnsignale. Jede Äußerung und Beobachtung muss dokumentiert und weitergegeben werden.
Klare Handlungsschritte im Überblick
• ruhig bleiben
• aktiv zuhören und nachfragen
• Aussagen nicht bagatellisieren oder bewerten
• keine Versprechen geben, die nicht gehalten werden können
• umgehend Pflegepersonal informieren und das Gespräch zeitnah dokumentieren
• im Team Rücksprache halten
Diese Schritte schaffen Sicherheit im Handeln.
Zusammenarbeit mit Pflege und Ärzteschaft
Suizidäußerungen gehören immer in den interdisziplinären Austausch. Pflegefachkräfte können ärztlichen Kontakt herstellen. Je nach Situation ist eine zeitnahe psychiatrische Abklärung notwendig.
Wichtig ist die klare Rollentrennung. Die soziale Betreuung begleitet, hört zu und beobachtet. Diagnostik, Risikoabschätzung und therapeutische Maßnahmen liegen in ärztlicher Verantwortung. Fachärztinnen und Fachärzte sind auf präzise Beobachtungen aus dem Alltag angewiesen. Diese liefern eine wichtige Grundlage für Entscheidungen.
Eigene Belastung ernst nehmen
Suizidäußerungen können emotional stark belasten. Unsicherheit, Angst oder Schuldgefühle sind normale Reaktionen. Deshalb ist kollegialer Austausch wichtig. Niemand sollte solche Situationen allein tragen.
Professionelle Nähe bedeutet nicht, Verantwortung allein zu übernehmen. Sie bedeutet, aufmerksam zu sein, angemessen zu reagieren und die richtigen Stellen einzubeziehen.
Der Umgang mit Suizidäußerungen im Seniorenheim erfordert Sensibilität, Fachwissen und Teamarbeit. Mit einer ruhigen, klaren Haltung und klaren Abläufen kann Sicherheit für alle Beteiligten entstehen.
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