Sternschnuppen. Eine Hoffnungsgeschichte

 
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Wenn man Sternschnuppen sieht, soll man sich etwas wünschen. Manchmal gehen die Wünsche auch in Erfüllung, aber anders als man denkt. Eine Hoffnungsgeschichte zum Vorlesen für Senioren

Sternschnuppen

Es war ein kalter Januarmorgen in den 60er Jahren. Ruth hatte Nachtschicht im Krankenhaus und war nun auf dem Weg nach Hause. Sie schob ihr Fahrrad durch den hartgefrorenen Schnee. Ihr Hände waren eiskalt und sie blieb stehen, um die Hände zu reiben, damit sie wieder warm würden. Dabei schaute sie nach oben in den Himmel und bestaunte die glitzernden Sterne. Da! War das nicht gerade eine Sternschnuppe? Und da! Da war noch eine! Ruth wünschte sich nichts sehnlicher als endlich schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen. Sie war mit Rudolf jetzt schon seit fünf Jahren verheiratet und es war nicht so, dass sie es nicht immer wieder probierten. Auch Rudolf wartete mittlerweile ungeduldig auf Nachwuchs, doch jeden Monat stellte sich pünktlich ihre Regel ein und es sollte und sollte nicht klappen.
Auch wenn es albern war, aber Ruth wünschte sich bei der nächsten Sternschnuppe ganz fest ein Kind. Schaden konnte es ja nicht.

Das war jetzt rund 60 Jahre her. Es war wieder ein kalter Januarmorgen und Ruth stand an ihrem Fenster im Seniorenstift und schaute in den Himmel. Da! Da fiel doch wirklich wieder eine Sternschnuppe vom Himmel und Ruth musste an ihren damaligen Wunsch denken.

 
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Ihr Wunsch war in Erfüllung gegangen, aber nicht so wie Ruth und Rudolf es sich vorgestellt hatten. Rudolfs Schwester und Schwager hatten im darauffolgenden Frühjahr einen tödlichen Autounfall. Die beiden Patenkinder Rudolfs waren nun Waisen. Thomas war fünf Jahre alt und Elke drei. Ruth und Rudolf brauchten nicht lange überlegen. Natürlich würden die beiden Kinder zu ihnen ziehen und sie würden sich um sie kümmern. Ruth gab ihren Beruf als Krankenschwester auf um ganz für die Kleinen da zu sein. Zuerst wohnten die beiden zusammen in dem Kinderzimmer, dass Ruth eigentlich für ihr eigenes Kind geplant hatte. Später baute Rudolf den Dachboden aus. Es war am Anfang nicht einfach, denn die beiden Kinder trauerten ihren Eltern nach und verstanden nicht, warum sie jetzt bei Onkel und Tante bleiben mussten. Auch für Ruth war es eine schwere Zeit, denn eigentlich hatte sie sich ein eigenes Kind gewünscht. Doch mit der Zeit wuchsen alle vier zu einer Familie zusammen und hatten sich sehr lieb. Die Kinder entwickelten sich zu freundlichen und fleißigen Schülern und später zu verantwortungsvollen und erfolgreichen Erwachsenen. Sie besuchten und halfen ihren alten Zieheltern sehr und auch jetzt, wo Rudolf tot war und Ruth im Altenheim lebte, kamen sie oft zu Besuch.

„Ach Frau Fischer, was stehen Sie denn hier in der Kälte am Fenster! Sie werden noch krank.“ Die Schwester kam zur morgendlichen Pflege ins Zimmer. „Und das wäre doch wirklich schade, denn heute kommt doch ihr Sohn um sie zur Hochzeitsfeier der Enkeltochter abzuholen.“
Ruth schloss das Fenster und zog die Vorhänge vor. Ja, Enkelkinder hatte sie auch.

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Monika

© by Monika Kaiser. Buchhändlerin, Betreuungskraft, Autorin bei Mal-alt-werden.de

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