Unsere Adventskalendergeschichte 2023: 3. Dezember – Das Kinderkarussell

3. Dezember – Das Kinderkarussell

„Mensch, det ham se aber jut jemacht“, sprach mit brummiger Stimme jemand Peter an.

Dieser schaute sich erstaunt um und erblickte einen kleinen Mann mit kugelrundem Bauch, einer Schiebermütze auf dem Kopf und Pfeife rauchend.

„Na, nu kann ick ja wieder meine Pferdchen zum Laufen bringen“, meinte er und watschelte zum Kinderkarussell hinüber, das eine Pause eingelegt hatte, während die Kinder sangen.

Doch jetzt rief Erwin, der kleine, dicke Mann, wieder: „So, ihr Kleenen, jetzte jeht die Fahrt weiter! Sucht euch een Pferdchen aus und fahrt mit!“

„Papa! Papa!“ Bärbel zupfte an Peters Mantel. „Ich will jetzt auch Karussell fahren!“

„Ja, ja! Such dir mal ein Pony aus!“

Bärbel stellte sich vor das Kinderkarussell und schaute. Welches Pferd sollte sie nehmen? Das rosafarbene sah so hübsch aus, aber das weiße mit den blauen Zügeln schien ihr zuzuzwinkern. Die waren alle so süß! Das fanden die anderen Kinder auch und schwuppdiwupp waren auch schon alle Pferdchen besetzt.

„Was ist denn, Bärbel?“, fragte ihr Papa. „Willst du nun doch nicht mitfahren?“

Bärbel kamen die Tränen. Natürlich wollte sie mitfahren! Aber sie wollte sich nur auf das schönste Pferd setzen, und sie wusste nicht, welches das war – und wenn, dann saß da schon jemand.

„Nu, kleenes Mädchen! Wat is denn? Kommste mit oder nischte?“ Erwin schaute Bärbel erwartungsvoll an.

„Och, beim nächsten Mal“, flüsterte Bärbel. Es war eh nur noch ein Platz im Feuerwehrauto frei, und da wollte Bärbel bestimmt nicht sitzen.

Während dieser Runde hatte sie Zeit, alle Pferde genau zu begutachten und sich das schönste auszusuchen. Das fand sie dann auch – ein Falbe mit rosa Zaumzeug. Als das Karussell wieder hielt, drängelte sich Bärbel zu ihrem auserwählten Pferdchen durch; und sie hatte Glück, es wurde frei! Papa hob sie auf den Rücken, bezahlte und dann ging der Ritt auch schon los. Bärbel war selig! Sie liebte Pferde und gerne wäre sie auf einem echten Pony geritten. Aber sie stellte sich einfach vor, dass das Karussellpferd ein echtes Pony wäre und sie über schneebedeckte Wiesen und Hügel mit ihm reiten würde. Sie fühlte sich frei und abenteuerlustig. Viel zu schnell endete diese Fahrt, aber Peter sah, wie glücklich seine Tochter aussah, und so durfte sie noch ein paar Runden drehen.

Allmählich wurde es dunkel und die Lichterketten und Lampen leuchteten. Bärbel fröstelte leicht, während sie sich auch ein wenig langweilte. Sich immer nur im Kreis zu drehen, war auf Dauer doch etwas öde. Peter hob sie von ihrem Pferdchen, dem sie zum Abschied noch einen liebevollen Klaps gab.

„Na denn mal tschüss, kleene Dame!“, meinte Erwin. „Kannst jerne morjen wiederkommen!“

„Oh ja, Papa! Morgen gehen wir wieder zum Weihnachtsmarkt!“

„Na mal schauen!“, meinte Papa, der in Gedanken die Kosten für die Fahrten mit dem Kinderkarussell überschlug, wenn Bärbel jeden Tag damit fahren wollte. „Jetzt gehen wir erst mal nach Haus!“

Fröhlich stapften die beiden durch den Schnee nach Hause.

 

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Diese Geschichten unseres Adventskalenders 2023 sind bereits erschienen:

  1. Dezember – Endlich wieder Weihnachtsmarkt!
  2. Dezember – Weihnachtslieder

Monika

© by Monika Kaiser. Buchhändlerin, Betreuungskraft, Autorin bei Mal-alt-werden.de

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