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Sucht im Alter


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Menschen, die heute das sechzigste Lebensjahr erreicht haben, sind in den ersten 20 Jahren ihres Lebens damit aufgewachsen, dass Sucht hauptsächlich als Charakterfehler angesehen wurde. Erst im Jahr 1968 wurde Sucht vom Bundessozialgericht offiziell als Krankheit anerkannt.

Drei, der unten aufgeführten Kriterien des ICD-101 (die des DSM IV2 sind ähnlich) für ein Abhängigkeitssyndrom, sollten während des letzten Jahres aufgetreten sein, um eine Diagnose stellen zu können. Nach dieser setzt sich ein Abhängigkeitssyndrom aus verschiedenen Phänomenen kognitiver, körperlicher und verhaltenstechnischer Art zusammen. Erstens wird der starke Wunsch und Drang das Suchtmittel zu konsumieren erwähnt, zweitens die Schwierigkeit den Konsum zu kontrollieren. Drittens wird auf Vorrangstellung, welche dem Substanzgebrauch eingeräumt wird eingegangen und viertens darauf hingewiesen, dass dieser trotz schädlicher Folgen beibehalten wird. Eine Toleranzentwicklung fünftens sowie ein eventuelles körperliches Entzugssyndrom sechstens werden ebenfalls als typische Merkmale genannt.

Faktoren

Zu einer Suchtentwicklung gehören im Wesentlichen drei grundlegende Faktoren. Die Gesellschaftliche Ebene, die Persönlichkeit des Betroffenen und die Droge selbst. Die gesellschaftliche Ebene beinhaltet die Akzeptanz und den Umgang mit der Droge, wie sie unter dem Punkt Alkohol dargestellt wurde.

Psychoanalytisch

Auf der Ebene der Persönlichkeit wird aus psychoanalytischer Sicht von einer prämorbiden Persönlichkeit also einer gewissen Vorschädigung ausgegangen. Die Geschichte des Individuums ist demnach also mit verantwortlich für eine gewisse Suchtdisposition und der Alkoholismus als missglückter Selbstheilungsversuch zu interpretieren. Es kann sich in diesem Zusammenhang allerdings niemand in Sicherheit wiegen, da es höchst unwahrscheinlich ist, unbeschadet durch die Kindheit zu kommen. Es gibt bis jetzt keine Möglichkeit ohne eine Abhängigkeitserkrankung herauszufinden, ob jemand zu dem gefährdeten Personenkreis gehört.

Humanistisch

Die humanistische Persönlichkeitstheorie bezieht sich in ihrem Verständnis von Sucht häufig auf die Psychoanalyse. Der wesentliche Unterschied ist die Ablehnung den Menschen als Triebwesen zu sehen. Im Mittelpunkt stehen stattdessen Dinge, welche den Menschen an einer Weiterentwicklung hindern. Aus diesen Hindernissen können sich Störungen, wie auch eine Sucht entwickeln.

Systemisch

Nicht von seiner Umwelt zu trennen ist das Individuum in der Systemischen Persönlichkeitstheorie. Der Süchtige ist hierbei Symptomträger in einem nicht funktionierendem System, häufig die Familie.

Biologisch und Verhaltenstherapeutisch

Eng miteinander verbunden sind die biologische und die verhaltenstherapeutische Sicht der Faktoren, welche eine Alkoholkrankheit auf der Ebene der Persönlichkeit (bzw. in diesem Kontext vielleicht treffender auf der Ebene des Individuums) beeinflussen können. Diese sind höchst komplex und verschiedenartig. Dabei kommt es während der Suchtentwicklung innerhalb der für Sucht relevanten Bereiche des neurobiologischen Systems zu Prozessen der Konditionierung, Sensitivierung und Desensitivierung. Die Konditionierung meint hierbei, dass ein neutraler Reiz, wie zum Beispiel eine Kneipe oder das Lümmeln auf dem Sofa nach dem Feierabend mit einem verhaltensverstärkenden Reiz, Alkohol tritt hierbei als positiver Verstärker auf, gekoppelt wird. Später löst dann der Anblick der Kneipe oder das Lümmeln auf dem Sofa nach dem Feierabend den Wunsch nach Alkohol aus. Die positiven Verstärker können auch nur indirekt von der Droge ausgehen, zum Beispiel bei einem schüchternen Mann der Alkohol konsumiert und dem es auf einmal leichter fällt mit Frauen zu sprechen. Als negative Verstärker können körperliche (Zittern, Übelkeit etc.) und psychische (Angst, Schuldgefühle etc.) Symptome zu erneutem Konsum führen. Dass die einzelnen Wirkungen sich quantitativ und qualitativ verändern, bezeichnet man als Sensitivierung und Desensitivierung.

Allgemeines

Der Faktor Droge beinhaltet Dimensionen, wie die Griffnähe, die Gewöhnung, die Einnahmeart und das Suchtpotenzial der Droge. Man ist sich heute weitgehend einig darüber, dass es keine typischen Persönlichkeitsmerkmale gibt, welche eine Abhängigkeitserkrankung nach sich ziehen. Die Krankheit tritt bei den unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf.



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Auch eine Vererbungstheorie von Abhängigkeitserkrankungen wird überwiegend abgelehnt. In Betracht gezogen wird allerdings eine Vererbung von bestimmten begünstigenden Faktoren.

Quellen:

Fleischmann, Heribert et al. (1998): “Therapiestrategien im Alter“. In: Havemann-Reinecke, Ursula/ Weyerer, Siegfried/ Fleischmann, Heribert (Hg.): Alkohol und Medikamente, Mißbrauch und Abhängigkeit im Alter . Freiburg: Lambertus. 128-147.

DHS, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (2008): „Alkohol“. URL: http://www.dhs.de/web/suchtstoffe/alkohol.php?flashvideo=Droge_Alkohol.flv&skinfile=video-flash-de-skin2.swf&autoplay=true&loop=false [Stand: 1.10.2008]

World Health Organization (2008): „ICD-10-GM Version 2008”. URL: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/index.htm [Stand: 30.09.2008].

Knoll, Andreas (2004): Sucht. was ist das?. 2.Wuppertal: Blaukreuz-Verlag.

Mann, Karl/ Mundle, Götz (1997): „Alkoholismus und Alkoholfolgekrankheiten“. In: Förstl, Hans (Hg.): Lehrbuch der Gerontopsychiatrie und –psychotherapie. Grundlagen- Klinik- Therapie. Stuttgart: Thieme. 345-355.

Rommelspacher, Hans (1999): „Modelle der Entstehung und Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens. Neurobiologische Ansätze“. In: Gastpar, Markus/ Mann, Karl/ Rommelspacher, Hans (Hg.): Lehrbuch der Suchterkrankungen. Stuttgart: Thieme. 28-66

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren* und Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck*.

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