Krieg. Zum Thema machen oder ausklammern?

Krieg in Europa. Was für Jüngere unfassbar ist, haben heutige Senioren schon erlebt. Krieg hinterlässt Spuren. Trümmer in den Städten und Narben in den Seelen. Flucht und Krieg fügen Leid zu. Leid, das oft bleibt, wenn der Krieg schon lange zu Ende ist. Genaue Zahlen, wie viele der Senioren, die heute in Einrichtungen der Altenpflege leben, traumatische Erfahrungen aus der Kriegs- oder Nachkriegszeit mit sich herumtragen, gibt es nicht. Klar ist, dass die Zahl hoch ist. Der Verlust von Freunden, Familie, der Heimat, Misshandlungen, Folter, Vergewaltigungen, Plünderungen, Hunger, Flucht, Todesangst und das Erleben von Machtlosigkeit gehören zu einem Krieg dazu.

Zwischenzeitlich schien Krieg in weite Ferne gerückt zu sein

Nie wieder. Nie wieder Krieg bei uns. Eine Hoffnung, ein Glaube, der nun zerstört wird. Die Zeit heilt nicht alle Wunden, manchmal hilft die Zeit nur sie zuzudecken. Sie in eine kleine Ecke zu schieben und sie nicht mehr so stark zu spüren. Jetzt kann man sich den Nachrichten über den Krieg kaum entziehen. Wie gehen wir in der Seniorenarbeit damit um? Versuchen wir das Thema zu vermeiden, die Nachrichten draußen zu lassen? Oder machen wir den Krieg zum Thema?

 

Über den Krieg reden!

Wir sind nicht da, um zwanghaft zu konfrontieren. Keiner möchte Krieg zum Thema machen, aber wenn es ein Thema ist, sollten wir es auch nicht ignorieren. Wir sind da, um zu begleiten. Das aufzufangen, was die Menschen bewegt. Gefühle ernst zu nehmen. Da wo ein Redebedarf besteht, ein Gespräch von den Senioren darüber angestoßen wird, ist die Antwort ganz einfach. Wenn wir uns das zutrauen, sollten wir darauf eingehen. Zuhören, Raum geben, auch schwierige Gefühle unserer Gesprächspartner aushalten. Nicht ablenken und das Thema ignorieren. Das Thema zulassen, über den Krieg und seinen Schrecken reden.

 

 
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Auch mit Menschen mit Demenz?

Demenz ist nicht gleich Demenz und das, was die Menschen aus ihrer Umwelt an Informationen aufnehmen, kann ganz unterschiedlich sein. Die Ukraine ist nah. Bis jetzt ist der Krieg aber nicht in Deutschland. Wenn Menschen mit Demenz Informationen über den Krieg aufschnappen, kann man Ihnen teilweise mit der Information helfen, dass der Krieg in der Ukraine ist. Für sie ist das vielleicht weiter weg als der Krieg, in dem sie sich gedanklich wieder befinden. Dabei geht es nicht darum, die Menschen zu belehren oder ihnen zu widersprechen. Spüren Sie genau hin. Der Satz “Wir sind hier in Sicherheit”, kann auch eine gute Möglichkeit sein, wenn die Sachinformation nicht mehr auf- oder angenommen werden können. Nicht lügen, bei Bedarf einfach verständliche Informationen geben und Gefühle ernst nehmen, aushalten, zulassen.

 

Wir wünschen allen viel Kraft in dieser herausfordernden Situation!

 

 


Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin, Master of Arts "Alternde Gesellschaften", Gründerin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Natali Mallek finden Sie hier. Fortbildungen mit Natali Mallek finden Sie hier.

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