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Der alte König in seinem Exil


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Autor: Arno Geiger
Verlag: Hanser (2011)

Inhalt

Der alte König in seinem Exil*. Der Vater von Arno Geiger leidet an der Alzheimer-Krankheit. (Zu) Spät erkennen die Kinder in dem seltsam anmutenden Verhaltensweisen des Vaters die Krankheit. Was dann beginnt ist ein neuer Weg miteinander zu leben, eine neue Art zu kommunizieren und die Suche nach dem, was uns zu den Menschen macht, die wir sind. Arno Geiger beobachtet seinen Vater, fühlt wie er eine andere Welt betreten muss um Kontakt mit ihm aufzunehmen. Nebenbei berichtet er von der Lebensgeschichte seines Vaters, der Lebensgeschichte von der der Vater vieles nicht mehr weiß, die ihn aber doch zu dem gemacht hat, der er ist- und bis zum Ende bleiben wird.

Autor

Der Autor, Arno Geiger, lebt als freier und erfolgreicher Schriftsteller in Wolfurt und Wien. Der alte König in seinem Exil ist ein Buch über sich selbst und seinen Vater. Bevor er mit seinen Büchern erfolgreich wurde studierte er Philologie, Alte Geschichte und vergleichende Literaturwissenschaft, außerdem arbeitete er als Videotechniker.



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Höhen und Tiefen

Nach den ersten Zeilen des Buches wird dem Leser klar, dass es um mehr geht als um eine Krankheit. Es geht um Beziehungen. Es geht um Ängste. Es geht um die Liebe eines Sohnes zu seinem Vater. Diese Liebe spürt man in jedem Satz des Buches, man spürt die Gedanken um den Vater kreisen, spürt die Augen auf seinen Handlungen liegen und nicht zuletzt die Wärme, die dadurch entsteht. Trotzdem ist das Buch weit davon entfernt kitschig zu sein. Es ist eher ein nachdenklicher Blick auf eine Beziehung, einen Menschen, ein Leben. Der Ton ist leicht, locker und doch wunderbar tiefgängig. Für Menschen, die mit Demenzkranken zusammen arbeiten, ist es nicht immer leicht den verstehenden, liebevollen Blick zu behalten. Die Menschen, die seinen Vater umgeben, beeinflussen die Gefühlswelt seines Vaters maßgeblich. Das beschreibt Arno Geiger geradezu beiläufig. Die Aggressionen, die sein Vater zeitweise zeigt, hängen in einem hohen Maße davon ab, wer ihn gerade betreut. An einer Stelle des Buches spricht Geiger davon den Vater mit den richtigen Worten glücklich zu machen. In dem Buch bewegt sich die Familie auf einen Punkt zu, an dem sie nicht mehr in der Lage ist, die Betreuung des Vaters selbst zu gewährleisten. Der Vater zieht in das örtliche Seniorenheim von dem Geiger schreibt es “verfügt über qualifiziertes Personal unter guten Arbeitsbedingungen”. Was an dieser Stelle nicht explizit steht, ist dass es auch andere Heime gibt. Das auch qualifiziertes Personal unter schlechten Arbeitsbedingungen mit der Betreuung von Demenzkranken überfordert ist. Der Vorteil auf dem Dorf zu wohnen und auch in das dort ansässige Seniorenheim zu ziehen wird in den anschließenden Sätzen herausgestellt: “Dort kennt man den Vater nicht erst seitdem er krank ist.” Eine wünschenswerte Situation, die häufig anders aussieht. Pflege- und Betreuungskräfte lernen die Demenzkranken oft erst kennen, wenn diese sich schon in einem fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung befinden. Das Wissen über die Geschichte der Bewohner beschränkt sich zu oft auf einen 2-Seitigen Biografiebogen, der für sich in Anspruch nimmt die Geschichte eines ganzen Lebens zu kennen. Es wird deutlich, wie wichtig es ist, dass wir in unserer Arbeit nie den Blick für den Menschen verlieren. Das wir eine Geschichte wahrnehmen und nicht nur eine Erkrankung. Dieser Blick für den Menschen, den sich Arno Geiger bewahrt hat, wird auch auf den letzten Seiten des Buches deutlich: “Ich wollte nicht nach seinem Tod von ihm erzählen, ich wollte über einen Lebenden schreiben, ich fand, dass der Vater, wie jeder Mensch, ein Schicksal verdient das offenbleibt.” Es ist ihm gelungen ein Bild von einem lebenden Mann zu zeichnen. Einem Mann mit Charakter, einem Mann mit Geschichte.

Fazit

Das Buch “Der alte König in seinem Exil” ist unbedingt empfehlenswert. Für Menschen, die mit Demenzkranken arbeiten, kann es hilfreich sein das Geschehen einmal aus der Perspektive eines Angehörigen zu betrachten. “Der alte König in seinem Exil” ermöglicht es, mit dem Abstand eines Buches, auf die Erkrankung zu blicken und durch sie hindurch die Menschen, Charaktere und Schicksäle zu entdecken.
Der Vater von Arno Geiger ist einzigartig, so einzigartig wie jeder Mensch. Demenzkranke sind einzigartig, so einzigartig wie jeder Mensch. Viel Spaß beim Lesen!!!

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts “Alternde Gesellschaften”. Autorin der Bücher Das große Praxisbuch – Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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