“Planung ist das halbe Leben”. Eine Januar-Geschichte zum Gartenjahr

Wenn man an die Arbeit im Garten denkt, dann fällt einem gleich das Unkrautzupfen und das Rasenmähen im Sommer ein. Doch das Gartenjahr beginnt schon im Januar, wenn genauestens geplant wird, welche Pflanzen im Frühjahr wohin gesetzt werden sollen. Auch Rosi studiert schon den Pflanzenkatalog, während vor dem Fenster der Schneesturm tobt. Lesen Sie gemeinsam mit den Senioren unsere monatlichen Geschichten rund um das Gartenjahr und nutzen Sie diese für Gespräche, Erinnerungen und Aktivitäten.

Planung ist das halbe Leben

Rosi goss gerade ihren Weihnachtskaktus, der in aller Pracht seine rosafarbenen Blüten ausstreckte, als die Briefkastenklappe schepperte. „Na, das wird wohl wieder eine Rechnung sein“, dachte sie, schlurfte in den Flur und bückte sich, um die Post aufzuheben. Es war zwar keine Rechnung bei den Briefen, aber eine Ankündigung, dass die Müllgebühren in diesem neuen Jahr steigen würden. Rosi seufzte und hob einen großen schweren Umschlag auf. „Was ist das nun schon wieder?“, rätselte Rosi, ging in die Küche und setzte ihre Lesebrille auf.

“Samenhaus König – Die Adresse für Ihren Garten“ las Rosi und öffnete nun gespannt den Umschlag. Denn bei König bestellte sie seit Jahren ihre Setzlinge und Samen für den Garten. Sie legte den bunten Katalog auf den Tisch, bereitete sich eine Tasse Kaffee zu und holte Blatt und Bleistift. Dann machte Rosi es sich in der Wohnküche gemütlich und blätterte gespannt den Gartenkatalog durch, während draußen die Schneeflocken vor dem Fenster tanzten. Wunderschöne Sommerblumen und prächtige Stauden wurden vorgestellt und Rosi staunte, welch fantastische Blumenzüchtungen es gab. Aber auch die verschiedenen Gemüsepflanzen, Beerensorten und Gehölze fanden Platz in der Broschüre. Sogar Rosenbögen, Bausätze für Teiche und Kompostanlagen konnte man bei “Samenhaus König“ erwerben.

Rosi malte einen Plan ihres Gartens auf das Blatt Papier. Alle Beete zeichnete sie genauestens auf. Dann überlegte sie, wo sie letztes Jahr die Kartoffeln und die verschiedenen Gemüsesorten gepflanzt hatte. Denn dieses Jahr würden die Pflanzen einen jeweils neuen Platz bekommen. Rosi achtete auch darauf, in welchem Bereich ihr Garten schattiger und wo sonniger war und dann ordnete sie jedem Gemüse und jeder Staude einen Platz zu. Dabei berücksichtigte sie natürlich auch, dass manche Gemüse und auch Kräuter sich sinnvoll ergänzten. So plante sie die Zwiebeln neben die Buschbohnen ein und die Petersilie zum Salat. Bei den Stauden achtete sie auf die Farbe, die Wuchshöhe und die Blütezeit der Blumen, damit sie rund um ihre Terrasse das ganze Jahr eine andere blühende Pflanze bewundern könnte.

So eine Planung musste wohlüberlegt sein und brauchte seine Zeit. Rosis Magen knurrte und sie machte eine Mittagspause. Sie holte eine Tüte mit Möhrensuppe aus der Tiefkühltruhe, die sie im letzten Sommer eingefroren hatte. Die machte sie sich mit einem Wiener Würstchen warm und knabberte zum Nachtisch die letzten trockenen Plätzchen vom Weihnachtsteller.

Am Nachmittag wählte Rosi im Pflanzenkatalog die passenden Sämereien, Setzlinge und Pflanzen aus. Das war gar nicht so einfach, denn die Auswahl war sehr groß. Die Samen würden schon bald mit der Post kommen und Rosi würde sie im Frühbeet aussäen und vorziehen. Die Pflänzchen würden erst im Mai nach den Eisheiligen verschickt werden, denn vorher zu pflanzen war wegen eines späten Frostes zu riskant. Zu guter Letzt bestellte Rosi noch einen Bausatz für einen Kompost. Früher hatte sie immer einen Komposthaufen im Garten genutzt, doch seit einigen Jahren nicht mehr. Im Kompost könnte sie die Grünabfälle verrotten lassen und brauchte keine so große Mülltonne. Da würde sie sogar trotz neuer Müllgebühren sparen.

Inzwischen war es dunkel geworden und Rosi erhob erstaunt den Kopf von ihrem Gartenplan. Sie war in Gedanken schon so mit ihrer Gartenarbeit beschäftigt gewesen, dass sie ganz vergessen hatte, dass ja noch Januar und kalter Winter war. Rosi lächelte, sie freute sich jetzt schon darauf, wenn sie ihre Gartenplanung umsetzen würde. Wie viel Freude machte es, all das Gemüse und die Blumen beim Wachsen zu beobachten und sie zu hegen und zu pflegen! Rosi zog Winterstiefel und Mantel an, steckte ihre Bestellung in den frankierten Rückumschlag und stapfte durch den Schnee zum Briefkasten. Die Klappe des Briefkastens schepperte als Rosi die Pflanzenbestellung an “Samenhaus König” hineinwarf.

Monika

© by Monika Kaiser. Buchhändlerin, Betreuungskraft, Autorin bei Mal-alt-werden.de

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert