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Alter und soziale Ungleichheit


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In welchem Verhältnis stehen Alter und Soziale Ungleichheit? Ist „Alter“ eine eigenständige Quelle sozialer Ungleichheit, oder beeinflusst es soziale Ungleichheit nur in Verbindung mit anderen Merkmalen wie zum Beispiel dem Einkommen.

Soziale Ungleichheit…

…ist ein zentrales Thema der Soziologie. Wenn man soziale Ungleichheit analysiert, kann man sich auf eine Gruppe von Menschen konzentrieren (z.B. Menschen über sechzig) oder einen speziellen Lebensbereich untersuchen (z.B. Einkommen, Bildung, Gesundheit). Wenn von sozialer Ungleichheit die Rede ist, geht es immer um Ressourcen und deren Verteilung in der Gesellschaft. Welche Möglichkeiten zur Teilhabe hat der Einzelne?



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Die Relevanz verschiedener Bereiche schwankt im Laufe der Zeit. Heutzutage ist die Qualifikation einer Frau wichtiger für ihre Position in der Gesellschaft, als ihre Möglichkeit Kinder zu gebären. Das war in andern Jahrhunderten unter Umständen anders. Bei sozialer Ungleichheit geht es nicht immer nur um das Anderssein, es geht immer um Gruppen und deren Position. Sind sie benachteiligt oder privilegiert? Von sozialer Ungleichheit geht häufig eine Ungerechtigkeit aus. Dieser Zusammenhang ist aber keines Falls zwingend. Dinge können ungleich aber „gerecht“ sein bzw. als gerecht empfunden werden.

Lebensstile und Milieus

Ansätze die sich mit Milieus und Lebensstilen befassen, versuchen sowohl Mekmale horizontaler Ungleichheit als auch Merkmale vertikaler Ungleichheit abzubilden. Vertikale Merkmale von Gruppen sind Dinge wie der soziale Status, die Bildung, das Einkommen. Sie lassen sich von Oben nach Unten darstellen. Mit horizontalen Merkmalen lassen sich Gruppen einordnen, die nebeneinander stehen. Beispiel für horizontale Merkmale sind Nationale Herkunft, die Religion und auch das Alter.

Milieus und Lebensstile nach Gerhard Schulze

Gerhard Schulze unterscheidet in seinem Milieumodell zwischen fünf verschiedenen Milieus dem Niveaumilieu, dem Integrationmilieu, dem Harmoniemilieu, dem Selbstverwirklichungsmilieu und dem Unterhaltungsmilieu. In diesem Modell spielt neben dem vertikalem Merkmal Bildung auch noch das horizontale Merkmal Alter eine Rolle. Ältere Menschen mit einer vergleichsweise hohen Bildung stehen einer sogenannten „Hochkultur“ nahe, man würde sie dem Niveaumilieu zurechnen. Jüngere orientieren sich eher an „Spannung und Action“, man würde sie dem Selbstverwirklichungsmilieu zuordnen. Die von Schulze vertretene Erlebnisorientierung kann als „Suche nach dem Glück“ beschrieben werden.

Lebensstile als Habitus nach Pierre Bourdieu

Das Habituskonzept geht davon aus, dass Handlungen (sozialer Art) auf Gewöhnungsprozesse zurückzuführen sind. Auffällig an dem Konzept ist, dass eine alles umfassende Definition für „Habitus“ fehlt. Grundsätzlich geht es aber um eingeprägte Schemata, die sich auf unser Handeln in der Gegenwart auswirken. Zu dem Habitus des Individuums gesellt sich der Faktor „Sozialer Raum“. Mit dem Sozialen Raum sind die individuellen (Bsp.: finanzielle, sozialen, kulturellen) Ressourcen eines Individuums und deren Veränderungen im Lebenslauf gemeint. Durch das Interagieren mit anderen und die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen manifestieren sich Lebensstile nach außen. Habitus, Sozialer Raum und die Manifestation des Lebensstils stehen dabei immer in direkten, indirekten und wechselwirkenden Beziehung.

Individualisierung

Aus dem Blickwinkel der Individualisierung betrachtet zum Beispiel Rufus Beck die soziale Ungleichheit. Anstelle der Identifikation von Merkmalen sozialer Ungleichheit steht die Entwicklung eines Strukturmodells von sozialer Ungleichheit im Mittelpunkt. Das Individuum ist nicht mehr an bestimmte Rollen, Klassen und Schichten gebunden. Diese Freisetzung erlaubt es dem Einzelnen zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Lebensführung zu wählen (Bsp. Frauen können sich für einen Leben mit oder für ein Leben ohne Kinder entscheiden). Durch die erweiterten Handlungsmöglichkeiten entstehen auch neue Risiken, diesen Prozess beschreibt Beck als Entzauberung. Als dritte Dimension gibt er die Reintegration an. Individuen sind ihrem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert. Für Probleme der Individualisierung werden Institutionen und Strukturen geschaffen. Grob zusammengefasst, könnte man die Individualisierung vielleicht als Wandel von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung sprechen.

Quellen:

Burzan, Nicole (2007): Soziale Ungleichheit. 3. Wiesbaden: VS.
Schulze, Gerhard (2005): Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt/Main: Campus.
Jobst, Solvejg (2010): Profession und Europäisierung. Zum Zusammenhang zwischen Lehrerhandeln, Institution und gesellschaftlichem Wandel. Münster: Waxmann.
Green, Sandra (2004): Individualisierung und Wissensarbeit. Individualisierungsprozesse in Unternehmen und ihre Auswirkungen am Beispiel der Personalorganisation. Wiesbaden: DUV.
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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren*, Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch*, Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck* und Maibowle und Winzerfest: Lücken-Geschichten in Reimen*.

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