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Wirklich als Biene? Eine Fasching Geschichte

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Wenn man sich innerhalb der Biografiearbeit gemeinsam mit Senioren persönliche Fotoalben anschaut, fällt auf, dass neben Fotos von Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Weihnachtsfesten auch etliche Fotos von Karnevalsfeiern in den Alben vertreten sind. Fasching scheint also auch früher ein beliebtes und wichtiges Fest im Jahr der heutigen Senioren gewesen zu sein. Nicht umsonst sprechen Karnevalisten und Karnevalistinnen von der 5. Jahreszeit, die am 11.11. des Vorjahres beginnt und bis zum Aschermittwoch andauert.
Natürlich muss man generell ein Freund von Fasching oder Karneval sein. Für alle diejenigen, die dem Fasching mit Interesse oder gar Freude entgegenschauen, haben wir eine Fasching Geschichte zum Vorlesen geschrieben.
Wir wünschen Ihnen damit viel Freude!

Wirklich als Biene? Eine Fasching Geschichte

Rosi war im letzten Jahr mit ihrem Mann Hans in die Karnevalshochburg Köln gezogen. Natürlich nicht wegen des Karnevals. Die Firma ihres Mannes hatte in Köln eine neue Zweigstelle eröffnet, die er leiten sollte. Für Hans hatte der Karneval, oder der Fasching, wie es früher in der alten Heimat geheißen hatte, sogar einen bitteren Beigeschmack im Bezug auf den Umzug. Auch wenn es im Beruf keine bessere Veränderung für ihn hätte geben können.

Hans hasste den Karneval! Oder Fasching. Oder die Fastnacht. Wie auch immer diese Narren ihre Feierlichkeiten nannten. Für Rosi war der Kölner Karneval Neuland. Sie kam aus dem hohen Norden und war noch nie auf einem Karnevalsumzug gewesen. Sie wollte sich das Spektakel in der darauf folgenden Woche nicht entgehen lassen. Sie hatte sich sogar ein Kostüm gekauft – schwarze und gelbe Streifen, Flügel, Fühler: Rosi wollte als Biene den Karnevalsumzug besuchen. Und sie freute sich sehr!

Hans kippte sprichwörtlich aus den Latschen, als Rosi ihm ihr Kostüm zeigte. Wirklich als Biene? Sie meinte es doch tatsächlich ernst mit dieser Faschings-Karnevals-Sache! Er überlegte kurz, was er sagen sollte, hielt dann aber inne. Er würde am Montag arbeiten gehen. Wie an jedem anderen Tag. Rosi sollte das machen, was sie glücklich machte – auch wenn das heißen sollte, dass sie sich als Biene verkleidet an den Straßenrand stellen und Getränke aus Plastikbechern trinken würde…

Als Hans am Rosenmontag mit seiner Aktentasche zu seiner Geschäftsstelle marschierte kam es ihm schon ein wenig komisch vor, dass die Straßen so ruhig und leer waren. Rund um die Innenstadt standen Absperrungen, die die Autos fern halten sollten. Er schüttelte gedanklich den Kopf, schloss die Tür auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er war immer mindestens zwei Stunden vor Geschäftsöffnung da, seine Mitarbeiter kamen entsprechend nach ihm.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern war an diesem Montag komisch. Karl und Simone zogen Gesichter wie drei Tage Regenwetter, weil Hans ihnen keinen Urlaub genehmigt hatte – und ihre Meinung dazu zeigten sie deutlich. Erst als Cornelia mit Berliner und Luftschlagen ankam, wurde die Laune besser. Hans verstand es einfach nicht. Er wartete auf Kundschaft, dann würde das bunte Treiben ja wohl ein Ende haben.



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Aber die Kundschaft blieb aus. Um zwölf Uhr am Mittag wurde Hans ungeduldig. Cornelia hatte versucht ihm zu erklären, dass die Kölner am Rosenmontag alle in der Stadt versammelt Karneval feiern würden, ohne auch nur einen Gedanken an einen Versicherungsabschluss zu verschwenden. Aber Hans blieb stur.

Eine Stunde später schickte er Karl und Simone nach Hause, diese langen Gesichter konnte er sich nicht länger anschauen. Als die beiden gerade raus waren, betrat eine Biene die Geschäftsstelle. „Als doch Kundschaft!“, dachte er. Doch er hatte die Rechnung ohne Rosi gemacht. Natürlich war sie es, in ihrem Bienenkostüm, die eintrat.

„Gleich kommt der Zoch hier vorbei – das müsst ihr euch einfach ansehen!“, rief sie begeistert. Cornelia sprang sofort auf, stellte sich zu Rosi ans Fenster und gab ihr einen Berliner in die Hand. Hans‘ Augenbrauen zuckten. „Der wer kommt?“, wollte er gerade fragen. Doch da war schon der ganze Raum mit Musik erfüllt. Genau vor seinem Schaufenster zog der Kölner Rosenmontagszug vorbei.

Nach einigen Minuten zögern nahm er seine Kaffeetasse und setzte sich in seinen Schreibtischstuhl. Als er Rosi und Cornelia so begeistert an der Scheibe stehen sah musste er schmunzeln. Er verstand es einfach nicht. Aber er hatte Rosi schon lange nicht mehr so ausgelassen gesehen…
Und so musste sie wenigstens nicht aus Plastikbechern trinken. Er holte Gläser, schenkte den Damen kalten Sekt ein, den er mal von einem Großkunden geschenkt bekommen hatte, gab Rosi einen Kuss auf die Wange und vetiefte sich in seine Bilanzen…



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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin. Autorin des Buchs Das große Spiele-Buch für Menschen mit Demenz*.

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